Am Schnee fehlt es nicht: Gestern Vormittag präsentierten sich die Pisten am Sudelfeld zwar unpräpariert, aber sonst mit besten Bedingungen. Zu sehen sind lediglich die Spuren der Tourengeher.
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Am Schnee fehlt es nicht: Gestern Vormittag präsentierten sich die Pisten am Sudelfeld zwar unpräpariert, aber sonst mit besten Bedingungen. Zu sehen sind lediglich die Spuren der Tourengeher.

„Nehmen pausenlos Kredite auf“

Nach Lockdown-Verlängerung: Bei Skigebieten schwindet langsam die Hoffnung - „Warten, was noch kommt“

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Die Lockdown-Verlängerung ist beschlossene Sache. Bei den Skigebieten wird die Hoffnung auf einen Umsatz in der Saison hingegen immer kleiner.

  • Wegen der Lockdown-Verlängerung müssen auch die Skigebiete in Bayern weiter geschlossen bleiben.
  • Ganz aufgegeben hat das Skigebiet Sudelfeld zwar noch nicht - doch die Hoffnung ist nicht mehr allzu groß.
  • Nach wie vor ist das Skigebiet überzeugt von seinem Corona-Hygienekonzept.

Landkreis – Der Lockdown geht weiter. Bis 14. Februar werden die Einschränkungen nun verlängert. Das hat die Runde der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern beschlossen. Für die Wintersportbranche schwindet damit erneut ein Stück Hoffnung, zumindest noch ein bisschen Umsatz in dieser Saison machen zu können.

Lockdown-Verlängerung: Skigebiet Sudelfeld hat Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben

Am Sudelfeld hat man den Winter mit der Lockdown-Verlängerung dennoch nicht abgeschrieben. „Wenn sich die Möglichkeit bietet, dass wir noch vier bis sechs Wochen öffnen können, würden wir das tun“, sagt Egid Stadler, Geschäftsführer der Bergbahnen Sudelfeld. „Bis März kann man bei uns noch gut Ski fahren. Aber die Hoffnung ist nicht mehr groß, denn wenn der Lockdown gelockert wird, werden wir wohl nicht bei den ersten dabei sein, für die die Regeln gelockert werden.“

„Wir haben Sonne und Pulverschnee - eigentlich bestes Wetter“

Aktuell seien die Bedingungen auf den Hängen super. „Wir haben Sonne und Pulverschnee – eigentlich bestes Wetter“, sagt Stadler. Das nutzten zuletzt Tourengeher und Schlittenfahrer. Für sie wurden Parkplatz und WC-Anlagen geöffnet – ein bisschen Einnahme und Arbeit fürs Personal.

Der Liftbetrieb könnte schnell wieder aufgenommen werden. „Wir müssten nur den Schnee verteilen und die Pisten präparieren.“ Da genug Schnee vorhanden ist, werde jetzt die Beschneiungsanlagen abgebaut – ein normaler Vorgang für diese Zeit.

Corona-Lockdown: Liftbetriebe am Sudelfeld könnten schnell aufgenommen werden

Die Hauptarbeit wurde zu Beginn der Saison erledigt. Da hatte man den Untergrund bereitet. 100 000 Euro wurden dafür ausgegeben für Energie- und Personalkosten, rechnet Stadler zusammen. Ein Investment, das nötig war, um – so der Stand damals – zumindest mit Verzögerung in die Saison starten zu können.

Dass sich der Lockdown immer länger hinziehen würde, sei so nicht absehbar gewesen. „Man muss aber zumindest die Voraussetzungen schaffen.“ Jetzt noch etwas Umsatz wäre also Schadensbegrenzung – vor allem für die zwölf festangestellten Mitarbeiter, die aktuell in Kurzarbeit sind, wäre es wichtig.

Corona-Lockdown in Bayern: Überbrückungshilfen lassen auf sich warten - „Nehmen pausenlos Kredite auf“

Die staatlichen Überbrückungshilfen lassen dagegen auf sich warten. „Eine erste Abschlagszahlung haben wir bekommen, aber das reicht bei Weitem nicht“, berichtet Stadler. Er versteht die Politik nicht: „Da wird vollmundig versprochen, und dann wird man vertröstet. Und wir nehmen pausenlos Kredite auf.“

Ähnliches berichtet Antonia Asenstorfer, Sprecherin der Alpenbahnen Spitzingsee, Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH. „Wir müssen abwarten, was noch kommt“, sagt sie. „Sollten wir Mitte Februar öffnen dürfen, wäre ein Betrieb denkbar, vielleicht auch eingeschränkt.“ Auch bei ihnen seien die Mitarbeiter seit Januar in Kurzarbeit, Förderhilfe sei bis auf eine kleine Abschlagszahlung noch keine geflossen.

Corona-Lockdown: Skigebiet immer noch überzeugt vom Hygienekonzept

Insgesamt sei es eine unbefriedigende Situation. „Es sind viele Leute draußen im Schnee, und trotzdem ist für uns nichts möglich.“ Dabei hätten die Bahnen mit einem funktionierenden Hygienekonzept die Voraussetzungen geschaffen, den Betrieb auch mit Blick auf den Corona-Schutz gut steuern zu können.

Auch ärgert es Asenstorfer, dass immer wieder der Vergleich mit Ischgl falle. „Wir hätten das wirklich gut stemmen können.“ Große Hoffnung, dass doch noch eine kurze Skisaison möglich wird, hat sie nicht: „Bei den Lockerungen im Sommer haben wir auch zu den Letzten gehört.“

Auch die Gemeinde Bayrischzell rechnet inzwischen mit schlimmen Einbrüchen durch den Corona-Lockdown. Der Grund: ein möglicher Totalausfall der touristischen Wintersaison. Doch der Blick geht nach vorn. Und seit gut einer Woche dürfen lokale Einzelhänder Waren per Click & Collect anbieten: Im Landkreis verkaufen die Händler so tatsächlich mehr.

(ddy)

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