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Zauberhafter Moment: Diese historische Aufnahme zeigt das Bayrischzeller Hirtenspiel im Jahr 1927.

Nach sehr Jahren Pause

Tradition seit 1849: Hirtenspiel findet wieder statt

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Nach sechs Jahren wird es wieder aufgeführt: das historische Hirtenspiel in Bayrischzell. Die Wurzeln stammen aus dem Jahr 1849 - und aus Tirol. Die Tradition wird weitergeführt.

Bayrischzell – Die singenden Hirten aus Tirol kamen 1849 über die Grenze nach Bayrischzell. Mit Maria und Josef marschierten sie von Hof zu Hof, wo sie in den Stuben ihr Stück aufführten. Der „Stalltrager“ schleppte die Krippe und die anderen Requisiten. Eine Schauspieltruppe, die Eindruck hinterließ in Bayrischzell. So sehr, dass die Zeller das Hirtenspiel übernahmen und fortan selbst zur Aufführung brachten. Bis heute hat es nichts von seinem Zauber verloren. Umso größer ist die Vorfreude im Ort auf die Weihnachtsfeier des Katholischen Arbeitervereins am Samstag, 16. Dezember, im Gasthof Post. Da ist das historische Hirtenspiel nach sechs Jahren Pause wieder zu sehen.

Der verhältnismäßig lange Abstand zwischen den Aufführungen ist ganz bewusst so gewählt, erklärt Georg Acher, der heuer die Spielleitung übernommen hat. „Es soll ja etwas Besonderes bleiben.“ Früher sei das Hirtenspiel sogar nur alle zehn Jahre oder sogar noch seltener auf der Bühne gezeigt worden. Damit es nicht in Vergessenheit gerät, habe man sich dann auf eine Kopplung an die Weihnachtsfeier des Arbeitervereins verständigt. „Das ist die zentrale Weihnachtsfeier in Bayrischzell“, sagt Schriftführer Helmut Limbrunner. Alle Einheimischen und Gäste sind dazu eingeladen – und damit auch zum Hirtenspiel.

Dessen Bühnengeschichte begann im Jahr 1910 im Gasthof Wendelstein. 17 Jahre später wurde es auf zwei Akte erweitert, und 1950 schrieb und komponierte der langjährige Bayrischzeller Musikmeister Hausl Acher die Szene mit den Heiligen Drei Königen dazu. Das Original blieb aber unangetastet. Bis hin zum Tiroler Dialekt wird das Hirtenspiel auch heute noch so aufgeführt wie 1849.

Damit nichts verloren geht, hat Georg Acher die Text- und Notenbücher aus dem Jahr 1925 zusammengetragen und sortiert. Die Kulissen – bemalte Leinwände mit einer Stadtansicht von Bethlehem und der Szene im Stall – sind unverändert. Die Kostüme wurden wohl in den 1970er-Jahren geschneidert. „Fast alles wurde so bewahrt, wie es war“, schwärmt Acher.

Das heißt auch, dass nach wie vor die drei Hirten Lenzl, Klausl und Stöffl die Hauptrolle spielen und singen. Maria und Josef sind nur Statisten. Die Geschichte beginnt mit einer Szene im Sommer, in der die Hirten aus ihrem Leben erzählen. Als ihnen im zweiten Bild der Verkündigungsengel erscheint, glauben sie zuerst an einen Traum. Doch der Komet über Bethlehem weist ihnen den Weg zur Krippe, wo sie mit den Engeln den Heiland anbeten. Zum Schluss kommen die Heiligen Drei Könige dazu.

Eine gute halbe Stunde wird das Stück dauern, schätzt Acher. Wie schon in den Anfangsjahren des Hirtenspiels sind alle Mitwirkenden aus Bayrischzell. Zwischen 20 und 25 Personen sind heuer vor und hinter der Bühne daran beteiligt. Darunter auch Bürgermeister Georg Kittenrainer als „Stalltrager“ und Souffleur. Fünf Mal wird geprobt – ein letztes Mal am Tag der Aufführung. Bis dahin muss alles klappen. Keine Selbstverständlichkeit bei so alten Versen, die noch dazu im Tiroler Dialekt geschrieben sind. „Aber verschieben geht nicht“, sagt Acher.

Das war in der Anfangszeit des Hirtenspiels nicht anders, weiß Limbrunner. Teilweise wurde es nämlich sogar direkt am Heiligen Abend aufgeführt. Auch damals sei die Nachfrage schon groß gewesen. Auf Wunsch der Einwohner hätten die Bayrischzeller sogar Gastspiele in Elbach, Hundham, Schliersee und Au gegeben. Und auch die Rollen waren damals noch heiß begehrt, sagt Limbrunner: „Namhafte Bürger haben sich darum gerissen.“

Ganz so einfach ist es heute nicht mehr mit der Besetzung. „Gerade die Jüngeren sind nicht mehr so mit dem alten Dialekt vertraut“, sagt Acher. Dennoch ist er guter Dinge, dass das Hirtenspiel auch weiterhin im Sechs-Jahres-Rhythmus aufgeführt werden kann. Nicht öfter, aber auch nicht seltener. „Sonst gerät es vielleicht irgendwann wirklich in Vergessenheit.“

Die Weihnachtsfeier

des Katholischen Arbeitervereins Bayrischzell findet am Samstag, 16. Dezember, um 20 Uhr im Gasthof Post in Bayrischzell statt. Neben dem Hirtenspiel gibt es auch eine Astl-Versteigerung. Für die musikalische Umrahmung sorgen die Musikkapelle Bayrischzell, der Bayrischzeller Viergesang, ein Harfenduo und eine Stubenmusik. Der Eintritt beläuft sich auf fünf Euro.

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