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Mehr Ruine als Denkmal: Der alte Lokschuppen am Bayrischzeller Bahnhof verwildert immer mehr. Ein Kauf durch die Gemeinde ist für Bürgermeister Georg Kittenrainer aufgrund der zu befürchtenden Altlasten kein Thema. 

Ortsentwicklung

Wegen Altlasten: Bayrischzell will nördliches Bahnhofsareal nicht haben

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Um das nördliche Bahnhofsareal aufzuwerten, müsste die Gemeinde Bayrischzell das Areal samt Lokschuppen kaufen. Doch die Kommune hat Angst vor den Altlasten. 

Bayrischzell – Die Gleise am Bahnhof Bayrischzell trennen zwei Welten: den modernen, aufgeräumten Süden und den veralteten, verwilderten Norden. Letzterer ist der Gemeinde seit Jahren ein Dorn im Auge, sagte Rathauschef Georg Kittenrainer nun bei der Bürgerversammlung. „Das ist ein Schandfleck.“ Schon sein Amtsvorgänger Helmut Limbrunner habe sich um eine Aufwertung bemüht. Gefruchtet hat bislang nichts davon.

Das Problem: Das 13 000 Quadratmeter große Areal mit dem alten Lokschuppen gehört dem Bundeseisenbahnvermögen. „Das ist ein schwieriger Verhandlungspartner“, sagte Kittenrainer. Die Gesellschaft sei beim Börsengang der Deutschen Bahn gegründet worden, um die „Schrottimmobilien“ aus dem Unternehmen auszugliedern. Einziges Bestreben des Bundeseisenbahnvermögens sei es, die ungeliebten Häuser und Grundstücke loszuwerden. So etwa auch das Bahnhofsareal in Bayrischzell. „Das soll irgendwann verkauft werden“, sagte der Bürgermeister.

So gerne die Gemeinde es in die Hand bekäme, um – wie in den vergangenen Jahren mit den neuen Parkplätzen und Wohnhäusern sowie dem renovierten Bahnhof südlich der Gleise geschehen – eine Entwicklung voranzutreiben: Das Risiko sei wegen der Altlasten im Boden viel zu hoch, sagte Kittenrainer. Das einzige existierende Gutachten spreche zwar nur von einer geringen Belastung, doch der Bürgermeister traut dem Braten nicht. So sei das Schriftstück stark veraltet und habe nur einen bestimmten Punkt im Boden analysiert.

Kittenrainer vertraut lieber den ehemaligen Eisenbahnern im Ort. Die hätten ihm unter anderem von einer alten Schmiergrube erzählt, die bei der Auflassung des Rangierbahnhofs zugeschüttet worden sei. Auch unter den Drehscheiben für die Loks könnte Altöl im Boden schlummern. Bei einem Grundstückskauf mit nachfolgender Bauleitplanung würde die Entsorgungspflicht auf die Gemeinde übergehen, warnt Kittenrainer. „Da könnten wir im schlimmsten Fall Pleite gehen.“ Das sei jammerschade, schließlich wüsste man mit dem Areal einiges anzufangen.

Kittenrainer könnte sich hier kommunalen Wohnungsbau vorstellen. Zwei Blocks mit Mietwohnungen für Bayrischzeller Bürger, die sich kein Eigentum leisten können. Indirekt könnten davon auch die Mitarbeiter des neuen Familienhotels, das auf dem ehemaligen AOK-Grundstück entstehen soll, profitieren, meint der Bürgermeister. Wegen der Altlastenproblematik seien die Pläne aber nie über das Skizzenstadium hinausgekommen.

Der Kontakt mit dem Bundesbahnvermögen bestehe weiterhin, so Kittenrainer. Angeblich soll es bald eine neue Wertermittlung für das Grundstück geben. Die Hoffnung, dass sich daraus ein attraktives Angebot für die Gemeinde ergeben könnte, hält sich beim Rathauschef aber in Grenzen. Die Verantwortung für die Altlasten sieht er klar beim Bund. „Die sollen ihren Saustall selbst aufräumen“, schimpft Kittenrainer. Es sei beschämend, wie man hier mit seinem Vermögen umgehe. Zumal der alte Lokschuppen unter Denkmalschutz stehe. Der Bürgermeister kann da nur noch den Kopf schütteln: „Das ist nur noch eine Ruine.“

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