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Engagieren sich in der Nachbarschaftshilfe: Vorsitzende Brigitte Geiss und Schriftführer Martin Parzhuber. Dem Vorstand gehören ferner Claudia Stumme, Gerda Weingärtner, Ilse Zdovc, Helmut Limbrunner und Sarah Kalhammer an.

„Ohne Rücksicht auf Konfession, Rasse und Weltanschauung“

Nachbarschaftshilfe feiert ihren 30. Geburtstag

Bayrischzell – Die Nachbarschaftshilfe Bayrischzell feiert ihr 30-jähriges Bestehen und will weiterhin Brücke zwischen den Generationen sein. Ein Rück- und Ausblick.

Vor 30 Jahren trafen sich 30 engagierte Bayrischzeller Bürger und gründeten die Nachbarschaftshilfe. Es war der erste Verein dieser Art im Landkreis und hatte es sich zum Ziel gesetzt, Kranken- und Altenhilfe für jeden Bewohner zu gewährleisten. „Ohne Rücksicht auf Konfession, Rasse und Weltanschauung“, so steht es in der Satzung. Daran hat sich auch drei Dekaden später nichts geändert.

„Wir wollen unterstützen beim Einkaufen, im Haushalt oder mit Fahrten“, erklärt Martin Parzhuber, der in seinen 21 Jahren als Schriftführer fast die gesamte Vereinsgeschichte miterlebt hat. Zum Vereinsjubiläum, das am Samstag, 24. September, gefeiert wird, setzte sich der Schriftführer ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte alle Gründungsmitglieder von damals einladen. Zwölf davon hat der 48-jährige Bayrischzeller gefunden und eine Zusage bekommen. Die anderen sind mittlerweile unbekannt weggezogen oder gestorben.

Bei seiner Einladungstour hatte Parzhuber dann ein besonders schönes Erlebnis. Lilo Pöllinger, mit ihren 93 Lenzen eine der ältesten Bewohnerinnen von Bayrischzell, saß gerade auf der Hausbank „und freute sich über die Einladung zur bevorstehenden Festlichkeit“, erzählt er. Dann habe das Urgestein der Wendelsteingemeinde kurz nachgedacht und die Idee von damals erklärt: „Es war wichtig, dass alle Leute im Ort so lange dort verbleiben können wie möglich“, sagte sie. Ein Gedanke, den Pöllinger beispielhaft vorlebt.

Diese Grundidee wurde am 7. Juli 1986 von der damaligen Vorsitzenden Barbara Mühlbauer, Schriftführerin Christiane Waller und Kassier Edith Harand zusammen mit den Beiräten Maria Eckl sowie Pfarrer Elmar Mayr zu Papier gebracht. Heute umfasst die Zeller Nachbarschaftshilfe 143 Mitglieder, davon 38 Helfer. Sie haben im ehrenamtlichen Dienst einige Aufgaben zu bewältigen.

Parzhuber blättert in seinen Unterlagen und legt die letzten datierten Helferstunden aus dem Jahr 2013 auf den Tisch: Insgesamt 1064 Stunden, die sich auf 282 Stunden für Haushaltshilfen, 273 Stunden Fahrdienste und den Pflegedienst mit 459 Stunden aufteilen. Seit Januar 2015 hat der Verein durch die Asylbewerber sogar noch einen Aufgabenbereich dazubekommen, zum Beispiel durch angebotene Deutsch-Unterrichtsstunden. „Die Nachbarschaftshilfe hat dazu beigetragen, dass in Osterhofen die Flüchtlinge so gut aufgenommen wurden“, berichtet Parzhuber, der als Asylsachbearbeiter am Landratsamt arbeitet.

Von den momentan 16 Asylbewerbern sind bereits vier fest im gastronomischen Bereich angestellt. Das sei vor allem Vorsitzender Brigitte Geiss zu verdanken. „Sie hat bei den Betrieben nachgefragt und so die Männer vermittelt“, erklärt er.

Neben der ganzen Arbeit steht die Nachbarschaftshilfe aber auch für geselliges Beisammensein. So veranstaltet sie jährlich am Ostermontag ein Frühstück. „Der mittelalterliche Verein“, wie Parzhuber sie scherzhaft nennt, tische zudem von Oktober bis April jeden Dienstag im Pfarrzentrum Kaffee und Kuchen auf. „Dort wird geratscht, aber ich muss gestehen, es ist mittlerweile ein richtiger Zockerklub aus Kartenspielern geworden“, sagt er schmunzelnd.

Einmal im Jahr gebe es noch einen Ausflug, einen Grilltag, zudem eine Weihnachts- und Faschingsfeier. „Da kommt der Kindergarten, und viele Senioren sind froh, dort ihre Enkel zu treffen.“ Alt und jung vereint im selben Ort – darin lässt sich wieder Pöllingers Grundgedanke erkennen, der die Nachbarschaftshilfe wohl auch vor 30 Jahren entstehen ließ.

Die Jubiläumsfeier

Das 30-jährige Bestehen feiert die Nachbarschaftshilfe am Samstag, 24. September, mit einem ökumenischen Gottesdienst um 17 Uhr in der Kirche St. 

Daniel Wegscheider

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