Der Motorradlärm auf der Sudelfeldstraße sorgt für Unruhe in Bayrischzell.
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Das Sudelfeld (o.) ist eine der beliebtesten Straßen für Motorradfahrer in Bayern.

„Wer zu uns kommt, will Ruhe in den Bergen“

Hotelier besorgt: Motorradlärm in Bayrischzell verprellt die Gäste

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Der Motorradlärm auf der Sudelfeldstraße sorgt für Unruhe in Bayrischzell. Die Hoteliers sorgen sich - und der Bürgermeister fürchtet wirtschaftliche Folgen.

Bayrischzell/Aying – Bayrischzell verspielt mit dem Motorradlärm das Vertrauen seiner Gäste – sagt ein Hotelier, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Wer zu uns in den Ort kommt, will Ruhe in den Bergen. Und dann fährt ihm früh um sieben das Motorrad übers Kopfkissen.“ Die Mitarbeiter müssten beschwichtigen, Nachlässe geben oder kostenfreie Tage anbieten. „Obwohl wir für das Problem nichts können.“

Kein Einzelfall, sagt der Bayrischzeller Bürgermeister Georg Kittenrainer. „Ein kleiner Teil der Motorradfahrer terrorisiert mit seinem Lärm unsere Gäste und die Bevölkerung.“ Weil die Biker bewusst in niedrigen Gängen fahren, ihre Maschinen umbauen oder alle Geschwindigkeitslimits ignorieren. „Der 1. Mai war zuletzt wieder so ein Tag. Schon morgens um sieben kamen die ersten lauten Raser.“ Das schade Bayrischzell auch wirtschaftlich, sagt der Bürgermeister. Genau beziffern kann Kittenrainer den Schaden allerdings nicht. Aber er kennt zur Genüge die Erzählungen und Klagen von Hoteliers.

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Gemeinde Bayrischzell hat wenig Einfluss auf Motorradlärm auf Sudelfeldstraße

Das Problem: Gegensteuern kann die Gemeinde alleine nur begrenzt. Wie berichtet, hat das Straßenbauamt bereits Rüttelstreifen angelegt. Außerdem wurden Warnschilder aufgestellt. Damit erreicht man aber nur die Biker, die aus Versehen zu schnell fahren. „Wer rasen will, dreht danach wieder auf“, sagt Kittenrainer.

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Auch die Polizei kann nur begrenzt eingreifen. Sie hat zwar bei der Autobahnpolizei Holzkirchen eine eigene Kontrollgruppe Motorrad gegründet, die in Oberbayern die Einhaltung der Geschwindigkeits- und Lärmschutzregeln bei Bikern überprüft. Ein Schwerpunkt ist das Sudelfeld. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sei hervorragend, sagt Kittenrainer. Trotzdem: Die Unfälle werden zwar seltener, aber der Lärm bleibt.

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Biker reisen oft in Gruppen an

Kittenrainer erklärt: Vielleicht das größte Problem seien Gruppen, die im Pulk anreisen. Einer der Biker prüfe, ob es auf der Strecke Polizei oder Blitzer gebe. Wenn nicht, drehten die anderen auf. „Sogar Rennen habe ich schon erlebt.“ Gegen diese Gruppen sei die Polizei machtlos. Selbst wenn doch einmal ein Motorradfahrer geblitzt wird, kann der wegen seines Helms abstreiten, selbst gefahren zu sein. Die Polizei kann ihm kaum das Gegenteil beweisen. Kittenrainer wünscht sich, dass Halter immer für ihre Motorräder haften. Das könnte das Problem lösen.

Bürgermeister Georg Kittenrainer (l.) stellte Bayrischzell bei der Fachtagung „Schluss mit Motorradrasern und Motorradlärm in bayerischen Gemeinden“ in Aying jetzt als Fallbeispiel für eine besonders betroffenene bayerische Kommune vor.

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Neue Regeln brauche es auch bei den Motorrad-Herstellern, sagt Michael Janski, Leiter der Autobahnpolizei Holzkirchen. Denn die wissen, dass die Polizei nach einem standardisierten Verfahren prüft, ob eine Maschine zu laut ist. Das liefert vor Gericht zwar belastbare Beweise. Weil die Hersteller aber den Drehzahlbereich kennen, in dem ihre Maschinen getestet werden, bauen sie Klappensysteme ein, die sich je nach Umdrehungen öffnen oder schließen. Das Ergebnis: Im Test flüstert der Auspuff, auf der Straße brüllt er. Das ist legal, weil sich die Hersteller mit Motorschutz herausreden. „Wir warten auf eine bessere Regelung“, sagt Janski. Er könnte sich auch Regeln vorstellen, die den Fahrstil betreffen. Etwa gegen bewusst lautes Fahren. Aber auch die gibt es nicht.

Bürgermeister will für neue Regeln kämpfen

Kittenrainer will deswegen weiter für neue Regeln kämpfen. Denn, das betonen er und Janski: Die große Mehrheit der Motorradfahrer wolle niemanden belästigen. Man müsse ihnen aber die Maschinen geben, mit denen das gelinge. Auch dem kleinen Teil, der es laut möge, sei nur über bessere Regeln beizukommen. „Ich hoffe, dass die Vernunft siegt“, sagt der Bürgermeister. „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

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Im Gemeinderat

am Montag, 13. Mai, um 19.30 Uhr im Rathaus Bayrischzell berichtet Kittenrainer über seine Teilnahme am Symposium „Schluss mit Motorradrasern und Motorradlärm“ in Aying. Zudem steht ein Bauantrag des Hotels Auracher Hof auf der Tagesordnung.

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