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Nicht mehr ganz so einig: ATS-Chef Harald Gmeinder (l.) und Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer.

„Eure Aufgabe ist es nun, Qualität abzuliefern, sonst wird es die ATS nicht mehr lange geben.“

Neues ATS-Bezahl-System: Bayrischzell sehr skeptisch

Bayrischzell – Die Harald Gmeinder, Chef der Landkreis-Touristiker, stellte in Bayrischzell die neue ATS-Strategie vor. Die Gemeinderäte waren alles andere als begeistert.

Zehn Jahre lang rührte Harald Gmeiner als Tourismusmanager die Werbetrommel für die Gemeinde Bayrischzell. Jetzt kehrte der Vorstand des Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) an seine alte Wirkungsstätte zurück, um im Gemeinderat das neue Konzept der ATS inklusive der Marketingumlage bis 2019 vorzustellen.

„Es geht letztendlich ums Geld, da sich die ATS ein Stück weit über die Gemeinden finanziert“, erklärte Gmeiner. Für Bayrischzell errechnete er einen jährlichen Beitrag von 11.250 Euro und sprach sich aus Gründen der Planungssicherheit für eine Zusage für drei Jahre aus. Der Gemeinderat übte sich dagegen in Zurückhaltung und beschloss einstimmig, sich vorerst nur für ein weiteres Jahr an der Marketingumlage zu beteiligen und dann die weitere Entwicklung der ATS abzuwarten.

Gmeiner zeigte sich optimistisch und beschrieb die neue ATS als eine leistungsorientierte Organisation: „Bei den Klausuren zur Erarbeitung der neuen Struktur zeigte sich, dass keine der Kommunen oder Leistungsträger pauschal in einen Topf einzahlen will.“ Deshalb habe man sich für die Gründung des Kompetenzzentrums für Tourismus entschieden.

Wie berichtet, können Gemeinden oder private Auftraggeber hierbei bestimmte Beratungsleistungen buchen – und bezahlen auch nur für das, was sie tatsächlich als Leistung erhalten. Aus der jährlichen Marketingumlage bestreitet die ATS dagegen ihre laufenden Kosten im Bereich Marktforschung, Informationstechnik und Werbung. Die Umstellung war notwendig geworden, weil der Landkreis die ATS ab 2017 nur noch mit 425.000 statt mit 850.000 Euro pro Jahr unterstützt. Alles, was darüber hinausgeht, muss sich das Unternehmen selbst erarbeiten.

Bürgermeister Georg Kittenrainer erklärte, wo die Gemeinde Bayrischzell davon profitieren könnte: „Es geht um Aufgaben im touristischen Bereich, die wir selbst nicht leisten können. Dazu gehören das Marketing und die Technik für das Gästebuchungssystem.“

„Der Gast ist erfahrener geworden.“

Bei seinem Vortrag erörterte Gmeiner die touristischen Aufgaben im Wandel der Zeit. Durch die Globalisierung habe sich das Reiseverhalten verändert. „Der Gast ist erfahrener geworden.“ Durch das Internet würden sich die Menschen heutzutage anders informieren und auch vermehrt online buchen. „35 Prozent aller Reisen und Unterkünfte werden über das Internet reserviert“, erklärte Gmeiner. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Bis zum Jahr 2020 würde der Anteil der Onlinebuchungen laut einer Statistik des Deutschen Reiseinstituts sogar auf 50 Prozent ansteigen. „Die Leute möchten ihre Daten mobil abrufen und verfügbar haben“, sagte Gmeiner.

„Leute möchten ihre Daten mobil abrufen und verfügbar haben“

Ein Trend, der dazu führe, dass man sich irgendwann die Tourist-Info sparen könne. Wo früher der persönliche Austausch mit dem Gast am wichtigsten gewesen sei, reiche heute wegen der hohen technischen Anforderungen eine normale Ausbildung zur Tourismusfachkraft nicht mehr aus. „Da brauchen wir Spezialisten.“ Deshalb würde die ATS ihre Kompetenzen in diesem Bereich zur Verfügung stellen und sich verstärkt ums Tourismusprofil der einzelnen Gemeinden kümmern. Gmeiner sah darin ein Sparpotenzial für die Gemeinden.

„Das ist jetzt die Feuerprobe für die ATS“

Kittenrainer stellte sich generell hinter der ATS, blieb aber skeptisch gegenüber ihrer „sportlichen“, wirtschaftlichen Neuorientierung: „Das ist jetzt die Feuerprobe für die ATS“, sagte er. Eines ist dem Bürgermeister jedoch klar. „Letztendlich müssen alle Landkreisgemeinden diesen Weg zusammengehen, damit sich das neue System der ATS dauerhaft halten und finanzieren kann.“ Vizebürgermeister Egid Stadler gab Gmeiner deshalb einen Arbeitsauftrag mit auf den Weg: „Eure Aufgabe ist es nun, Qualität abzuliefern, sonst wird es die ATS nicht mehr lange geben.“

Daniel Wegscheider

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