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Auf Hochtouren: Am Sudelfeld – hier am Grafenherberg – werden die Gräben gezogen für die Steuerung der neuen Liftanlage und die Leitungen für zwei Kilometer neue Beschneiungsanlagen.

Achter-Sessellift wird in den Berg geschlagen

Modernisierung am Sudelfeld: Noch mal acht Millionen Euro

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Den Sommer vor der Nase, den Winter im Blick: Am Sudelfeld läuft der nächste Teil der Modernisierung des Skigebiets. Der neue Achter-Sessellift soll auch im Sommer nutzbar sein.

Bayrischzell – Ein Lastenhubschrauber bahnt sich den Weg durchs Sudelfeld. Er befördert Fertigbeton für die Fundamente der Stützen des neuen Achter-Sessellifts nach oben. Neun von zwölf sind schon fertig, auch die an der Bergstation. Die Modernisierung am Sudelfeld läuft auf Hochtouren. „Wir liegen gut im Zeitplan“, sagt Egid Stadler, Geschäftsführer der Bergbahnen Sudelfeld GmbH. „Wir sind eher etwas früher dran.“

Die Sudelfeld-Modernisierung zieht sich bekanntlich schon seit Jahren hin. Besonders der Bau des Speicherteichs und neuer Beschneiungsanlagen hatte Naturschützer auf den Plan gerufen, schließlich gehört das Obere Sudelfeld zum Landschaftsschutzgebiet. Der Widerstand blieb weitgehend erfolglos.

Direkt nach der Skisaison ging’s heuer weiter. Als es im April noch einmal geschneit hatte, wurden kurzerhand die drei Schlepper Grafenherberglift und die Sudelfeldkopflifte abgebaut. „Da konnten wir mit der Pistenraupe noch hin“, sagt Stadler. So wurde der Untergrund nicht über Gebühr belastet. Wie berichtet, hätte der Abbau schon vor zwei Jahren über die Bühne gehen sollen, doch die Besitzer des alten Grafenherberglifts wehrten sich vor Gericht gegen den die Pläne. Auch dies ohne Erfolg.

Naturschützer kämpften gegen die Beschneiung

Das Abbauen war flott vorüber, jetzt geht es ans Aufbauen. Mitte Oktober ist die Abnahme, den Termin hat Stadler fest im Blick. Der Achter-Sessellift wird eine Hochgeschwindigkeitsbahn, Deutschlands schnellste. Mit sechs Metern pro Sekunde, Sitzheizung, Wetterschutzhauben und automatisch verriegelnden Schließbügeln fahren die Wintersportler auf den 1436 Meter hohen Sudelfeldkopf. Gleichzeitig mit dem Bau des Lifts geht auch der der neuen Beschneiungsanlagen voran. In den Graben, in den sie Steuerung des Sessellifts gelegt wird, kommt auch die Leitung für Schneekanonen und Beschneiungsanlagen. „Einen halben Kilometer haben wir schon“, sagt Stadler. Zwei Kilometer werden es insgesamt.

Die Beschneiung war für den Bund Naturschutz und den Deutschen Alpenverein ein besonderer Störfaktor. Doch auch dieser Widerstand konnte die Modernisierung nicht verhindern. Der Speichersee wurde gebaut. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt, wobei der Streit um die Pläne am Riedberger Horn eine (ablenkende) Rolle gespielt haben könnten. „Die Sessellifte waren ja nie Thema“, sagt Stadler. „Aber ohne Beschneiungsanlagen brauche ich die nicht bauen.“ Liftbetreiber brauchen Schneesicherheit. Die können aber auch Kanonen nur bei entsprechenden Temperaturen garantieren.

So geht’s jetzt weiter: Die Beschneiungsanlagen werden erweitert: Rund acht bis zehn Hektar Pisten entlang der neuen Bergbahn kommen hinzu, insgesamt 72 Hektar können dann mit Kunstschnee versorgt werden. Damit ist der Endausbau der Beschneiung erreicht. In diese wird heuer nochmal etwa eine Million Euro investiert. Stadler erwartet etwa zehn Prozent Förderung durch das Bayerische Bergbahnenförderprogramm, dass im vergangenen Jahr erneut und bis Ende 2019 verlängert worden war.

Ilse Aigner überreicht den Förderbescheid

Mit sieben Millionen Euro wird der Lift zu Buche schlagen. Beantragt sind hierfür 35 Prozent Förderung, der höchstmögliche Satz. „Wahrscheinlich werden wir etwa 30 Prozent bekommen, wie damals beim Waldkopflift“, sagt Stadler. Ganz genau wird er es wissen, wenn ihm am Mittwoch, 7. Juni, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner den Förderbescheid überreicht.

Anfang Juli sollen die Stützen für die Liftanlage errichtet werden. In der Zwischenzeit wird die Talstation gebaut. „Die wird deutlich kleiner als die Waldkopfstation“, sagt Stadler. Schließlich werden hier weder Sanitäranlagen noch ein Skiverleih entstehen, lediglich eine Einstiegsstation und eine Kasse.

In Zukunft nimmt die Bahn aber nicht nur Skifahrer und Snowboarder mit nach oben. „Der Sessellift kann dann auch Fußgänger transportieren“, sagt Stadler. Denn der Lift hat nicht wie die anderen einen Sportausstieg. Damit ist eine Sommernutzung möglich, bisher gab es das am Sudelfeld noch nicht. Solche Zukunftspläne sind notwendig. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept“, sagt Stadler. Daran werde gearbeitet. Wenn alles „ganz gut läuft“, ist es für den Sommer 2018 fertig.

Die rechtliche Lage: Das Sudelfeld liegt im Landschaftsschutzgebiet

Beim Bau des Speicherteichs am Sudelfeld war die rechtliche Lage etwas verwirrend (wir berichteten). Grund: Ende der 1970er Jahre wurde die Zugehörigkeit des Gebiets Oberes Sudelfeld von der Gemeinde Niederaudorf (Kreis Rosenheim) an die Gemeinde Bayrischzell übertragen. Damit sollte gewährleistet werden, dass das komplette Sudelfeld in einem Landkreis liegt. 

Bei der Verschiebung der Grenzen allerdings wurde der Status eines Landschaftsschutzgebietes nicht mit übertragen. Und da im Landratsamt Miesbach die Originalkarte der Schutzgebietsverordnung Oberstes Leitzachtal bis heute nicht aufgefunden werden kann, war unklar, ob das Gebiet der Landschaftsschutz-Verordnung unterliegt. „Der Schutzgebietsumgriff ist aber in einer digitalen Dokumentationsdatenbank abgelegt“, erklärt Landratsamts-Pressesprecher Birger Nemitz. „Danach unterliegt das Sudelfeldgebiet den Bestimmungen der Verordnung.“ Beim Ausbau des Sudelfelds wurde somit von einer Zugehörigkeit zum Landschaftsschutzgebiet ausgegangen. 

Damit jetzt der Achter-Sessellift gebaut werden darf, wurde seitens des Landratsamts eine Befreiung beziehungsweise Ausnahme von der Landschaftsschutzverordnung erlassen. „Eine Herausnahme der für den Liftbau beanspruchten Fläche aus dem Schutzgebiet war nicht erforderlich“, sagt Nemitz. Die hätte der Kreistag beschließen müssen. Die Möglichkeit einer Befreiung ergebe sich durch § 6 der Landschaftsschutzverordnung. Der lässt in Ausnahmen die Errichtung von Bergbahnen zu. Das habe auch für den Bau des Speicherbeckens gegolten. Gegen die jüngsten Pläne für den Achter-Sessellift liegen der Behörde keine Beschwerden vor.

nip

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