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Suche im eiskalten Wasser: Einsatztaucher Marco Weber von der DLRG Tegernsee und sein Kollege von der Feuerwehr Kufstein durchkämmten nach dem Unfall den vereisten Auerbach nach weit eren Opfern.

Nach tödlichem Unfall am Sudelfeld

Taucher erklärt: So gefährlich war der Einsatz im eiskalten Bach

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Bayrischzell/Tegernsee – Einen Einsatz unter Extrembedingungen hatte DLRG-Einsatztaucher Marco Weber bei einer Suchaktion in einem eiskalten Bach am Sudelfeld zu meistern. Das hat er dabei erlebt.

Marco Weber (41)  ist Tauchreferent bei der DLRG Tegernsee.

Es war ein riskantes Unterfangen – und es endete tödlich. Zwei junge Männer aus Kufstein (Tirol) nutzten in der Nacht auf Mittwoch einen schneebedeckten Parkplatz am Sudelfeld für Driftversuche. Plötzlich verlor der Fahrer die Kontrolle, der Audi überschlug sich und stürzte in den Auerbach. Der 20- und 21-Jährige wurden reanimiert, starben aber später im Krankenhaus. Weil zuerst von einem weiteren Unfallopfer im Wasser auszugehen war, wurde auch ein Tauchtrupp der DLRG Tegernsee alarmiert. Einsatztaucher Marco Weber (41) suchte mit einem Kollegen der Feuerwehr Kufstein den vier Grad kalten Bach ab. Im Interview erklärt er, welche Gefahren so ein Einsatz birgt und wie man sich dagegen wappnet.

Herr Weber, haben Sie schon einmal so einen extremen Einsatz erlebt?

Weber: Unter diesen Bedingungen nur bei den Übungen in der Ausbildung. Bei solchen Temperaturen ist das schon eine besondere Herausforderung. Die Eisschicht im Bach war 20 Zentimeter dick. An der Stelle, wo sie das Auto zuvor durchbrochen hat, sind wir dann per Leiter ins Wasser gestiegen. Damit wir beim Tauchen nicht die Orientierung verlieren oder durch die Strömung abtreiben, hat uns jeweils ein Leinenführer gesichert. Um die Suche zu beschleunigen, haben wir uns den Bach aufgeteilt. Durch den langen Anfahrtsweg war ja bereits viel Zeit verstrichen.

Wie groß ist denn in solchen Fällen die Überlebenschance?

Weber: Das ist umstritten. Bereits ab zwei Minuten ohne Sauerstoff können Schäden im Gehirn auftreten. Kaltes Wasser zögert diesen Prozess aber hinaus. Durch die Schockreaktion des Körpers werden nur noch die lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff versorgt. Nicht nur das Unfallopfer, sondern auch wir Retter gewinnen so wertvolle Zeit.

Bringen Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr?

Weber: Der Eigenschutz hat natürlich oberste Priorität. Deshalb halten wir uns strikt an die Vorgaben, die sich aus der Gefährdungsanalyse des Taucheinsatzführers und den Vorschriften der Gesetzlichen Unfallversicherung ergeben. In diesem Fall sind wir mit Trockentauchanzügen samt isolierendem Unterzieher und Vollgesichtsmasken getaucht. Mit einer Lampe haben wir dann zuerst das Wasser dicht unter dem Eis abgesucht. Weiter unten war die Sicht durch die aufgewirbelten Sedimente schlechter. Dann wurde der Einsatz aber ohnehin abgebrochen.

Warum?

Weber: Die Einsatzleitung hat entschieden, dass es aufgrund der fortgeschrittenen Zeit keine Überlebenschance mehr gibt. Die Bergung ist meist nicht mehr unsere Sache, sondern die der Polizei. Später hat sich dann ja herausgestellt, dass keine weiteren Personen unter Wasser waren.

Audi stürzt in Bach: Zwei Tiroler (20 und 21 Jahre) sind tot

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