Traudi und Ludwig Bleier schmücken die Bayrischzeller Pfarrkirche St. Margareth
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Ganz ohne Blumen geht es nicht: Traudi und Ludwig Bleier schmücken die Bayrischzeller Pfarrkirche St. Margareth für die Osterzeit – obwohl wegen des Coronavirus keine Gottesdienste stattfinden dürfen.

Osterdekoration muss sein

Trotz Gottesdienstverbot wegen Corona: Mesner wollen Kirchen schmücken

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ostern ohne Gottesdienst: Braucht es dann überhaupt Blumen in der Kirche? Der Bayrischzeller Mesner Ludwig Bleier und seine Frau Traudi sagen: auf jeden Fall! 

Bayrischzell – Die Forsythien in den Gärten sind es, die Ludwig Bleier (66) und seiner Frau Traudi (61) in diesen Tagen Mut machen. Das leuchtende Gelb der Blüten erinnert sie an eine Zeit, als die Vorfreude auf das Osterfest mit jedem Tag wuchs wie das Gras auf den Wiesen. Eine Zeit, in der sie die Pfarrkirche St. Margareth mit üppigem Blumenschmuck auf die Feier der Auferstehung Jesu Christi vorbereiteten. All das hatten der Bayrischzeller Mesner und seine Frau auch für heuer geplant. Doch dann kam das Coronavirus – und plötzlich war alles anders.

Weil bis auf Weiteres keine Gottesdienste mehr stattfinden dürfen, fällt auch der Kirchenschmuck deutlich spartanischer aus, erklärt Bleier. Die alljährliche Großbestellung bei der Blumenhändlerin habe man bereits storniert. Doch ganz auf die Dekoration verzichten möchten die Bleiers nicht. „Die Kirche hat ja geöffnet und es kommen immer wieder Leute zum Gebet herein“, sagt Ludwig Bleier. Also holt er mit seiner Frau Palmzweige von den örtlichen Bauern oder direkt aus der Natur. Auch ein paar Forsythien will das Mesner-Paar in die Buschen binden. „Man soll schon erkennen können, dass Ostern kommt“, sagt Bleier.

Für ihn und seine Frau sind die Einschränkungen durch die Virusgefahr eine schlimme Sache. Gerade jetzt, wo er in Rente sei, wäre die österliche Vorbereitung eine schöne Beschäftigung gewesen, sagt der 66-Jährige, der sich schon seit 35 Jahren um das Gotteshaus kümmert. „Das geht einem schon ziemlich ab“, seufzt Bleier.

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Noch auf eine zweite lieb gewonnene Tradition muss der Mesner verzichten. Auch das Heilige Grab in der Seelenkapelle darf er heuer nicht aufbauen. Zu groß die Gefahr, dass zu viele Menschen auf einmal in die kleine Kirche drängen würden, um die prächtigen Holzkulissen mit den bunten Glaskugeln zu bestaunen. Das Heilige Grab bleibt damit übrigens schon zum zweiten Mal in Folge eingemottet. Im vergangenen Jahr habe man es wegen der Renovierung der Seelenkapelle nicht herrichten können, erzählt Bleier. „Aber nächstes Jahr klappt es dann hoffentlich wieder.“

Ausfallen soll das Osterfest in Bayrischzell übrigens keinesfalls, betont Bleier. Er rät allen Bayrischzellern, zum stillen Gebet in die dann trotzdem ein bisschen geschmückte Kirche zu kommen. Dass die Gläubigen bereits jetzt gern auf dieses Angebot zurückkommen und im Gotteshaus alleine innehalten und Kraft tanken, hat der Mesner bei den Opferkerzen festgestellt: Die seien sehr gefragt. Und auch Bleier selbst schaut immer wieder in St. Margareth nach dem Rechten. Mal zum Saubermachen, mal einfach nur zum Besinnen in dieser ganz und gar ungewöhnlichen Zeit.

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