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Bestens unterhalten fühlten sich die Zuschauer vom Ensemble rund um Erfolgsautor Peter Landstorfer (l.), der selbst mitspielte und im Stück den ekelhaften Altbauern gab.

Peter Landstorfer in „Da Schandstich“

Wenn der Autor selbst auf der Bühne steht

Eine gelungene Premiere bescherte das Ensemble um Schauspieler, Regisseur und Erfolgsautor Peter Landstorfer dem Hasenöhrl-Hof in Geitau: Erstmals diente die Tenne als Bühne.

Geitau – Landstorfer, der sich in den vergangenen drei Jahrzehnten mit seinen unterhaltsamen Komödien einen guten Namen bei Laienschauspielern und Zuschauern erschrieben hat, wagte sich heuer erstmals an ein Drama. Schon bei der ersten Aufführung im Münchner Stammhaus Gut Nederling war „Da Schandstich“ zu einem sensationellen Erfolg geraten. Das wiederholte sich auch bei den sommerlichen Gastspielen in Tirol und nun in der Gemeinde Bayrischzell.

Die bayerische Bauerntragödie wahrhaft antiken Ausmaßes faszinierte nicht nur durch die schlüssig gebaute Handlung, die sich mit Intrigen und Gemeinheiten, durchkreuztem Liebesglück und zwei Toten entfaltet. Sie begeisterte auch mit dem großartigen Spiel sämtlicher acht Ensemble-Mitglieder. Erstklassig gab die schöne Alexandra Inquart die tapfere Vöderdirn Theresia, um die sich alles dreht und die ergreifend die Szenen mit Erläuterungen verband, wie sonst der Chor des griechischen Theaters.

Mädchenhaft sittsam, leidensfähig und rechtschaffen, aber auch standhaft und selbstbewusst diente und widersprach sie dem ekelhaften Altbauern Arb Kalteiser. In der Paraderolle dieses jähzornigen, ungerechten und verkommenen Säufers und Willkürherrschers brillierte drastisch Landstorfer selbst. Durchtrieben zog er den dummdreisten, köstlich eingebildeten Großbauern Mattheis Roßrucker über den Tisch, den der Miesbacher Ensemble-Mitgründer Ludwig Schaffernicht mit prächtiger Mimik verkörperte. Als gutherzige und verständnisvolle Altmagd Salome, die sich dennoch nicht alle Demütigungen gefallen lässt, überzeugte Wiltrud Steiger.

Mit der herrlich aufdringlichen Dorfratschn und Mesnerin Mare Brüllinger sorgte Silvia Norbach durchaus differenziert für nötige Informationen und eine komödiantische Note. Sein eigenes Süppchen kochte ebenso bigott frömmelnd und schmeichlerisch wie hinterfotzig und erpresserisch der schmierige Pfarrer Thaddäus Fuchs, dargestellt von Roland Thurmayr – der übrigens als Nachbar Hasenöhrl-Hof und Landstorfer-Ensemble zusammengebracht hatte.

Der einzige Schauspiel-Profi der Truppe, Andreas Löscher, fügte sich hervorragend als treu liebender, aufrichtiger und tatkräftiger Jungbauer Leonhard in das Geschehen ein. Sein verlässlicher, kluger und entschlossener Freund, der Holzknecht Fleidl, war bei Michael Konle in besten Händen.

Atemlose Stille breitete sich bei den Ereignissen in der Bauernküche immer wieder über die Tenne im Stadel-Obergeschoss und löste sich an den Szenenenden in heftigem Applaus. Bravo-Rufe, Trampeln und Jauchzer begleiteten den langen Schlussbeifall – verdientermaßen.

Gudula Beyse

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