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Brotzeitkorb und Blumen erhielt Bernd Drexl von Seilbahn-Kassiererin Kathi Waller zum 90.

Das Sudelfeld ist sein Revier

Respekt: Dieser 90-Jährige fährt fast täglich Ski

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90 Jahre ist Bernd Drexl aus Bayrischzell alt – trotzdem fährt der Rentner noch so oft es geht Ski. Und zwar besser als so mancher Junger.

Bayrischzell – Wer regelmäßig am Sudelfeld unterwegs ist, dem dürfte er ein Begriff sein: Bernd Drexl. Der Bayrischzeller ist im Winter – sofern es die Bedingungen zulassen – beinahe jeden Tag auf der Piste anzutreffen. Und das trotz seines hohen Alters. Kürzlich feierte der ehemalige Skilehrer seinen 90. Geburtstag. 

Skifahren konnten sich damals nur die Kinder reicher Eltern leisten

Dass Drexl noch immer in der Lage ist, Ski zu fahren, das hat er seinem Lebensstil zu verdanken. Schon in jungen Jahren hat sich der Bayrischzeller mit dem Wintersport-Virus angesteckt. Zunächst allerdings nicht auf der Piste, sondern auf Schanze und Loipe. „Alpin war damals nicht so aktuell wie nordisch. Es gab überall Sprungschanzen, Skispringen war Breitensport.“ Dass Drexl nicht von Kindesbeinen an auf Alpin-Skiern unterwegs war, hatte aber vor allem finanzielle Gründe. „Skifahren konnten sich damals nur die Kinder reicher Eltern leisten. Zu uns hat man gesagt: Geht’s Skispringen, das kostet nichts.“ 

Drexl lief im Wettrennen mit dem Lift die Piste hinauf - auf Langlaufskiern

Irgendwann durfte Drexl seine spätere Leidenschaft dann doch ausüben – einem örtlichen Schreiner sei Dank. „Der hat einfach zwei Holzbretter in kochendes Wasser gelegt und dann die Spitzen aufgebogen.“ Der erste Schritt zum Skilehrer war getan. Aufs Skifahren beschränkt hat sich der ehemalige Schweißer trotz seiner Vorliebe aber nie. „Ich bin oft nach dem Kurs nochmal mit den Langlaufskiern nach oben gelaufen.“ Im Wettrennen mit dem damals zugegebenermaßen langsameren Lift. 

„Ich hab’ schon immer wieder kleine Wehwehchen“

Zwar zieht der Bayrischzeller auch heute noch seine Schwünge über die heimischen Pisten – frei von körperlichen Gebrechen ist der 90-Jährige aber nicht. „Ich hab’ schon immer wieder kleine Wehwehchen, zum Beispiel an den Bandscheiben.“ Auch die Luft bleibt ihm immer öfter weg – etwa alle 20 Schwünge muss Drexl pausieren. Das Resultat eines schweren Herzinfarkts vor rund 15 Jahren. Und: Er hört schlecht. „Darunter leide ich seelisch sehr.“ Jammern will der Rentner aber nicht. Denn: „Ich kann ja noch Skifahren.“

Tochter Angela ist viermalige Deutsche Meisterin im Slalom

Drexl zieht die Blicke der übrigen Skifahrer auf sich. Aber nicht nur wegen seines Alters – auch wegen seiner Technik. Der Bayrischzeller pflegt den Carving-Stil, er fährt also gern auf der Kante. „Ich habe meine Tochter Angela trainiert. Sie ist im Senioren-Bereich viermal deutsche Meisterin im Slalom geworden.“ Er musste also immer auf dem neuesten Stand sein. Die Leute bewundern Drexl für seinen modernen und eleganten Fahrstil. Vergangenen Winter habe ihn sogar eine Frau angesprochen und ihn gebeten, mit ihr Lift zu fahren. „Sie hat sich beim Liftler über mich erkundigt und konnte nicht glauben, wie alt ich bin.“ 

Die perfekte Piste: breit, relativ flach und wenig Menschen 

Um seine Carving-Technik zelebrieren zu können, benötigt der 90-Jährige die entsprechenden Bedingungen: Breite, relativ flache Pisten, auf denen möglichst wenig los ist. „Dann kann ich meine Schwünge über die ganze Piste ziehen.“ An Tagen, an denen viele Wintersportler unterwegs sind, fährt er hauptsächlich am Pistenrand. Er müsse schließlich besonders aufpassen, dass er mit niemandem zusammenstößt. „Sonst heißt es: Der ist ja schon 90. Klar, dass der schuld ist.“

 „Technik, Material und Pistenpflege haben sich enorm zum Besseren verändert“

Seit jeher hat Drexl Spaß am Skifahren. Gerade heutzutage sei es aber schon „wahnsinnig schön“. Aus mehreren Gründen: „Technik, Material und Pistenpflege haben sich enorm zum Besseren verändert.“ Hinzu kommt für ihn persönlich, dass Personen ab 80 am Sudelfeld kostenlos fahren dürfen. „Das ist ein sehr großes Entgegenkommen.“ So steht seinem größten Wunsch zumindest aus finanzieller Sicht nichts entgegen: „Ich will gut drauf sein, solange ich lebe. Das ist für mich wertvoller als lange zu leben.“

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