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Kahle Fenster im zweiten Stock: In den oberen Etagen des Alpenwirts in Bayrischzell sollen moderne Hotelzimmer entstehen. Der Investor hat dafür keinen Bauantrag gestellt. Die begonnenen Arbeiten wurden eingestellt.

Ungenehmigte Maßnahmen eingestellt 

Renovierung im Alpenwirt: Investor wehrt sich gegen Bauantrag

Ein Hotel mit Familienzimmern will Manuel Heisig in die oberen Etagen des Alpenwirts in Bayrischzell bauen. Die Behörden verlangen einen Bauantrag. Der Investor hält dagegen.

Bayrischzell – Das Restaurant Alpenwirt in Bayrischzell läuft gut. Die Gebirgsschützen halten hier ihren Schützenball, die Gemeinde die Bürgerversammlung. Nur in den oberen Stockwerken sind die Fenster leer: keine Vorhänge, kein Blumenschmuck. Dabei sollte dort ein Familienhotel entstehen. Doch die begonnenen Bauarbeiten wurden vor einem Jahr nach einer Begehung durch einen Mitarbeiter des Landratsamts Miesbach eingestellt. Sie waren nicht genehmigt. Seitdem ruht die Baustelle.

Manuel Heisig, dem der Alpenwirt gehört, hat dafür kein Verständnis. Er ist der Meinung, dass keine Nutzungsänderung vorliege, denn Hotelzimmer gab es ja im jetzigen Alpenwirt bereits früher. Er meint: Eine „bloße Renovierung des Landgasthofs“ bedürfe keiner Genehmigung. Der Münchner Investor spricht von Willkür und Makulatur und will sich nicht in einen Bauantrag zwingen lassen. „Ich werde das Hotel so lange geschlossen halten, bis das Landratsamt zurückrudert“, sagt er.

Das Landratsamt und das Staatliche Bauamt sind sich dagegen einig, dass der einzige Weg über einen Bauantrag führt. Heisig hatte sich deshalb mit einer Beschwerde an die Regierung von Oberbayern gewandt. Diese habe ihn aber in einem ausführlichen Schreiben darauf hingewiesen, dass er in Unrecht sei, erklärt Landratsamtssprecher Birger Nemitz: „Die Baueinstellung sei nicht zu beanstanden und rechtmäßig.“

Rechtsgrundlage dafür seien die Bauordnung und die Beherbergungsstättenverordnung (BStättV), führt Nemitz aus. „In der BStättV sind detaillierte Regelungen über Rettungswege, tragende Wände, Stützen Decken, Trennwände, Brandwände und vieles mehr festgelegt.“ Der Bauherr habe gravierende bauliche Änderungen durchgeführt. „Wände wurden entnommen und Decken geöffnet.“ Auch müsse der Brandschutz hier erneut geprüft werden. Eine Lösung sei einfach und dem Bauherren ja schon mehrfach aufgezeigt worden: „Einen normalen Bauantrag bei der Gemeinde einreichen, dann erfolgt die Bearbeitung durch das Landratsamt.“

Auch die Gemeinde Bayrischzell wartet auf einen solchen Bauantrag. „Für Gaststätten und Hotels gelten halt besondere bauliche Voraussetzungen“, sagt Geschäftsführer Josef Acher. Schon mehrere Hotels im Ort hätten Zimmer renoviert und hergerichtet und dafür selbstverständlich einen Bauantrag gestellt. „Das ist das einfachste der Welt, und dann geht das Ganze seinen Weg“, sagt Acher.

Zunächst führt der Weg von Investor Heisig aber vor das Amtsgericht Miesbach. Wegen der nicht genehmigten Bauarbeiten hat das Landratsamt gegen ihn ein Ordnungswidrigskeiten-Verfahren eingeleitet und eine Strafzahlung verhängt. Heisig hat dagegen Klage erhoben. Die Verhandlung ist auf Mittwoch, 2. Mai, angesetzt.

Von Christine Merk

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