Andreas Leder
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Andrang geht weiter: Auch am Montag zog es Wintersportler aufs Sudelfeld. Am Waldkopf trainierten Kader des DSV. Nebenan waren Rodler, Tourengeher und Radfahrer unterwegs – meist ohne Maske, berichtet Stadler.

„Wären wir offen, wäre es besser gelaufen“

„Nur die Kassen sind zu“: Skigebiet-Betreiber über Ansturm Tausender aus ganz Bayern - trotz stiller Lifte

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Dürfte das Skigebiet Sudelfeld regulär öffnen, es könnte den Infektionsschutz auf seinen Pisten besser durchsetzen als derzeit, sagt Geschäftsführer Egid Stadler. Doch er ist froh, das nicht entscheiden zu müssen.

  • Trotz Corona-Lockdown waren die Skipisten im Sudelfeld die letzten Wochenenden proppenvoll. Verdient hat das Skigebiet daran aber praktisch nichts.
  • Dem Geschäftsführer fehlt jedoch die Einsicht der Wintersportler. Kaum einer von ihnen trug laut Egid Stadler eine Maske.
  • Er ist sich sicher: Wären die Lifts geöffnet, könnte man die Hygienemaßnahmen deutlich besser kontrollieren.
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Bayrischzell – Obwohl Winterfreunde am Wochenende die Pisten im Sudelfeld füllten, verdiente das Skigebiet daran praktisch nichts. Nur die Parkgebühren flossen an das Unternehmen von Geschäftsführer Egid Stadler. Dieser ist sicher, den Infektionsschutz mit geöffneten Lifts besser leisten zu können als derzeit. In unserem Gespräch erklärt er, warum er dennoch froh ist, die Öffnung der Skigebiete nicht entscheiden zu müssen und wie der Lockdown das Sudelfeld finanziell trifft.

Skigebiet Sudelfeld im Corona-Modus: „Wären wir offen, wäre es besser gelaufen“

Egid Stadler (63): Geschäftsführer Bergbahnen Sudelfeld

Herr Stadler, der Lockdown wird verlängert. Welche Konsequenzen hat das für das Sudelfeld?

Wir haben befürchtet, dass es so kommt. Wenn die Infektionszahlen nicht sinken, ist klar, dass der Lockdown verlängert wird. Für uns ist das Schlimmste daran die Unsicherheit für unser Personal. Sie sind alle auf Kurzarbeit. Das Stammpersonal weist Autos auf dem Parkplatz ein. Saisonkräfte halten sich teilweise bereit, wissen aber nicht, wann sie loslegen dürfen. Das belastet die Leute.

Wie beeinflusst der Lockdown Ihre Finanzen?

Sudelfeld-Geschäftsführer im Corona-Interview: „Wir haben seit dem 15. März keinen Euro mehr verdient“

Wir haben seit dem 15. März keinen Euro mehr verdient. Die Saisonkarten, die wir vorverkauft haben, werden wir zurückerstatten, wenn wir nicht öffnen. Finanziell ist das schwierig: Wir haben schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr einen Kredit aufgenommen und müssen Kapitaldienst leisten, weil wir auch viel investiert haben. Jetzt hoffen wir, dass die Novemberhilfen bald ausgezahlt werden. Die Anträge haben wir gestellt, bis Januar soll das Geld da sein. Das ist wichtig. Sonst müssen wir Insolvenz anmelden.

Sie verdienen nichts, trotzdem sind Ihre Pisten voll. Wie fühlt sich das an?

Am Wochenende war alles unterwegs. Schlittenfahrer, Tourengeher, Radfahrer. Das waren nicht ein paar Hundert, das waren Tausende. Mich hat einer aus Nürnberg angerufen, ob wir Schnee haben. Er wolle zum Schlittenfahren mit den Kindern. Ich habe gesagt: „Die Hotels sind alle zu.“ Er hat gemeint: „Das macht nichts. Ich fahre sowieso abends zurück.“ Was willst du da sagen?

Trotz geschlossenen Ski-Liften am Sudelfeld: „Am Wochenende war alles unterwegs“

Wie klappt es mit so vielen Leuten auf unpräparierten Strecken? Passieren Unfälle?

Derzeit haben wir nur die Anlage am Waldkopf auf Bitten des Deutschen Skiverbands für das Kadertraining im Betrieb. Die müssen wir im wettbewerbsfähigen Zustand halten, aber das ist alles abgezäunt und die Trainer achten mit darauf, dass keine Unbefugten dort fahren. Auf den anderen Pisten haben wir die Beschneiung eingestellt. Derzeit sind sie weder gerichtet noch abgesteckt, Schneehaufen liegen mitten im Gebiet. Trotzdem ist alles überraschend harmonisch verlaufen.

Wie schnell könnten Sie öffnen, wenn der Lockdown endet?

Die Hauptpisten wären sofort einsatzbereit. Wir müssen sie nur anschieben. Daran ändern auch die Rodler und Tourengeher nichts. Sie trampeln den Schnee eher fest.

Ski-Lifte im Corona-Lockdown: „Möchte kein Politiker sein, der diese Entscheidungen trifft“

Wäre es Ihnen angesichts des Andrangs lieber, Sie dürften sofort öffnen?

Momentan sind Parkplätze und Pisten voll. Nur die Kassen sind zu. Außerdem hatte von denen, die am Wochenende hier waren, nicht einer eine Maske auf. Wären wir im Betrieb gewesen, hätten wir kontrollieren können und es wäre besser gelaufen. Trotzdem möchte ich kein Politiker sein, der diese Entscheidungen trifft. Ich sehe beide Seiten, auch die Probleme, die durch Unfälle für die Notaufnahmen entstehen könnten. Mir fehlt eher die Einsicht bei den Leuten.

Welchen Infektionsschutz könnten Sie leisten, wenn Sie öffnen dürfen?

Sudelfeld-Geschäftsführer im Interview: „Haben 800 Kilo Schlaufenschalt als Mund-Nasen-Schutz bestellt“

Wir haben unseren Webshop ausgebaut. Dort gibt es jetzt Tages-, Stunden- und Mehrtageskarten. Die können Skifahrer einfach auf eine neue Karte aufladen oder online kaufen und bei uns am Automaten drucken lassen. Sie brauchen weder mit Bargeld hantieren, noch an einer Kasse stehen. Wir haben 800 Kilo Schlaufenschale als Mund-Nasen-Schutz bestellt. Mit Brille und Handschuhen im offenen Schlepp- oder Sessellift wäre es geregelter als jetzt und die Infektionsgefahr geringer als im Nahverkehr. Trotzdem: Ich bin froh, dass ich es nicht entscheiden muss.

Trotz Corona-Warnung zieht es schon länger viele Münchner von der Stadt zu Erholung in die Berge. Im oberbayerischen Miesbach haben Anwohner nun ihren Unmut darüber deutlich gemacht. Schon bevor die verschärften Corona-Maßnahmen feststanden, empfahl ein Bürgermeister die zeitweise Verbannung der Münchner - und ein Landrat will die Berge schließen.

(Von Christian Masengarb)

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