Autos auf dem Parkplatz Stocker in Bayrischzell.
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Heiß begehrt sind bei Wanderern und Freizeitsportlern die Parkplätze in Bayrischzell, hier der Parkplatz Stocker in der Nähe des Zipflwirts. Im Winter ist das Parken kostenfrei, dafür wird eine Loipengebühr fällig.

Auf den Wanderparkplätzen

Bayrischzell schraubt an den Parkgebühren

Ein Park-Chaos wie etwa am Spitzingsee blieb in Bayrischzell zuletzt zwar weitgehend aus. Die Gemeinde stellt sich in Sachen Parkraum-Bewirtschaftung dennoch neu auf. Für die einen wird es künftig teurer, andere parken zum Nulltarif.

Bayrischzell – Die Gemeinde Bayrischzell passt die Gebühren für ihre Wanderparkplätze an: Künftig wird das Tagesticket in den Sommermonaten für Ausflügler fünf statt drei Euro kosten. Dafür dürfen Urlauber mit Gästekarte sowie Einheimische dort fortan umsonst parken. Für Letztere setzten sich im Gemeinderat insbesondere Tourismus-Chefin Stephanie Hintermayr sowie Vize-Bürgermeister Egid Stadler (CSU) ein. Sie wollten ein Zeichen in Sachen Gastlichkeit sowie Wertschätzung gegenüber Ortsansässigen setzen. Der Gemeinderat sah das genauso und folgte dem Vorschlag einstimmig.

Parken in Bayrischzell wird teurer - aber nicht alle müssen zahlen

Rückblick: Seit Einführung der Gebührenpflicht im Jahr 2016 wird auf den kommunalen Wanderparkplätzen Stocker, Sillberg, Seeberg und Sport-Alm eine Tagesgebühr in Höhe von drei Euro von allen Nutzern erhoben. „Die Gebühr wurde bewusst so niedrig gehalten, weil es bisher technisch nicht möglich war, Gästekarten-Inhaber zu befreien“, berichtete Geschäftsleiter Josef Acher. Jedoch gebe es jetzt Systeme, die das Problem lösen können. Wie Hintermayr ergänzte, biete etwa die „Parkster“-App eine Möglichkeit der Kontrolle. Besser findet die Tourist-Info-Leiterin jedoch die analoge Variante direkt am Parkautomaten: Dabei erkennt ein Lesegerät die Gästekarte und gibt dann ein kostenloses Ticket aus. Eine endgültige Entscheidung will die Gemeinde erst im Frühjahr fällen, wenn die Automatenumstellung ansteht. „Das werden größere Investitionen“, sagte Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU) und nannte vorsichtig die Summe „von ein paar Zehntausend Euro“.

Im Sommer waren erstmals die Ranger unterwegs

Klar unterstrich er allerdings die Notwendigkeit: „Die Umstellung und eine gute Parkraumbewirtschaftung sind für die Gemeinde Bayrischzell ein Muss, schließlich lebt der Ort von Gästen.“ Ein weiterer Beweggrund für die Gebührenanpassung sei der zunehmende Verkehr, der sich laut Bürgermeister besonders im „Corona-Sommer“ offenbarte. Daher will die Gemeinde ihre Wanderparkplatz-Infrastruktur besser ausschildern. Ein erster Schritt hin zu einem höheren Organisationsgrad war die Einführung der sogenannten Ranger im Juli vergangenen Jahres, um die großen Besucherströme besser lenken zu können. Trotz eines guten Bahnanschlusses und einiger weniger Busverbindungen funktioniere „der ÖPNV bei uns nicht so wie am Stachus“, sagte Hintermayr. Bei der Gebühreneinführung vor fünf Jahren habe eher der ökologische Gedanke im Vordergrund gestanden, jetzt stehe die Gastfreundschaft im Fokus. Ausschlaggebend sei aber auch der Unmut vieler Vermieter gewesen, die sich bei der Tourist-Info beschwert hätten. Daher der Vorschlag, dass Gäste ihre Autos kostenfrei abstellen dürfen.

Einheimische sollen gratis parken dürfen

Gratis-Parken auch für Einheimische, das forderte dann Stadler: „Ich habe ein Problem damit, das man die Einheimischen schlechter stellt als den Gast.“ Eigentlich hatte die Gemeinde bei ihrer Gebührenanpassung geplant, das eingeführte Jahresticket für die ortsansässige Bevölkerung (30 Euro) fortzuführen. Dieses nutzen hauptsächlich Hundebesitzer, die an den Wanderparkplätzen eine Gassi-Tour mit ihren Vierbeinern starten. Laut Gemeindeverwaltung werden jährlich rund 25 dieser Saisontickets herausgegeben. Für Stadler sind Einheimische, „die lediglich eine Stunde spazieren gehen“, nicht entscheidend, sondern die Tagestouristen.

Im Winter gilt weiterhin die Loipengebühr

Im Winter gilt derweil nach wie vor die Loipengebühr von fünf Euro. Auf den geräumten Wanderparkplätzen wird von der Gemeinde keine Extra--Abgabe verlangt, da diese den Langläufern vorbehalten sind. „Wildparker“ sollen dagegen vermehrt vom Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum überwacht werden. „Damit unsere Schlupflöcher besser kontrolliert werden, ordern wir mehr Stunden“, kündigte Kittenrainer an. Wer sein Auto etwa auf einer gesperrten Straße im Landschaftsschutzgebiet abstellt, wird mit bis zu 55 Euro zur Kasse gebeten.

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