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Schwerstarbeit: Bis zu 1000 Einsatzkräfte haben Dächer in Bayrischzell vom Schnee befreit. 

„So etwas hat der Landkreis noch nicht gesehen“

Rückblick auf Katastrophenfall: Bürgermeister im Leitzachtal ziehen Bilanz zum Schneechaos

Gut eine Woche herrschte in Bayrischzell Ausnahmezustand. Eine Bilanz nach dem Katastrophenfall im Landkreis zog neben Bürgermeister Georg Kittenrainer auch Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner.

Bayrischzell – Es herrscht wieder Ruhe im Winterdorf Bayrischzell. Lediglich die haushoch aufgetürmten Schneeberge an fast jeder Straßenecke verweisen noch stumm darauf, was Mitte Januar im Ort los war. Im Gemeinderat blickte Bürgermeister Georg Kittenrainer nun zurück auf gut eine Woche Ausnahmezustand in Bayrischzell.

Anfangs habe die örtliche Feuerwehr noch alleine Gebäude wie den Salzstadl in Osterhofen und das Schulgebäude in der Ortsmitte vom Schnee befreit. Doch schon bald war klar: „Uns fehlten massiv Kräfte“, berichtete Kittenrainer. „Die Feuerwehr kam auf dem Zahnfleisch daher und die Spenglereien waren ebenfalls ausgelastet.“

Als dann der Radunterstand am Bahnhof in sich zusammenbrach, habe dies einen großen Schreck ausgelöst. Der bereits durch den K-Fall zusammenberufene Krisenstab des Landkreises „wurde dadurch wachgerüttelt“, so der Bürgermeister. Dann der zweite Schock: Der Edeka-Markt und die Wohnungen in diesem Gebäude mussten nach Begutachtung eines Baufachberaters evakuiert und umgehend abgeschaufelt werden. Rund 220 Kilogramm pro Quadratmeter lasteten auf dem nur für circa 300 Kilo ausgelegten Dach – bei angekündigten Schnee- und Regenfällen.

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Danach ging es Schlag auf Schlag weiter. Die Einsatzleitung im Landratsamt ordnete die Überprüfung und etwaige Räumung aller öffentlichen Gebäude und Wohnhäuser im Ort an. Insgesamt seien über 300 Gebäude von Statikern gesichtet und kategorisiert worden. Hilfskräfte aus ganz Bayern trafen in Bayrischzell ein.

Das Dorf glich daraufhin einem Kriegsschauplatz: Überall flackerten Signallampen, Flatterbänder versperrten Wege, und Pylonen riegelten Straßen, Kreuzungen und Vorgärten ab. „So etwas hat der Landkreis noch nicht gesehen“, sagte Kittenrainer. Zwischen 700 und 1000 Helfer haben Tag und Nacht geschuftet bis zur völligen Erschöpfung. Freilich habe es auch Skeptiker im Ort gegeben, die der Meinung waren, „das braucht es nicht“. Kittenrainer beeindruckt dies jedoch nicht: „Wer die Verantwortung trägt, der schaufelt im Zweifelsfall ab.“

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Am 18. Januar war der Einsatz abgeschlossen. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, bilanzierte Kittenrainer mit großem Dank an alle Einsatzkräfte. Kein Mensch sei verletzt worden, größere Schäden an Gebäuden seien nicht bekannt.

Daniel Wegscheider

Keine Aufregung in Fischbachau

Weitgehend verschont geblieben von der Schnee-Katastrophe ist die Gemeinde Fischbachau. Kein einziges öffentliches Gebäude sei abgeschaufelt worden, berichtete Bürgermeister Josef Lechner (CSU) im Gemeinderat. Selbst das Flachdach der Mittelschulturnhalle habe sich bei einer Prüfung als ausreichend stabil erwiesen. 

Weil sie vor ihrer Haustür nichts zu tun hatten, halfen die Feuerwehren in stärker betroffenen Gemeinden im Landkreis aus. Zudem habe Fischbachau 120 Bundeswehrsoldaten in der Mittelschulturnhalle und der Wärmehalle des Warmfreibands eine vorübergehende Bleibe während des Einsatzes geschaffen, so Lechner. Auch beim Winterdienst sei alles rund gelaufen. „Da hat keiner auf die Uhr geschaut“, lobte der Bürgermeister die im Räum- und Streueinsatz befindlichen Bauhofmitarbeiter und Landwirte. Die Bürger hätten in den allermeisten Fällen besonnen reagiert. 

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Trotz 70 Anrufen habe sich Bauhofleiter Werner Zehetmeier nicht aus der Ruhe bringen lassen, hat Alois Gasteiger (FaB) mitbekommen. Nur als jemand über die nicht sofort gespurten Langlaufloipen geklagt habe, sei Zehetmeiers Geduld aufgebraucht gewesen. „Da hat’s ihn zerrissen“, erzählte Gasteiger sichtlich amüsiert. Zumindest aus Fischbachauer Sicht war der Katastrophenfall damit halb so wild, sagte Lechner: „Mit einem harmlosen K-Fall wurde ein echter K-Fall geübt.“

sg

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