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Almsymposium: Diese Experten erklärten den Heimatführern die Gefahren auf der Alm.

Denn Gefahren lauern viele

So sollen Almführer den Touristen unserer Berge näherbringen

29 Wanderer- und Heimatführer sind jetzt Almführer. Dafür mussten sie lernen, welches Konfliktpotential am Berg herrscht – und zwar zwischen Almwirtschaft und Toursiten.

Landkreis – Almen als Lebens-, Natur-, und Wirtschaftsraum standen im Mittelpunkt des Almführersymposions. Ein Zusammenschluss der Tourismusorganisationen Tegernsee, Schliersee, Chiemsee-Alpenland und Kufsteinerland sowie die Inntal Euregio hatten zum Symposium am Tatzelwurm im Sudelfeld eingeladen. Fast hundert Teilnehmer kamen in das Berghotel.

29 Wanderer-, Natur- und Heimatführer haben sich als Almführer qualifizieren lassen (wir berichteten). Gefördert wurde das Projekt durch den Europäischen Fonds der Interreg Österreich-Bayern. Das Ländliche Fortbildungsinstitut Tirol (LFI) hat die Erkenntnisse aus dieser Ausbildung ausgewertet und beim Symposium vorgestellt.

Was dabei auffiel: auch die Einheimischen sehen Berge und Almen als erweitertes Freizeitgelände. Die Sensibilisierung muss nicht erst beim Gast beginnen, sondern beim Gastgeber. Thomas Lorenz vom LFI verdeutlichte, dass Almen erst Arbeitsfeld und Wirtschaftsraum seien. Der Senner ist zunächst fürs Vieh da, dann erst für die Bewirtung der Wanderer. Gästen – und manchmal auch Einheimischen – sei das nicht immer klar.

Das Aufeinandertreffen von Mensch und Rind zählt zu den größten Schwierigkeiten. Durch Laufställe sind Kühe weniger an den Kontakt zum Menschen gewohnt. „Vom Stall direkt auf die Weide, das haut heute nicht mehr hin“, sagt Lorenz. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die ihre Freizeit am Berg verbringen. Gefährdet sind vor allem Wanderer mit Hunden, die vom Rind als Feind wahrgenommen werden können, so wie bei einem tödlichen Unfall bei Erl in Tirol vor wenigen Wochen.

Projekte wie dieses könnten den Konflikten vorbeugen: Katharina Kern, Rosenheimer Kreisbäuerin und im Pilotprojekt involviert, wird künftig vermehrt Schulkinder auf ihrer Alm begrüßen. „Wir zeigen keine Heidi-Klischees, sondern unsere Arbeit. Die Kinder können melken lernen, einen Bach verbauen und die besonderen Weidegründe kennenlernen.“ Lehrer von Grundschulen waren davon begeistert, Lehrer der Berufsbildenden Schulen sahen dagegen wenig Chancen, das Thema ihren Schülern noch schmackhaft zu machen. Der hohe Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund lasse die Thematik kaum Interesse finden.

Weitere Probleme bereiten die Radfahrer am Berg. E-Biker überschätzen oft ihre Kräfte, und Mountainbiker zerstören die Grasnarben, weil sie querfeldein rasen; eine erhebliche Anzahl offenbar auch noch mit Stirnlampe nachts. Die nächtliche Begegnung von Rind und Radler ist für keinen von beiden ungefährlich.

„Eine weitere Gefahr, die aufzieht, ist der Wolf“, sagt Jakob Müller vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern. Allerdings stößt das Thema – auch beim Symposium – noch auf recht wenig Interesse. Die einen gehen davon aus, dass ohnehin zu viele Menschen am Berg unterwegs seien. Die anderen können nicht nachvollziehen, dass es mit Wölfen zu Problemen kommen könnte und glauben an eine friedliche Koexistenz. Diesbezügliche Fakten und Forderungen des Almwirtschaftlichen Vereins sind dem Bundesumweltministerin vorgelegt worden. Müller sagt: „Es ist aber offenbar politisch noch nicht gewollt, das Thema ernstzunehmen.“

Sonja Still

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