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In die Jahre gekommen: Das Bayrischzeller Alpenfreibad muss dringend saniert werden.

Rathauschef informiert Bürger über neue Projekte

Naturfreibad und Gondelbahn: So will Bayrischzell im Sommer Gäste anlocken

Ein Urlaubsort braucht Gäste. Im Sommer sieht Rathauschef Georg Kittenrainer noch Potenzial in  Bayrischzell. Bei der Bürgerversammlung sprach er nun vor allem über zwei Projekte.

Bayrischzell – Es knirschte Schnee unter den Schuhen der Bayrischzeller, die sich auf den Weg zur diesjährigen Bürgerversammlung im Gasthof Alpenwirt begaben. Rund 100 hatten am Donnerstagabend im Festsaal Platz genommen, als Rathauschef Georg Kittenrainer seinen Rechenschaftsbericht vorlegte. Insbesondere den Sommertourismus rückte Kittenrainer in den Mittelpunkt seines Vortrags. Und da verkündete er auch eine Hiobsbotschaft: Das Alpenfreibad könnte es, so wie es heute besteht, bald nicht mehr geben.

Bald in den Ruhestand gehen soll auch der alte Einser-Sessellift aufs Sudelfeld.

Es ist kein großes Geheimnis: Seit Jahrzehnten bemüht sich das Alpenfreibad um die Gunst der Badegäste. Trotzdem schreibt die gemeindliche Einrichtung rote Zahlen im Haushalt. Auch Attraktionen wie der neue Sprungturm, Beachvolleyplatz oder bauliche Veränderungen wie damals die Wärmehalle, änderten daran nicht viel. Auch 2018 standen Einnahmen in Höhe von 32 100 Euro einem Defizit von 193 600 Euro gegenüber. Selbst im vergangenen „Jahrhundertsommer“ seien nicht genug Gäste ins örtliche Freibad gelockt worden, erklärte Kittenrainer.

Zudem stehen dort größere Sanierungsmaßnahmen an. Der Bürgermeister verkündete, dass eine neue Chloranlage und Wärmepumpe angeschafft werden müsste. Auch der Beckenboden sei in die Jahre gekommen und sorge für Wasserverlust. „Die Fugen sind so groß, da passt eine ganze Hand hinein.“ Um eine komplette Sanierung komme die Gemeinde nicht herum. „Lange geht das nicht mehr so weiter“, betonte Kittenrainer.

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Allerdings möchte der Bürgermeister sein „lieb gewonnenes Schwimmbad“ nicht aufgeben. Allerdings bereitete er die Bayrischzeller auf ein mögliches neues Konzept vor. Eine Sanierung würde bis zu 700 000 Euro kosten. „Das ist für uns, trotz einer Förderung, nicht zu stemmen“, machte Kittenrainer deutlich. Deshalb prüfe man nun den Umbau in ein Naturfreibad. Dafür habe die Gemeinde aktuell eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, so Kittenrainer.

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Auch aufs Sudelfeld möchte Kittenrainer im Sommer mehr Besucher locken. Es gehe darum, „den dortigen „Wirtschaftsraum auszubauen und zu fördern“. Insbesondere soll der nostalgische Einser-Sessellift in seinen verdienten Ruhestand gehen. In diesem Winter zeigte sich dort wieder, dass der Lift dem alpinen Massentourismus längst nicht mehr gewachsen ist. Als eine Lawine die Sudelfeldstraße und damit die Zufahrt zum Waldkopfparkplatz verschüttete, konnte der gemächliche laufende Sessellift die zahlreichen Skifahrer nur peu à peu nach oben befördern. Wie berichtet, wichen deshalb viele Skifahrer auf das benachbarte Spitzingsee-Skigebiet aus. Daher verfolge die Gemeinde weiter das Ziel, eine Gondelbahn vom Tal zum Kitzlahner zu bauen. Die Vision vom Bahnhof aus zu starten, stieß laut Bürgermeister bei vielen Bürgern auf Widerstand. Derzeit suche die Gemeinde einen alternativen Startpunkt.

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Die Notwendigkeit für weitere Investitionen begründete Kittenrainer mit der großen Bedeutung des Winter- und Sommertourismus für Bayrischzell: „Davon hängt das Überleben des Ortes ab: Ohne Tourismus würde es uns nicht mehr geben. Kein Schwimmbad, keine Gastronomie.“ Bayrischzell lebe davon und könne sich dadurch auch finanzieren, sagte er. Dies belegen nicht zuletzt die Übernachtungszahlen, die seit ein paar Jahren wieder leicht angestiegen sind: 2018 verzeichnete die Tourist-Info rund 176 000 Gäste. Zum Vergleich: 2011 nächtigten circa 144 000 in der Wendelsteingemeinde. Kittenrainer möchte die Zahl in den kommenden Jahren auf 200 000 Übernachtungen steigern.


Lob für Winterdienst, Rüge für BOB und DB Netz

Auch nach tagelangem Tauwetter liegt Bayrischzell noch unter einer schweren Schneedecke begraben. Bei der Bürgerversammlung blickte Rathauschef Georg Kittenrainer auch nochmals auf den Katastrophenfall im Januar zu sprechen, der vor allem in seiner Gemeinde einen beispiellosen Hilfseinsatz zum Abschaufeln der Dächer hervorgerufen hatte (wir berichteten). Kittenrainer lobte die zahlreichen Helfer aus ganz Bayern und den hiesigen Winterdienst, rügte aber die Bayerische Oberlandbahn sowie die DB Netz AG: 

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„Schneeräumen können wir offensichtlich besser“, fand der Bürgermeister. Zehn Tage lang fuhr kein Zug zwischen Bayrischzell und Schliersee. „Die Leute sind auf dem zugeschneiten Gleis auf Tourenski spazieren gegangen“, erzählte Kittenrainer. „So was hat es seit dem Bau der Bahnlinie im Jahre 1911 noch nicht gegeben.“

Von Daniel Wegscheider

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