Das Bayrischzell der Zukunft im Kleinen: Planer Florian Nagler zeigen anhand ihres Modells, was im Ortskern maximal möglich wäre. Foto: Thomas Plettenberg
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Das Bayrischzell der Zukunft im Kleinen: Planer Florian Nagler zeigen anhand ihres Modells, was im Ortskern maximal möglich wäre.

Leben im Ort aufrechterhalten

So sieht der neue Bebauungsplan für Bayrischzell aus

Die Bayrischzeller machen sich Gedanken über ihren Ortskern. Der entsprechende Bebauungsplan geht nun ins weitere Beteiligungsverfahren. Ziel ist es, „ein Werk für die Zukunft“ zu schaffen.

Bayrischzell – Den Ortskern eines Dorfes bilden seit jeher die Kirche und das Rathaus. So ist auch „die Zell“ entstanden, wo sich einst Benediktinermönche niederließen. Später siedelten dort die ersten Bauernhöfe um St. Margareth an, der Pfarrkirche des heutigen Bayrischzells. Und im Gemeindehaus sitzt jetzt Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU), der in der jüngsten Gemeinderatsitzung die weitere Entwicklung der Ortsmitte vorstellte. Genauer gesagt vorstellen ließ: Architekt Florian Nagler aus München präsentierte den Planungsentwurf im Detail.

Den Weg zur Entwicklung der Ortsmitte hatte die Gemeinde bereits 2018 eingeschlagen. Mittels Bebauungsplan sollte ein einheitliches Regelwerk geschaffen werden, an das sich alle zu halten haben. Darin sollen Fragen wie etwa zur Dachneigung, Fenstergröße oder einer Bebauung in die Höhe geklärt sein. An den Grund dafür erinnerte Kittenrainer: „Wir haben für den gesamten öffentlichen Bereich im Ort Bayrischzell keinen gültigen Bebauungsplan.“ Zwar gebe es eine Gestaltungssatzung, aber kommunale Planungssicherheit gewährleiste nur ein Bebauungsplan.

Im Zentrum liegen die Schlierseer und Tiroler Straße, eingerahmt ist die Zone zudem von der Seeberg-, Ursprung- und Sudelfeldstraße. Mit dem geplanten Regelwerk versucht die Gemeinde, möglichst viele Interessen unter einen Hut zu bringen. Sie legt dabei einen Spagat hin. Wichtig ist laut Bürgermeister nicht nur die weitere Nutzung von Geschäften und Pensionen insbesondere an der Schlierseer Straße, damit diese nicht aus wirtschaftlichen Gründen in privaten Wohnraum umgewandelt werden. Zudem solle trotz der baulichen Möglichkeiten für privaten An-, Neu- oder Erweiterungsbau auch nicht der bewährte Dorfcharakter verloren gehen. Die Gemeinde wolle bei all dem niemanden „gängeln“, ganz im Gegenteil. Man begrüße es ausdrücklich, wenn ein Einfamilienhaus für die jüngere Generation erweitert wird, damit diese im Ort bleiben kann.

Nagler und sein Team bauten für ihren Planentwurf Bayrischzell als Miniaturdorf nach, um zu zeigen, wie es aussehen könnte, wenn Bürger das Maximum der Bauregelung an Erweiterungen und Neubauten ausschöpfen. Deutlich wird dabei: Das Ortsbild bleibt nahezu erhalten. Der Schwerpunkt im Bebauungsplan sei es, Nutzungen zu erhalten, so der Architekt: „Mit dem Ziel, einen lebendigen Ort zu schaffen.“

Gewerbliche Nutzung im Zentrum sei wichtig, „um dort das Leben aufrechtzuerhalten“. Allerdings mit einer verträglichen Nachverdichtung, die zum Ort passe und diesen nicht zerstöre. Nagler nannte konkrete Zahlen: So dürfen etwa ein- und zweigeschossige Gebäude einen Mindestabstand von drei Metern zur Grundstücksgrenze aufweisen und nicht länger als 30 Meter sein. Theoretisch könnte in Bayrischzell auch dreigeschossig bei maximal 20 Metern Länge gebaut werden. Allerdings vergrößert sich dann der Abstand zum angrenzenden Grundstück auf fünf Meter, „damit man dem Nachbarn nicht zu sehr auf die Pelle rückt“. In Bayrischzell sei dies aber ohnehin kaum möglich.

„Wir wollen ein Werk für die Zukunft schaffen“, erklärte Bürgermeister Kittenrainer, der den Planentwurf für die Ortsmitte selbst bei einer möglichen maximalen Bebauung als „eine verträgliche Entwicklung“ empfindet, „die den Charakter von Bayrischzell grundsätzlich nicht verändern würde“. Wichtig ist es dem Bürgermeister, die Grünflächen insbesondere am Rathaus, der Kirche, im Kurpark und entlang der Schlierseer Straße zu erhalten. „Direkt im Zentrum“, sagte er in der Sitzung, „braucht man nicht bis auf den letzten Quadratzentimeter alles zubauen.“

(dwe)

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