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18 Jahre Leerstand sollen bald der Vergangenheit angehören: Für den Umbau des früheren AOK-Heims in ein „Hotel Auracher Hof“ liegt nun der Bauantrag vor. Noch heuer soll es losgehen.

Gemeinderat befürwortet Bauantrag

Neues Familienhotel: Bau-Zeitplan steht fest

Das Warten auf weitere Gästebetten in Bayrischzell hat bald ein Ende. Im Spätsommer soll der Bau des Familienhotels beginnen. Einen Namen hat es auch schon.

Bayrischzell – Gedränge herrschte im Sitzungssaal des Bayrischzeller Rathauses. Neben den Gemeinderäten waren rund ein Dutzend Anwohner des ehemaligen AOK-Heims gekommen, das bekanntermaßen von der Pletzer Gruppe Auracher Hof GmbH zum Vier-Sterne-Familienhotel im ländlichen Stil umgebaut werden soll. Um alle Fragen rund um die Bauzeit und den bevorstehenden Hotelbetrieb abzuklären, hatte die Gemeinde die Nachbarn vor der Sitzung zu einer Frage- und Antwortrunde eingeladen. Im Anschluss daran stimmte der Gemeinderat einhellig für den Beschlussvorschlag zu Umbau, Anbau und Aufstockung.

„So wie das Vorhaben jetzt eingereicht ist, entspricht es den Festsetzungen des Bebauungsplans. Somit ist es planungsrechtlich zulässig“, erklärte Gemeindegeschäftsleiter Josef Acher. „Es sollten jetzt keine genehmigungsrechtlichen Hürden mehr auftreten“, ergänzte Bürgermeister Georg Kittenrainer. Der Baubeginn ist laut dem anwesenden Projektleiter Arno Steinbacher vom zuständigen Planungsbüro Geisler und Trimmel nun für Spätsommer 2018 angesetzt. Weihnachten 2019 wird dann – nach einer knapp einjährigen Bauzeit – das 66 Zimmer umfassende Gebäude eröffnet. Parallel wird der Wendelsteinbach auf dem Areal zum Hochwasserschutz begradigt.

Die Fragen der Bürger bezogen sich aber weniger auf bauliche Details. Mehr Interesse galt da beispielsweise dem rund 1,5 Hektar großen Areal im Umgriff des Gebäudes. „Alles, was an Pflanzen und Bäumen auf dem Grundstück wächst, ist vom Gartenarchitekten dokumentiert“, sagte Steinbacher und weiter: „Wir wollen von der Bepflanzung möglichst viel erhalten.“ Laut Kittenrainer soll auch der bereits angelegte Zubringerweg, der vom Hoteleingang über eine Brücke direkt zum Warmfreibad führt, erhalten bleiben.

Der von einigen Anwohnern befürchtete Lärm durch am Bach spielende Kinder, wies Steinbacher zurück. Für die Kleinen stehe ein eigener Bereich im Gebäudeinneren zur Verfügung. Auch die Auswirkungen des Verkehrs würden sich in Grenzen halten, betonte Steinbacher. „Eine hohe Emission ist nicht zu erwarten.“ Die Gäste würden nur zum Ein- und Auschecken mit dem Auto zur Rezeption fahren. Lieferanten müssten sich an festgelegte Ruhezeiten halten.

Beim Thema Energie kam auch das Thema Hotelversorgung zur Sprache: Das Gebäude heizt sich nämlich per Wärmepumpe selbst. Dafür werde die Herstellerfirma Pletzer mittels einer Tiefenbohrung die erforderliche Energie anzapfen, berichtete Kittenrainer. „Diese Luft- und Wasserwärmeversorgung war die Grundbedingung der Pletzer-Gruppe“, ergänzte Steinbacher. „Somit wird die Energie über einen Wärmetauscher ohne Emission zurückgewonnen.“ Eine nachhaltige Lösung für ein Hotel dieser Größe.

Wie berichtet, beinhaltet das zweigeschossige Hauptgebäude Rezeption, Speisesaal und Küche sowie eine überdachte Terrasse. Daran schließt sich ein Anbau mit Flachdach über dem Eingang an, der als Seminarraum dienen soll. Im Untergeschoss befindet sich ein Wellnessbereich mit Schwimmbad, Sauna und Fitnessraum. Der an das Hauptgebäude anschließende Nord-Süd-Anbau misst in der Gesamtlänge 80 Meter – sechs Meter mehr als im Bestand. In diesem Trakt verteilen sich die Gästezimmer auf einer Länge von 55 Metern auf zwei Etagen, der Rest bleibt auf ein Obergeschoss beschränkt. Zusätzlich wird dieser Anbau auf der Ost- und Westseite jeweils um circa drei Meter verbreitert.

„Es wird ohne Frage ein großes Gebäude, das von der Kubatur an der oberen Grenze liegt“, sagte Kittenrainer. Es wird das Größte in der Gemeinde Bayrischzell werden. Aber die „Gratwanderung zwischen Wirtschaftlichkeit und Gefälligkeit“, fällt für den Rathaus-Chef zugunsten des Hotels aus: „Um touristisch aktiv zu bleiben, sind professionelle Betten wichtig“, sagte er. Die Gemeinde Bayrischzell habe im Vergleich zu den anderen Landkreisgemeinden im Jahr 2017 mit einem Plus von 5,45 Prozent die höchste Übernachtungszahlensteigerung erfahren.

„Das haben wir vor allem dem Tannerhof zu verdanken“, lobte Kittenrainer das Naturhotel im Ort. „Wenn wir langfristig am Fremdenverkehr festhalten wollen, ist eine professionelle Hotellerie das einzige Zugpferd.“ Heißt: Am neuen Familienhotel führt kein Weg vorbei. Einen Namen hat es übrigens bereits: „Hotel Auracher Hof“.

Von Daniel Wegscheider

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