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Seebergschanze: 1931, 1981, 2018.

Die Seebergschanze: Gestern, heute, morgen

Früher hat dieser Hang die Welt bedeutet - heute wächst er zu

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Hier wurden in den 1930er Jahren Wintersport-Stars geschaffen, heute wachsen wieder Bäume. Zeitzeugen erinnern sich an die große Stunde der Seebergschanze - und wie plötzlich alles vorbei war.

Bayrischzell – Der Seeberg bebt förmlich. Bis zu 40 Meter weit fliegen die Teilnehmer bei den Bayerischen Meisterschaften im Sprunglauf – heute als Skispringen bekannt – den Osthang in Richtung Bayrischzell hinab. Gut 3000 Zuschauer jubeln den Skispringern zu. Die sind damals im Jahr 1931 echte Volkshelden. „Stars“ würde man heute sagen.

„Die Bedeutung von damals kann man heute gar nicht mehr realistisch aufnehmen“

Heute ist die Seeberg-Anlage zugewachsen - seit 30 Jahren liegt die Schanze brach . 

An Ereignisse wie diese erinnert sich heute kaum noch jemand. Anders Martin Auracher (87), Ex-Bürgermeister von Bayrischzell und langjähriger Vorsitzender des Skiclubs. „Die Bedeutung von damals kann man heute gar nicht mehr realistisch aufnehmen“, sagt Auracher. Kein Wunder: Die Seebergschanze, einst der Stolz eines ganzen Ortes, ist zwar nach wie vor da. Inzwischen sind aber Sträucher und Bäume im Auslauf gewachsen – seit nunmehr 30 Jahren liegt die Schanze brach.

Der Tod einer Legende war das Ende der Skisprung-Tradition

„Das ist der mangelnden Begeisterung insgesamt geschuldet“, erklärt Auracher mit Wehmut in der Stimme. Und nicht zuletzt auch dem Tod von Edi Heilingbrunner, der 1985 beim Gleitschirmfliegen verunglückte. „Er war der Motor“, sagt Auracher. „Er hat es verstanden, die Leute anzupacken.“ Ohne ihn rollte sie langsam aus, die Skisprung-Tradition in Bayrischzell.

Das Interesse der Zuschauer war zwar noch immer da - es fehlte an Springern

Besonders bitter: Im Jahr 1983 hatte der Skiclub – damals unter dem Vorsitz Aurachers – einen letzten Umbau der Schanze vorgenommen. Eine Renaturierung, vollständig aus eigener Tasche bezahlt. „Eine völlige Fehlinvestition“, weiß Auracher heute. „Nach zwei oder drei Wintern war Schluss.“ Das Interesse der Zuschauer war zwar noch immer da. Bis zu 400 Schaulustige beobachteten die traditionsreichen Bewerbe. Dafür fehlte es an Springern.

Die Anfänge gehen auf einen Ski-Narrischen zurück

Ende der 1930er-Jahre herrschte großer Andrang.

Ihren Anfang nahm die Skisprung-Tradition mit der Versetzung von Hermann Hartmann – ein Zollbeamter mit Verbindungen zum akademischen Skiclub München – nach Bayrischzell. „Er hat nach 1918 angefangen, die Jugend fürs Skispringen zu begeistern“, erzählt Auracher. „Ein Ski-Narrischer.“ Die Seeberg-Anlage gab es damals noch nicht, gesprungen wurde über selbst gebaute Schnee-Schanzen.

Auf die Skiclub-Gründung folgte der Schanzenbau

Den Wechsel auf den Seeberg machte der 1922 neugegründete SC Bayrischzell möglich, 1924 ging die 40-Meter-Schanze in Betrieb, ein Jahr später die Jugendschanze. Nicht zuletzt dank des Oberbrunner-Bauern, der seinen Grund zunächst gegen eine geringe Pacht und später unentgeltlich zur Verfügung stellte. Und dank der ortsansässigen Grafenfamilie von Schönborn-Wiesentheid, die dem Skiclub finanziell unter die Arme griff und zudem eine Wanderpokal stiftete.

„Er ist oft schon in Osterhofen ausgestiegen und zu Fuß nach Bayrischzell gegangen, um dem Trubel zu entgehen“

Im Jahr 1983 erfolgte der bis dato letzte Umbau.

Dass sich Bayrischzell in der Folge zu einer Hochburg des nordischen Skisports entwickelte, dafür haben die „drei Musketiere“ gesorgt: Gustl Müller, Hans Bauer – bekannt als der Zeller Hans – und Fritz Pellkofer. Das Trio reiste 1928 gemeinsam mit Stefan Kistler im 16-köpfigen deutschen Team zu den Olympischen Winterspielen in St. Moritz. Pellkofer 1936 in Garmisch sogar als Chef de Mission. Müller sicherte sich während seiner Karriere drei deutsche und fünf bayerische Meistertitel. „Er ist oft schon in Osterhofen ausgestiegen und zu Fuß nach Bayrischzell gegangen, um dem Trubel zu entgehen.“ Kurz: Die Seebergschanze hat Legenden geformt. Und andere inspiriert – auch in Schliersee und Neuhaus wurden Schanzen gebaut. Und auch die sind inzwischen verschwunden.

„Ich denke trotzdem sehr gerne an diese tolle Zeit zurück“

Nach Umbauarbeiten in den Jahren 1928, 1946 und 1954 – Letztere finanziert aus Zuwendungen der Bevölkerung – ließ die Seebergschanze schließlich Weiten von bis zu 65 Metern zu. Weiterhin fanden dort diverse Meisterschaften statt, unter anderem die Bayerischen Meisterschaften inklusive Olympia-Ausscheidung 1968. Grund genug für Auracher, 1983 den letzten Umbau voranzutreiben. „Da waren viele junge motivierte Leute da.“ Diese Motivation ebbte aber schnell ab – das Ergebnis ist bekannt. Auracher: „Ich denke trotzdem sehr gerne an diese tolle Zeit zurück.“

hb

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