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Streitpunkt Wäldchen: Dass die Bäume schadhaft sind, haben mehrere Gutachter bestätigt.

Nach erneutem Nein im Gemeinderat

Wäldchen-Streit: Zipflwirt hofft auf Baurecht vom Landratsamt

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Einstimmig hat der Gemeinderat Bayrischzell den Bauantrag für ein Einfamilienhaus im kleinen Waldstück neben dem ehemaligen AOK-Heim abgelehnt. Doch der Eigentümer wehrt sich.

Bayrischzell – In einem Punkt sind sich Georg Kittenrainer und Albert Jupé einig: Sowohl der Bayrischzeller Bürgermeister als auch der Bauwerber und Zipflwirt-Eigentümer sehnen eine Entscheidung des seit Jahren schwelenden Streits herbei. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, wie die jüngste Gemeinderatssitzung erneut gezeigt hat. Das Gremium ist seiner Haltung treu geblieben und hat Jupés Antrag auf Errichtung eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage auf seinem 1500 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Kranzer- und Michael-Meindl-Straße neben dem früheren AOK-Heim einstimmig abgelehnt. Es handle sich um einen „ortsbildprägenden und wertvollen Baumbestand“, der „unbedingt zu erhalten“ sei.

Der Kampf um den Wald dauert mittlerweile mehr als fünf Jahre. Die Fronten sind hart wie Buchenholz. Jupé will die kranken Bäume fällen und sein Haus bauen. Das Grundstück befinde sich im Innenbereich und sei damit bebaubar. Nichtsdestotrotz wollte der Gemeinderat das Wäldchen als Grünzug schützen. Um die Entwicklung kontrollieren zu können, beschloss er die Aufstellung eines Bebauungsplans und den Erlass einer Veränderungssperre. Die ist mittlerweile ausgelaufen, und auch das Planverfahren wurde gestoppt (wir berichteten). Kittenrainer hatte dem Gremium diesen Schritt empfohlen, um möglichen Schadensersatzansprüchen des Bauwerbers zu entgehen. Jupé habe in einem persönlichen Schreiben an einige Gemeinderäte genau damit gedroht, erinnerte Vize-Bürgermeister Egid Stadler nun in der Sitzung und schimpfte: „Das ist ein Saustall.“

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Jupé weist diese Vorwürfe gegenüber unserer Zeitung zurück. Er sieht sich zu unrecht als Buhmann dargestellt, da er nichts weiter wolle, als auf seinem eigenen Innenbereichs-Grundstück ein Haus zu bauen. Genau dieses Recht verweigere ihm die Gemeinde seit Jahren – obwohl zuletzt auch das Verwaltungsgericht München festgestellt habe, dass die Fläche dem Innenbereich zuzuordnen sei. „Ich werde blockiert“, sagt der Zipflwirt-Besitzer. Und das teils mit „unfassbarem Aufwand“. Jupé berichtet von umfangreichen Untersuchungen wie Brutvogel- oder Fledermauskartierungen, die er auf seinem Grund erdulden habe müssen.

Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Auch im Innenbereich sei der Artenschutz zu beachten. Genauso wenig dürften hier automatisch alle Bäume für ein Bauvorhaben umgeschnitten werden. Da das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bereits festgestellt habe, dass es sich bei Jupés Grundstück um einen Wald handelt, brauche dieser erst eine Rodungserlaubnis des Amtes. Ohne diese könne der Bauantrag nicht genehmigt werden.

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Genau das erhofft sich Jupé von der Behörde aber. In seinen Augen hat das Landratsamt gar keine andere Möglichkeit, als das verweigerte gemeindliche Einvernehmen zu ersetzen. Experten haben ihm bestätigt, dass die Mehrzahl der fraglichen Bäume geschädigt ist und somit aus Sicherheitsgründen sogar entfernt werden müssen. Das Vorgehen des Gemeinderats geißelt Jupé als „reine Willkür“, zumal ein Bauvorhaben auf dem Nachbargrundstück auf der anderen Seite des Bachs sang- und klanglos durchgewunken worden sei (Vorbescheid). „Das ist leider eine sehr persönliche Sache geworden“, sagt Jupé. Dennoch ist er „guter Dinge“, dass er sein Haus am Ende bauen darf.

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Das könne durchaus passieren, warnte Bürgermeister Kittenrainer seine Gemeinderäte. Dann nämlich, „wenn das Landratsamt eine andere Rechtsauffassung als der Gemeinderat hat“. Eines steht für Kittenrainer aber bereits jetzt fest: „Die Sache muss abschließend geklärt werden, damit wir endlich einen Haken hinter dieses Thema setzen können.“ Der Ball liegt nun beim Landratsamt.

Von Daniel Krehl und Daniel Wegscheider

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