Beeindruckend: Auf dem Künstlerweg, de von Brannenburg aus auf den Wendelstein führt, können sich Wanderer in außergewöhnlichen Holzskulpturen niederlassen.
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Beeindruckend: Auf dem Künstlerweg, de von Brannenburg aus auf den Wendelstein führt, können sich Wanderer in außergewöhnlichen Holzskulpturen niederlassen.

Vier Wanderwege eröffnet

Wendelstein: Fünf Themenwege „noch besser als je gedacht“

Sie sind ein neues Aushängeschild für die Region: Am Wendelstein wurden jetzt fünf Themenwanderwege offiziell in Betrieb genommen. Sie bieten einen Streifzug durch die Geologie des Berges und sind das Ergebnis eines Gemeinschaftsprojekts.

Bayrischzell – Graues Tanktop und Wanderhose: Marina Pagel sieht anders aus, als sich mancher eine klassische Architektin vorstellt. Ist sie auch nicht. Fragt man die Projektbeteiligten, bestätigen sie das. Es ist ein Glück für die touristische Aufwertung des Wendelstein. Die Mitarbeiterin des Wasserburger Landschaftsarchitektur-Büros Niederlöhner – beauftragt mit der Planung der Themenwege – verbrachte viel Zeit auf dem Berg. Büroinhaber Harald Niederlöhner betont: „Praktisches Engagement ist mitverantwortlich für all das, was Besucher hier ab sofort bewundern können.“

Wendelstein-Themenwege eröffnet

Niederlöhner meint damit die neu eröffneten Wendelstein-Streifzüge: vier Wanderwege, die aus den Gemeinden Bad Feilnbach, Bayrischzell, Brannenburg und Fischbachau zum Gipfel des Wendelsteins führen. Die Themen Meditation, Kunst, Wasser und die Sage über die Wendelstein-Männlein begleiten Wanderer an mehreren Stationen jeweils bis auf den Gipfel. Hinzu kommt oben – als fünfter Themenweg – ein Geologierundpfad.

Am Ziel: Matthias Jokisch (Bürgermeister Brannenburg), Anton Wallner (Bürgermeister Bad Feilnbach), Sepp Hofer (Vize-Landrat Rosenheim), Florian Vogt (Geschäftsführer Wendelsteinbahn), Sebastian Wittmoser (Leader-Koordinator) und Georg Kittenrainer (Bürgermeister Bayrischzell) bei der Eröffnung der Themen-Wanderwege am Wendelstein.

Über diese Route erzählt Architektin Pagel bei der Eröffnung zahlreiche Anekdoten: Beispielsweise findet sich eine bei der Erstbegehung gefundene Koralle jetzt als großes Modell am Wegesrand wieder. „Es ist faszinierend, wie viel aus der Zeit übrig geblieben ist, in der der Wendelstein noch unter dem Meeresspiegel lag“, sagt Pagel.

„Leidenschaft“ und „Herzblut“ stecke in dem Leader-geförderten Projekt, betont auch Anton Wallner nach dem Besuch der acht Geologie-Stationen. 130 000 Euro aus dem EU-Fördertopf stecke in dem Tourismus-Projekt. Der Feilnbacher Bürgermeister betreute in seiner Aufgabe als lokaler Aktionsgruppenleiter die Region Mangfall-Inntal beim Engagement in Bau und Planung – er weiß also, wovon er spricht.

Aber auch Touristen und heimische Besucher dürften wahrnehmen, wie viel Einsatz in den neu geschaffenen Wendelstein-Streifzügen steckt – ganz ohne je daran mitgearbeitet zu haben. Denn: Die schon in den 1980er Jahre erbauten Pfade sind durch das bürgerbeteiligte Projekt wieder sichtbar und erlebbar geworden.

An Station eins des Geologiewegs sind die drei Gesteine des Bergs ausgestellt. Das Besondere: „Man kann die Steine nicht nur sehen, sondern auch anfassen“, betont Florian Vogt, Geschäftsführer der Wendelsteinbahn.

Als Initiator und Projektträger freut er sich besonders über die Eröffnung der insgesamt 44 Stationen. Fast alle davon seien haptisch erlebbar. Beispielhaft nennt der Bahn-Betreiber eine Station auf dem Jenbachweg – der Weg, der Bad Feilnbach mit der Spitze des Wendelsteins verbindet. Pagel erläutert: Mit einem Eimer und etwas Wasser könne an der von Vogt genannten Stelle Hochwasser im Jenbach simuliert werden. „Ein entsprechendes Tischmodell steht dafür bereit.“

Wie realitätsnah das Hochwasser-Modell ist, zeigte sich Anfang August: „Aufgrund von Starkregen wurden nicht nur bereits aufgebaute Stationen beschädigt“, berichtet die Architektin. Der ganze Weg habe sich kurzzeitig in ein Flussbett verwandelt – und war deshalb für ein paar Tage gesperrt.

Verdiente Pause: Landschaftsarchitektin Marina Pagel arbeitete mit großem persönlichen Einsatz an den Wendelstein-Streifzügen. Den Anstoß für die Themenwege gegeben hatte die Wendelsteinbahn, der der in den 1980er Jahren errichtete Geopark nicht mehr zeitgemäß erschien. Unsere Aufnahme zeigt Pagel auf der Steinliege auf dem Geologierundpfad am Gipfel.

In sieben Jahren Planungs- und Bauzeit sammelten sich noch mehr Widrigkeiten an. Von schwierigen Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern, formalen Hürden und schneebedingten Verzögerungen ist die Rede, als Vogt und die anderen Verantwortlichen ihr Resümee bei der Eröffnungsfeier ziehen. Niederlöhner: „So komplex wie die Wendelstein-Streifzüge war noch keines unserer bisherigen Projekte.“

Unterkriegen ließ sich Sepp Hofer zufolge aber keiner der Beteiligten. Der Rosenheimer Vize-Landrat betont: „Was in den vergangenen sieben Jahren von den 70 Beteiligten geleistet wurde, sei keine normale Arbeit gewesen. Wallner ergänzt: „Alle Mitwirkenden haben das Projekt als Aufgabe wahrgenommen – und nicht einfach nur als Arbeit.“

Wanderer auf Streifzug durch die Geologie treffen auf einige Stellen, an denen das außergewöhnliche Engagement sichtbar wird. Am Wetterloch (Station sechs) wurde beispielsweise eine Metallplattform erbaut. Von dort aus können Besucher mittels einer Kurbel und einem Lot entdecken, wie die 29 Meter tiefe Schachthöhle im Berg verschwindet. „Der Bau der Plattform mittels Hubschrauber war extrem kompliziert“, erinnert sich Pagel.

Am Ende des Geologiewegs spricht Leader-Koordinator Sebastian Wittmoser aus Fischbachau Wendelsteinbahn-Geschäftsführer Vogt seine Hochachtung dafür aus, dass er die Rolle des Projektträgers übernommen habe. Er sei dankbar, die Eröffnung der Wege in seinen letzten Tagen im Amt noch erleben zu dürfen. Begeistert zeicht sich auf Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer: „Es ist etwas Besonderes, dass sich die vier Anrainergemeinden für die Wege zusammengeschlossen haben.“ Etwas Gutes – nein sogar etwas noch Besseres als je gedacht – sei so entstanden.

Fischbachau – Meditationsbergweg

Inspiriert durch die Verbindung zwischen der Wallfahrtskirche Birkenstein und der Wendelsteinkirche, führt der Meditationsbergweg in rund zweieinhalb Stunden auf den Berggipfel. Sieben Stationen dienen dabei „der inneren Einkehr und Ruhe“. Besucher sind dazu eingeladen, sich Fragen zu stellen, die im Alltag zu kurz kommen.

Brannenburg – Künstlerweg

Ausgehend von der Zahnradbahn-Talstation, finden sich auf dem Gipfelweg 13 künstlerische Exponate. Die ortsansässige Künstlerkolonie entwarf Werke, die die Schönheit der Natur und besondere Details betonen sollen. In dreidreiviertel Stunden Aufstieg treffen die Wanderer beispielsweise auf holzgefertigten Sitzgelegenheiten, die zu einer kleinen Rast einladen.

Bayrischzell – Wendelstein-Männlein-Gipfelsteig

Die Sage der Wendelstein-Männlein wird in acht Stationen aufgearbeitet. Auch die Natur und die Almwirtschaft wird Interessierten nähergebracht. Verbunden mit einem Kinderquiz, führt der Weg in zweieinhalb Stunden sportlichem Aufstieg zum Gipfel.

Bad Feilnbach – Jenbachweg

Ein familienfreundlicher und meist breiter Wanderweg führt in rund dreieinhalb Stunden zum Wendelstein. Dabei lernen Wanderer an zehn Stationen mit Spaß, Spiel und Rätseln die Besonderheiten des Jenbachs kennen.

Oberer Gipfelbereich – Geologierundweg

Wissenswertes zu den geologischen Besonderheiten des Berges erfahren Wanderer entlang des Geologierundwegs in eineinhalb Stunden. „Hier gibt es Stationen, an denen auch dann etwas zu sehen ist, wenn man bei schlechtem Wetter eigentlich nichts sieht“, verspricht Bergbahn-Geschäftsführer Florian Vogt. Start des Rundwegs ist vom Gipfel des Wendelsteins aus.

Weitere Informationen zu den Einstiegen und den Stationen gibt es unter www.wendelstein-streifzuege.de.

von Jonas Napiletzki

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