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Viel Beifall ernteten die Protagonisten auf der Bühne im großen Saal des Gasthof Zur Post in Bayrischzell.

Schnaps zur „Desinfektion“

Starkbierfest: Bayrischzell trotzt Coronavirus

Coronavirus hin oder her: Die Bayrischzeller hatten beim Starkbierfest ihren Spaß. Zur Desinfektion benutzten sie: Hochprozentiges.

Bayrischzell – Aus der Not einen Spaß machen: Beim Starkbierfest ist das erlaubt. Gerade weil es hier eben nicht bierernst zugeht. Und so hielten die Bayrischzeller am Samstagabend weder Schneetreiben noch das Coronavirus davon ab, ihr Starkbierfest im Gasthof Zur Post durchzuziehen. Pünktlich um 19 Uhr trompetete die Musikkapelle zum Marsch, während Kellner und Bedienungen das schäumende Salvator schwappend an den Tischen der rund 200 Besucher servierten.

Bereits beim Einlass wurde akribisch auf die Hygiene geachtet, die das Gesundheitsamt seit Tagen vorschreibt. Das auf einem Notenständer drapierte Schild „Zur Desinfektion“ ließ den Besuchern im großen Saal keine Wahl. „Das Landratsamt schreibt es so vor“, sagten die Kassierer schmunzelnd. Und da hochprozentiger Alkohol desinfizierend wirken kann, standen dort ein Enzian der Destillerie Lantenhammer sowie Schnapsgläser bereit. Die Gäste nahmen die „medizinische Impfung“ gelassen und mit Humor.

Einmal impfen, bitteschön: Mit einem Stamperl Schnaps mussten sich die Besucher am Eingang „desinfizieren.“

Dass sie trotz der erschwerenden Umstände gekommen waren, freute Musikmeister Hans Thaler. Und falls am nächsten Morgen der eine oder andere mit schlechten Symptomen aufwache und „Schweinsaugen“ habe, liege das nicht am Coronavirus, sondern das Starkbier. Die Idee des Pfarrers, die Leute doch vorher von der Feuerwehr zur Reinigung abspritzen zu lassen, fand Thaler dann doch übertrieben. Und übertrieben hat Thaler dann auch nicht bei seiner Fastenrede, die er aus Rücksicht auf die Gemeinderäte „und die, die es werden wollen“ dieses Jahr auch nicht auf die Kommunalwahl bezogen hat. Bereits im Vorfeld hatte er berichtet, dass ihm das Thema zu „heiß“ sei.

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Warm wurde es den Anwesenden trotzdem: Die Musikstücke der Kapelle animierten zum Klatschen und Mitsingen. Besonders imposant: die Ouvertüre zur Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi. Auch die Soli für zwei Klarinetten von Martin Simmerl und Georg Acher sowie das italienische Lied „La Montanara“ von Trompeter Thomas Bleier überzeugten. Dem stand der Musikernachwuchs, den Thaler als „die Buam“ bezeichnete, in nichts nach: Obwohl sie kaum zu sehen waren, da teilweise nicht einmal ihre Köpfe hinter den Notenständern hervorragten, waren sie nicht zu überhören. So gab es frenetischen Applaus und Freudenpfiffe, nachdem sie ihre Polka „Hans bleib da“ schmetterten.

Höhepunkt waren dann die Gstanzl von Thaler an der Zither und Hanno Acher an der Gitarre. Dabei greifen die beiden immer tief in das Dorfgeschehen des vergangenen Jahres, das aber so manchen Nicht-Einheimischen fragend zurückließ. Da gab es etwa den Dackel von Bibi Huber, der bei der Suche nach einem Versteck in Geitau unter dem Heuballen eines Bauern verschwunden war. Und so sagen sie auf die Melodie von Mike Krügers Blödellied „Bodo mit dem Bagger“: „Wer baggert da so spät noch am Wiesengrund, des is der Storr mit seinem Bagger und der suacht an Hund.“

Dann traf es doch noch die Politprominenz. So erklang zur Melodie des Neue-Deutsche-Welle-Hits „Ich will Spaß, ich geb’ Gas“ im Saal: „Am Buagamoaster sei Frau, die fahrt scho a wia a gsengte Sau“, so Thaler. Und jetzt ist, „o verreck, der Führerschein für an Monat weg“, ergänzte Acher.

Auch Rathauschef Georg Kittenrainer ist gut zu Fuß. Beim Einlass an der „Quarantänezone“ hatte er nämlich keinen Schnaps getrunken, sondern sich daran vorbeigeschlichen. Bleibt zu hoffen, dass er auch ohne „reinigende Desinfektion“ bis zur Bürgermeisterwahl durchhält.

Von Daniel Wegscheider

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