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Sportwagen made in USA: Die zweigeteilte Heckscheibe des Chevrolet Corvette C2 gilt als Erkennungsmerkmal des Typs „Split Windows“.

Auch Imitate sind begehrte Originale

Viele seltene Schätzchen: 100 Autos bei Wendelstein Historic

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Seltene automobile Schmuckstücke waren bei der Wendelstein Historic in Bayrischzell zu bewundern. Und ihre Fahrer hatten viele spannende Geschichten zu erzählen. Hier eine Auswahl.

Bayrischzell – Schon 1964 war retro schick. Und schon damals lagen Nachbauten teurer Oldies hoch im Kurs. So wie der Excalibur SSK 1. Das Fabrikat eines US-amerikanischen Herstellers ist die wohl bekannteste Neuinterpretation des gleichnamigen Mercedes von 1928. Damals von Kritikern als Kopie verschrieen, ist er heute fast genauso selten. Vor allem das weinrote, 300 PS starke Exemplar, das Gottfried Brandner aus Brannenburg nun bei der Wendelstein Historic durch Bayrischzell lenkte. Der Wagen sei noch vor der Serienproduktion gebaut worden, erklärte Moderator und Oldtimer-Experte Michael Hagemann beim Concours d’Élégance am Sonntagmittag. „Damit ist er heute eigentlich ein Unikat.“

Rund 100 Old- und Youngtimer sind von Freitag bis Sonntag durch Bayrischzell und bei Ausfahrten durch den gesamten Landkreis gerollt. Endlich habe auch mal das Wetter richtig mitgespielt, sagte Franz Simbeck vom Classic Cabrio Club im MSC am Tegernsee. Pünktlich zum Grand Prix am Freitagnachmittag seien die Wolken aufgerissen. Besonders für die Cabrio-Fahrer ein Glück. Auch sonst fällt Simbecks Fazit positiv aus. Unfälle habe es keine gegeben, und im Ort habe man sich durchweg willkommen gefühlt. Doch die Oldie-Lenker waren auch um Rücksicht bemüht. Um keine Misstöne zu erzeugen, ließen sie ihre Motoren während des Kurkonzerts am Sonntagmorgen schweigen.

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Noble Warteschlange: die aufgereihten Oldtimer vor ihrer Präsentation, an der Spitze ein MG Cabrio.

Um Lautstärke geht es bei der Wendelstein Historic ohnehin nicht, erklärt die älteste Teilnehmerin, Helga Zorn (83). „Sowas macht man zum Genuss.“ Deshalb ließ sie sich auch von ihrem Lebensgefährten Jürgen Zobel durch Bayrischzell chauffieren. In einem knallroten Japaner mit spanisch klingendem Nachnamen. CRX del Sol heißt ihr Honda mit von Porsche inspiriertem Targa-Dach.

Mit seinem Baujahr 1995 muss er fürs H-Kennzeichen zwar noch ein paar Jahre durchhalten, doch Zorn und Zobel sind guter Dinge. Schließlich hat ihr Flitzer die lange Anfahrt von Saalburg-Ebersdorf in Thüringen gut weggesteckt – und dafür lieben sie ihn auch. „Auch ein Auto hat eine Seele“, sagt die 83-Jährige. Ihre Leidenschaft lebt sie auch musikalisch aus. Die selbst komponierte CD mit den schönsten Liedern zum Oldtimerfahren hat sie immer im Handschuhfach dabei – und verschenkt sie gerne an andere Teilnehmer.

Guido und Maike Hauptmann aus Nürnberg genehmigen sich nach ihrer Ankunft am Kirchplatz hingegen erst mal einen Schluck Champagner. Gläser und Flaschen stehen in den Schränkchen auf der Innenseite der Türen ihres ALVIS TB 14. Im Original gab es die Minibar zwar nur für den Fahrer, räumt Guido Hauptmann ein. Das beim Co-Piloten wurde nachgerüstet. Ansonsten ist an dem cremeweißen Schmuckstück mit Baujahr 1947 aber alles echt. Vom Stil her ordne sich der ALVIS zwischen Bentley und Rolls Royce ein, er sei seiner Zeit aber voraus gewesen. „Er war damals ein Flop“, meint Hauptmann. Deshalb seien auch nur 197 Stück gebaut worden.

Dennoch sei der TB 14 später zum Vorbild für den doppelt so teuren Jaguar XK 120 geworden. „Er ist sein Opa“, sagt Hauptmann, der seinen Wagen als Garagenfund in England zwei Jahre lang restauriert hat. Heute sieht er nicht nur wie neu aus, sondern hat auch einen – verglichen mit vielen anderen Oldies im Starterfeld – fast schon neuzeitlichen Spritverbrauch von 9,7 Liter auf 100 Kilometer. „Und das im Rallye-Modus.“

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