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Jahrzentelang bei der Musikkapelle: Die Musikmeister und Gstanzlsänger Han s Thaler jun. (l.) und Hanno Acher (r.) ehren Adolf Hagn (2.v.l.) und Anton Egger.

Starkbierfest Bayrischzell

Kräuter und Sixtus? „Basst ned zam“!

Tja, das gehört wohl zum Los eines Bürgermeisters: Dableckt werden beim Starkbierfest. Aber muss man auch ein „Stehengelasse-Werden“ dulden?

Bayrischzell – Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, heißt es. Oder es erwischt ihn beim Derblecken, das zu jedem Starkbierfest dazugehört. So geschehen beim Starkbierfest der Musikkapelle Bayrischzell: Als Egid Stadler nebst Gattin den bereits gefüllten Saal im Gasthof zur Post betrat, hatten die Musikanten schon eine Viertelstunde gespielt. Zu dieser Zeit wusste der Vize-Bürgermeister noch nicht, dass er – ebenso wie sein Rathauschef Georg Kittenrainer – an diesem Abend unter anderem noch für einige Lacher unter den rund 200 Anwesenden sorgen werden.

Doch bevor Musikmeister Hans Thaler jun. mit Hanno Acher seine Fastenpredigt in Gstanzlform zum Besten gab, begrüßte er Einheimische und Gäste. Gekommen waren Musikerkollegen aus Fischbachau, Schliersee, Irschenberg, Oberaudorf und Landl. Besonders lobte Thaler die „immer gut aussehenden Fischbachauer“, die aber zur fortschreitenden Stunde „nicht mehr so gut reden“ würden. Und freilich konnte sich Thaler einen weiteren Seitenhieb auf die Nachbargemeinde nicht verkneifen: „Kräuterregion und Sixtus: Des basst hoid doch net zam“, stichelte er. „Da Lechner mog’s ned eiseng, da Gscheida is da Lahm.“ Jetzt habe der Fußball-Weltmeister Philipp Lahm, der 2015 bei Sixtus einstieg, einen besseren Ansiedlungsplatz für das Unternehmen gefunden. „Er hod bei uns o’gfragt, im scheena Bayrischzell.“

Aber nicht nur mit launigen Worten überzeugte Thaler an diesem Abend und sorgte für gute Unterhaltung: Als er zum Taktstock griff und sein Bläserensemble die „Fantastische Ouvertüre“ von Franz Springer anstimmte, wurde es ehrfürchtig ruhig im Saal. Die Trompeten und Flügelhörner schmetterten wuchtig, die Klarinetten flöteten heitere Töne, und die Tempowechsel beeindruckten. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt war der Marsch „Die lustige Dorfschmiede“, bei dem Solist Robert Rieder zwei Hämmer über einem Amboss schwang und sie im Takt auf das Eisen niedertrommeln ließ. Das Publikum klatschte im Takt und forderte begeistert eine Zugabe.

Später schmetterten dann Thaler und Acher los, sich selbst an Zither und Gitarre begleitend. Sie entschuldigten sich gleich vorweg: „Wenn wir jetzt jemand nennan, dann hod des seinen Grund“, sangen sie. „Also seid’s bittschön ned beleidigt, es soid a Gaudi sei.“ Und so habe es sich zugetragen, dass sich im Hause Stadler eines Abends eine Tür – die Eheleute trennend – partout nicht mehr öffnen ließ. „Sie will zum Gidi, aber die Türe is ganz fest zua. Sie glaabt es war ihr Oida, damit er hod sei Rua“, sangen Thaler und Acher. „Drum schlugs da Gidi ei. Jetzt brauchans glei an Schreiner beim Stadler in da Zäi.“

Auch der Erste Bürgermeister wurde nicht verschont: Als dessen Gattin die Kinder zur Plattlerprobe brachte, parkte sie ihr Auto direkt vor der Garage von Pfarrer Dominik Bartsch. Und dachte wohl: „Do kon i heit scho stehbleibn, weil da Bartsch bleibt heit daheim. Doch da Wagen fahrt alleine ins Garagentor hinein“, sang das Duo genüsslich schmunzelnd. Kittenrainer selbst habe schmerzlich feststellen müssen: „De Spezi werden weniger, bist du Bürgermoaster von da Zäi.“ So plauderten Thaler und Acher aus, dass das Gemeindeoberhaupt beim Skifahren von seinen Freunden bei der Heimfahrt „eiskalt stehengelassen“ wurde.

Am Ende der Veranstaltung freute sich Musiker Toni Egger über das goldene Abzeichen für 40 Jahre Treue zur Musikkapelle. Adolf Hagn wurde indes für sagenhafte 60 Jahre aktive Mitgliedschaft geehrt und erhielt von Thaler einen Reisegutschein.

Daniel Wegscheider

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