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Ein Trauermarsch durch Bayrischzell im Rahmen der Beisetzung des ehemaligen Pfarrers Elmar Mayr.

Ein einstimmiges Vergelt‘s Gott

Trauerfeier für den ehemaligen Pfarrer Elmar Mayr in Bayrischzell

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Viele Bürger besuchen die Trauerfeier für den ehemaligen Bayrischzeller Pfarrer Elmar Mayr. Nach einem Gottesdienst und einem Marsch durch den Ort wurde er neben der Kirche beigesetzt.

Bayrischzell – Die Trauerfeier für Elmar Mayr war geprägt von Dankbarkeit. Der Priester, der vergangene Woche im Alter von 86 Jahren gestorben war, erfreute sich großer Beliebtheit. Er war 29 Jahre Pfarrer von Bayrischzell und seit seinem Ruhestand 2007 im Pfarrverband Schliersee aktiv. So war es nicht verwunderlich, dass die Kirche in Bayrischzell gut gefüllt war – so gut, dass einige Trauergäste im Inneren keinen Platz mehr fanden.

„Wir haben allen Grund zum Dank“, sagte Pfarrer Dominik Bartsch zu Beginn des Gottesdienstes. Er vertrat Bayrischzells Pfarrer Josef Spitzhirn, der im Urlaub weilt. Ebenso konnte Erzbischof Reinhard Kardinal Marx der Feier nicht beiwohnen, ihn vertrat Dekan Engelbert Dirnberger. Bartsch, Dirnberger und die anderen Geistlichen trugen weiße Messgewänder – zum Zeichen von Licht und Ewigkeit.

Dirnberger stellte einen Satz in den Mittelpunkt des Seelengottesdienstes, den Mayr anlässlich seines 60-jährigen Priesterjubiläums vor zwei Jahren im Weihnachtspfarrbrief zitiert hatte: „In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!“ Es ist ein Satz aus der dritten Strophe des Kirchenlieds „Lobe den Herren“. Dirnberger sagte: „Von Gott behütet zu sein, hat Elmar Mayr immer geprägt.“

Behütet in Situationen, die alles andere als leicht waren. So wuchs Mayr als Sohn einer Jüdin während der Nazi-Zeit auf. „Für ihn war es eine göttliche Fügung, dass der Nazi-Spuk rechtzeitig zu Ende war, damit er seinen Schulabschluss machen und studieren konnte“, sagte Dirnberger. Eine zweite solche Fügung erlebte Mayr während seiner Zeit als Missionar in Afrika. Ein Bischof wurde direkt vor seinen Augen erschossen. Ein beherzter Sprung unter den Jeep ließ Mayr mit dem Schrecken davonkommen. Dirnberger sagte: „Er hatte ein starkes Vertrauen in den Schutz Gottes.“

Zunächst als Pfarrvikar, dann als Pfarrer war Mayr 1978 nach Bayrischzell gekommen. „Sein priesterlicher Dienst hat ihn an ein herrliches Fleckchen Erde geführt“, sagte Dirnberger. „Der Lobpreis auf den Schöpfer kommt hier wie von selbst über die Lippen.“ Mayr fühlte sich als geborener Münchner in der neuen Heimat wohl und trat mehreren Ortsvereinen bei. Er war bei der Gebirgsschützenkompanie, wo er sich starkmachte für die Jugend, und 31 Jahre Mitglied im Trachtenverein.

Seine Zeit als Seelsorger prägte er durch Aufgeschlossenheit, Toleranz und Menschenliebe. „Und manchmal war er massiv stur“, sagte Bürgermeister Georg Kittenrainer. Einige Gäste nickten und lachten leise. Mayr war immer seinen Weg gegangen und hat dabei viele Gläubige bei der Hand genommen. Kittenrainer: „Er hat es verstanden, die Menschen in die Kirche zu holen.“

Auf der Pferdekutsche wurde der Sarg aus hellem Holz in einem Trauermarsch durch den Ort gefahren. Direkt an der Mauer der Kirche, gleich neben der Kapelle, wurde der beliebte Pfarrer beigesetzt. Am Ende waren sich die Trauernden einig: Der liebe Gott hat für Elmar Mayr einen besonders schönen Platz im Bayrischzeller Himmel reserviert.

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