Karawane mit Sicherheitsabstand: Skitourengeher am vergangenen Wochenende am oberen Sudelfeld.
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Karawane mit Sicherheitsabstand: Skitourengeher am vergangenen Wochenende am oberen Sudelfeld.

Nach Wochenende mit Traumwetter

Sudelfeld-Chef sieht Tourengeher-Ansturm im Lockdown entspannt: „Sind ja auch unsere Kunden dabei“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Tourengeher mitten auf den Skipisten: Im Lift-Lockdown am Sudelfeld kein Problem. Mittlerweile ist auch der Bergbahnen-Chef gelassen - aus gutem Grund.

Bayrischzell – Wollte man einen perfekten Frühjahrskitag am Sudelfeld beschreiben, so hätte man am vergangenen Wochenende reichlich Stoff dafür sammeln können. Ein junges Pärchen lässt sich im weichen Sessel des Kitzlahnerlifts die Sonne ins eingecremte Gesicht scheinen. Ein paar Männer besprechen, ob sie noch für einen Kaiserschmarrn auf der Speckalm einkehren sollen.

Und auf der brettlebenen, leicht aufgefirnten Piste rauschen zwei Skifahrer in Richtung Tal. Erst bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass sich auch das Sudelfeld weiter im Lockdown befindet. Die Liftgondel, in der das Pärchen sitzt, steht still neben der Bergstation. Den Kaiserschmarrn für die Männergruppe gibt’s nur zum Mitnehmen. Und die beiden Skifahrer haben sich ihre rasante Abfahrt mit einem bei den frühlingshaften Temperaturen mühsamen Aufstieg erkämpft.

Mitte März Deadline für Saisoneröffnung

Ja sogar die perfekt präpariert anmutenden Pisten sind tatsächlich nur ein Nebenprodukt, sagt Egid Stadler, Geschäftsführer der Bergbahnen Sudelfeld. „Wir haben manche Strecken gewalzt, damit die Hüttenwirte mit dem Motorschlitten nicht umschmeißen.“ So würden durch das stark frequentierte To-Go-Angebot etliche Lieferungen benötigt. Auch beim bereits erfolgten Abbau der Beschneiungsanlagen seien die Pistenbullys im Einsatz gewesen, berichtet Stadler. Einzig die Schneedepots, die die Bergbahnmitarbeiter im Frühwinter angelegt hatten, um für einen möglichen späteren Saisonstart gerüstet zu sein, habe man noch nicht angetastet. „Die müssen wir aber jetzt bald mal anpacken, sonst liegen die Haufen im Sommer immer noch rum.“ Maximal bis Mitte März wollen die Bergbahnen warten. „Später macht eine Eröffnung wirtschaftlich keinen Sinn mehr“, seufzt Stadler.

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Besonders schmerzt den Bergbahnenchef dieser Tage, dass dem Sudelfeld ein richtig guter Winter mit viel Sonne, wenig Sturm und dem richtigen Maß an für die Schneeproduktion notwendigen Kälte durch die Lappen gegangen ist. Dass zumindest die Tourenskigeher etwas davon haben, damit kann Stadler inzwischen gut leben. „Letztlich“, sagt er, „sind da ja auch viele unserer Stammkunden dabei, die so wenigstens mal auf die Piste gekommen sind.“

Dazu passt ein weiteres Bild, das am Wochenende zu sehen war: Ein Papa stapft mit seinem circa fünfjährigen Sohn am Pistenrand hinauf. Er auf Tourenski, der Sohn auf Schneeschuhen. Die Abfahrtsski samt Stiefel des Buben schleppt der Mann am Rucksack mit rauf. Ein familieninterner Mini-Skikurs, quasi. Der Lift-Lockdown, er macht erfinderisch.  

sg

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