Freibad von Bayrischzell
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Noch einiges zu tun: Das Freibad von Bayrischzell könnte innerhalb von zwei Wochen bereit gemacht werden für den Badebetrieb, doch dafür fehlt derzeit ein geeigneter Bademeister.

Gemeinde sucht Bademeister

Öffnung von Freibad Bayrischzell ungewiss - nicht nur wegen Corona

Öffnen oder geschlossen lassen – wie es mit Bayrischzells Warmfreibad diese Saison weitergeht, ist offen. Nicht nur wegen Corona...

Bayrischzell – Ob das Bayrischzeller Warmfreibad heuer überhaupt öffnet, bleibt ungewiss. Einen möglichen Eröffnungstag peilt Georg Kittenrainer (CSU) noch mit dem Beginn der bayerischen Sommerferien an – dies berichtete der Bürgermeister am Montagabend im Gemeinderat. Doch auch dieser Termin steht und fällt mit einer wichtigen Person – dem Bademeister.

Dieser benötigt nämlich das Rettungsschwimmabzeichen in Silber und muss zudem einen Erste-Hilfe-Kurs mitbringen. Beide Zertifikate dürfen dabei nicht älter als zwei Jahre alt sein. Erschwerend kommen die nun geltenden Hygienemaßnahmen hinzu. Die Gemeinde hofft aber weiterhin auf eine baldige Lösung.

„Wenn wir keine Badeaufsicht haben, die die Qualifikation erfüllt, wäre ein Betrieb grob fahrlässig“, betonte Kittenrainer. Eigentlich war die Gemeinde bisher guter Dinge, das Problem trotz der bekannten technischen Mängel im Bad (wir berichteten) zu lösen. Der bisherige Bademeister von Bayrischzell, Stefan Lamprecht, hatte nämlich bereits im Januar seine Badehose eingepackt und einen Rettungsschwimmer-Kurs angefangen.

Doch dann kam Corona, und die Ausbildung wurde ausgesetzt. Die Gemeinde versuchte daraufhin, über eine Anzeige Ersatz zu finden. Allerdings habe sich auf die Stelle nur eine Person gemeldet, die ebenfalls keine entsprechende Ausbildung hat.

Auch der Tourismusverein, der seit vergangenem Jahr für den Erhalt des Bades kämpft, konnte bislang keinen Rettungsschwimmer stellen. Das Problem mit den derzeit geltenden Corona-Auflagen bereitet dem Bürgermeister zwar Sorgen, sei aber nicht unüberwindbar. Dies hätten bereits die Landkreis-Freibäder in Miesbach und Fischbachau gezeigt, die ihren Betrieb derzeit mit „einem erheblichen personellen Aufwand und teuren Desinfektionsmaßnahmen betreiben“.

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In Bayrischzell müssten bei Badewetter pro Schicht mindestens vier Helfer gleichzeitig anwesend sein, um auf die geforderten Abstands- und Hygieneregeln zu achten: einer an der Kasse, einer am Becken, einer auf der Liegewiese sowie ein weiterer, der am Not-Ausgang beim Pumpenhaus steht. Denn beide Bereiche, die ins Bad und aus dem Bad führen, müssen voneinander getrennt sein. Das Bistro sowie die Wärmehalle mit Umkleidekabinen, Duschen und dem Einschwimmkanal wären für Badegäste gesperrt.

Würde sich in den nächsten Wochen noch ein Rettungsschwimmer finden oder Lamprecht seine Ausbildung beenden können, der laut Rathauschef diese bereits zu zwei Drittel gemeistert hat, konnte Bayrischzell per Minimalbetrieb doch noch Durchstarten. Konkret bedeutet das einen Schwimmbetrieb, der erst mittags beginnt bei begrenzter Besucherzahl.

Hochfahren könnte die Gemeinde ihr Warmfreibad in knapp zwei Wochen: Die Zeit wäre nötig für den wasserdichten Farbanstrich (12 000 Euro), die Befüllung des Beckens sowie die Heizung der Wassertemperatur auf 24 Grad.

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Die meisten Ratsmitglieder wollen auf Zeit spielen, hoffen neben der Bademeisterproblematik zudem auf eine eventuelle Lockerung der Corona-Beschränkungen. Das empfindet auch Kittenrainer als nicht abwegig, da keiner wisse, wie sich die Lage entwickle: „Die Corona-Regelungen kommen im 14-Tage-Rhythmus.“

Auch Tourismusleiterin Stephanie Hintermayr kann anhand der momentanen Buchungen noch nicht abschätzen, wie groß der „Gäste-Ansturm“ heuer wird. Sicher weiß sie dagegen: „Die touristische Nachfrage für das Schwimmbad ist da.“

Es gab auch kritische Stimmen aus dem Gemeinderat. Dritter Bürgermeister Isidor Scharrmann (FWG) argumentierte aus finanzieller Sicht gegen eine Eröffnung 2020. Vorkosten, Personal sowie das bekannte jährliche Defizit von rund 150 000 Euro seien zu viel für den kommunalen Etat, der heuer aufgrund der Corona-Krise zudem geringere Steuereinnahmen bekomme. Willy Kravanja (Grüne) haderte: „Wir als Gemeinde sind gewillt, das Bad aufzumachen. Aber der normale Menschenverstand sagt, es ist eigentlich nicht möglich.“ Für Albert Jupé (FW) sei es ein Dilemma, „dass das Bad, das sonst schon viel Geld kostet, heuer noch mehr kostet“.

Von Daniel Wegscheider

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