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Begrüßen, einweisen, beraten: Unter anderem hier auf dem Wanderparkplatz in Geitau soll künftig Parkservice-Personal dafür sorgen, dass die Tagesgäste an besonders besucherintensiven Tagen gut gelotst werden, um Reibungen zu vermeiden.

Unmut über zu viele Tagestouristen

Bayrischzell probiert’s mit Parkeinweisern

In Tegernsee ächzen sie lautstark über den Ausflüglerstrom zu Corona-Zeigen, in Schliersee ebenso. Auch Bayrischzell ist mit Wendelstein und Sudelfeld ein beliebtes Ziel motorisierter Tagesgäste. Und das in einem Maß, dass sich die Gemeinde nun zum Handeln gezwungen sieht.

Stoßstange an Stoßstange haben sich in den vergangenen Wochen die Tagestouristen durch den Landkreis geschoben und sich vielfach wenig schmeichelhafte Kommentare von Einheimischen eingehandelt. Auch bei Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU) klingelt derzeit häufig das Telefon, und sein E-Mail-Postfach ist voll mit Fragen von Gästen und Einheimischen, wie die Gemeinde mit dem touristische Strom künftig umzugehen gedenkt. Das konfliktbeladene Wort „Overtourism“ geistert unter Touristikern herum – ein neues Phänomen, das Freizeitregionen bei schönem Wetter kollabieren lässt. Um dem entgegenzuwirken, möchte die Wendelsteingemeinde in Zusammenarbeit mit der Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) in einem Pilotprojekt zumindest die hiesige Parkplatzsituation entlasten.

Ein zweischneidiges Schwert. „Wir leben vom Tourismus und sind gastfreundlich“, betonte Kittenrainer jüngst im Gemeinderat. Er warnte davor, Tourismus nur noch als Problem zu sehen, „das aus Blechlawinen mit verstopften Straßen sowie Müll auf Wander- und Parkplätzen besteht“.

Kittenrainer fürchtet die Tendenz, dass das Stimmungsbild innerhalb der Bevölkerung zum Negativen hin kippen könnte. Die Gemeinde sinniere aber nicht über die soziokulturelle Frage, sondern macht sich Gedanken, wie sie Herr der Situation vor Ort werden kann. Und so fragte der Bürgermeister jetzt im Gemeinderat: „Was können wir tun, um diese zu entspannen?“

Dazu hatte er Stephanie Hintermayr eingeladen. Bayrischzells Tourismusleiterin arbeitet nämlich an einem Konzept zur örtlichen Parkplatzsituation an Wochenenden. Hintermayr wollte aber zunächst einmal beruhigen: Der vermehrte Ansturm der vergangenen Wochen ist ihrer Meinung nach auch der Corona-Krise geschuldet. Weil Auslandsreisen nicht möglich waren, hätten die Menschen ihre freien Tage eben in der Region verbracht.

Auch sie bricht eine Lanze für den Tourismus: „Er ist wichtig für unseren Landkreis.“ Im Jahr 2019 seien rund 8,3 Millionen Euro aus dem Geldbeutel der Tagesgäste nach Bayrischzell geflossen. Das Problem: 69 Prozent der Gäste reisen per Auto an. In Bayrischzell führte das Verkehrsaufkommen am Fronleichnam-Wochenende zu überfüllten Parkplätzen– insbesondere in Geitau, am Seeberg sowie am Stocker-Stellplatz im Ursprungtal. „Letzterer war bisher nur durch die Langläufer im Winter voll ausgelastet“, sagte Hintermayr.

Generell benötige es eine Mobilitätswende durch den Ausbau des ÖPNV und von Fahrradwegen zur „Parkraumverknappung“, sagte die Tourismusleiterin. Aufgaben des Landkreises, wie Kittenrainer feststellte. „Mehr Parkplätze und mehr Straßen, wie man es früher gemacht hat, ist aus Platzgründen irgendwann vorbei.“

Langfristig benötige es deshalb wohl ein Parkleitsystem, glaubt der Bürgermeister. Kurzfristig peilt die Gemeinde Bayrischzell keine technische Lösung an, sondern eine aus Fleisch und Blut: mit Parkservice-Personal. Dieses soll an Brennpunkten und -tagen im Einsatz sein. Ähnlich wie die Loipenkontrolleure im Winter sollen Studenten und Schüler mit Unterstützung von sogenannten Rangern des Tourismusunternehmens ATS an den besucherreichsten Tagen zwischen Juli und September im Einsatz sein.

Wie Hintermayr erklärte, werden sie an den bekannten Parkplätzen in Bayrischzell, Osterhofen und Geitau bereitstehen – weniger als Parkwächter, sondern eher als Info-Personal, das zwar die drei Euro Parkgebühr kassiert, aber die Gäste auch begrüßt, die Autos platzsparend einweist sowie die Flyer „Miteinand in den Bergen“ mit Infos zum Wanderverhalten aushändigt.

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