Familotel Das Bayrischzell
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Nur drei Monate geöffnet: Erst im August eingeweiht, musste das Familotel Das Bayrischzell bereits mit dem neuen Lockdown Anfang November wieder schließen.

Leere Hotelbetten, still stehende Skilifte

Lockdown nimmt kein Ende: Bayrischzell schreibt Wintersaison im Tourismus ab

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Bayrischzell rechnet mit schlimmen Einbrüchen durch den Corona-Lockdown. Der Grund: ein möglicher Totalausfall der touristischen Wintersaison. Doch der Blick geht nach vorn.

Bayrischzell – Das Wechselbad der Gefühle zeigt sich auf Facebook. Dort postete das Team des im Sommer neu eröffneten Familotels Das Bayrischzell am 1. August voller Begeisterung: „Wir haben geöffnet!“ Nur drei Monate später, am 1. November, folgte dann die große Ernüchterung: „Aufgrund der Verordnung der Bundesregierung müssen wir schweren Herzens mit 2. November schließen.“ Allerdings mit dem Hinweis, dass Buchungen für den Winter gern entgegengenommen würden. Die erfolgten eher spärlich, berichtet Hoteldirektor Victor Golke Anfang Dezember in einem Videointerview. Und sie waren vergeblich: Bis heute hat Das Bayrischzell keine Gäste mehr empfangen. Die Betten blieben wegen des verlängerten Lockdowns wie im ganzen Ort leer.

Bürgermeister fürchtet dramatische Folgen des Lockdowns

Bürgermeister Georg Kittenrainer tut es in der Seele weh, wenn er an die möglichen Folgen denkt. Und die werden dramatisch sein, fürchtet er. „Ich gehe derzeit davon aus, dass wir die gesamte Wintersaison abschreiben müssen.“ Bedeutet: Keine Einnahmen für Hotellerie und Gastronomie, keine Kurtaxe und auch kein Skipassverkauf. „Wenn wir diesen Nuller wirklich so bekommen“, sagt Kittenrainer, „dann geht’s ans Eingemachte.“ Der ganze Ort lebe vom Fremdenverkehr. „Das ist unser Hauptwirtschaftszweig in Bayrischzell“, warnt der Bürgermeister. Den ersten Lockdown im Frühjahr habe man noch einigermaßen wegstecken können, weil er nicht mitten in der Saison stattgefunden habe. Die aktuellen Entwicklungen seien aber sehr besorgniserregend. „Die Krise kommt bei uns erst jetzt so richtig an.“

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Auf welche finanziellen Einbrüche sich die Gemeinde einstellen muss, kann der Rathauschef noch nicht abschätzen. Spätestens mit der Aufstellung des Haushaltsplans für 2021 im April werde man aber wissen, wohin die Reise geht. Eines steht für Kittenrainer aber schon fest: „Wir werden uns nicht einigeln oder gar ins Loch der Untätigkeit fallen.“

Das habe man auch 2020 vermeiden können. Alle größeren Projekte wurden durchgezogen, betont der Bürgermeister. Die Brandschutzsanierung der Grundschule sei größtenteils abgeschlossen, auch die Instandsetzung des Dachs des Bahnhofsgebäudes habe man erledigt. Und beim Bebauungsplan für die Ortsmitte liege man ebenfalls im Zeitplan.

Bayrischzell treibt Projekte weiter voran

Dank des soliden Wirtschaftens in den Vorjahren bleibe Bayrischzell auch in der Krise handlungsfähig, macht Kittenrainer klar. Dass 2021 keine großen Investitionen anstehen, habe nichts mit Corona zu tun, sondern damit, dass einige Großprojekte noch in der Planung stecken. Als Beispiel nennt der Bürgermeister etwa das Thema Kläranlage, also eine Pflichtaufgabe. Doch auch bei den freiwilligen Leistungen will Bayrischzell nicht auf die Bremse steigen. So will Kittenrainer nach dem Bürgerentscheid die Planung für ein neues Warmfreibad aktiv vorantreiben. „Wir nehmen den Wählerauftrag sehr ernst“, verspricht er.

Nicht nur für die Einheimischen ein wichtiges Signal, sondern auch für den Fremdenverkehr. Die Bürger und Gewerbetreibenden im Ort sollen spüren, dass die Gemeinde trotz Corona an eine touristische Wiederauferstehung glaubt. „Wir setzen unsere Hoffnung in die Zukunft“, sagt Kittenrainer.

Das machen auch die Betreiber des Familotels Das Bayrischzell. „Die wirtschaftlichen Schäden des Lockdowns sind enorm, aber wir werden das durchstehen“, sagt Manfred Pletzer von der Pletzer-Gruppe, der das Hotel gehört, im Facebook-Interview. Dennoch könne es nicht die Strategie der Politik sein, das Überleben einer ganzen Branche über Monate hinweg an staatliche Fördergelder zu knüpfen. „Das ist nicht nachhaltig“, sagt Pletzer und appelliert an eine Neubewertung der Lockdown-Maßnahmen für Hotellerie und Gastronomie sowie für die Skigebiete. „Eine Region wie Bayrischzell sollte nicht nur Zweitwohnsitzlern und Tagesausflüglern zur Verfügung stehen, sondern auch wieder Urlaubsgästen.“ Wie wichtig diese für einen Ort wie Bayrischzell sind, hat die Krise eindrucksvoll gezeigt.

sg

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