Im Vierer-Sessellift hat sich die Klägerin schwer verletzt. dpa / Symbolfoto
+
Im Vierer-Sessellift hat sich die Klägerin schwer verletzt.

LANDGERICHT

Wirbelbruch nach Liftfahrt: Frau verklagt Bergbahnen Sudelfeld GmbH auf Schadenersatz

  • Nina Gut
    VonNina Gut
    schließen

Bayrischzell – Snowboardschülerin Caroline L. (Name geändert) hatte am 24. Februar 2018 eigentlich einen schönen Pistentag vor sich. Doch bei einem Unfall im Liftbereich verletzte sie sich schwer - ein Fall, der nun vor Gericht liegt.

Das war passiert: Zusammen mit ihrer Snowboard-Gruppe fuhr Caroline L. mit dem Kitzlahner-Vierersessellift im Skigebiet Sudelfeld auf den Berg. Beim Ausstieg donnerte allerdings der Sessel gegen ihren Kopf. Sie stürzte zu Boden und blieb bewegungsunfähig liegen. Ein Wirbel von Caroline L. war geborsten. Statt auf der Piste landete sie schwer verletzt im Krankenhaus, wo sie operiert werden musste.

Die Schuld für den Unfall sieht Caroline L. bei der Bergbahnen Sudelfeld GmbH. Diese habe den Liftbereich „nicht ordnungsgemäß überwacht“, heißt es in der Klageschrift. Der Bahnbetreiber hätte den Lift sofort stoppen müssen, um die Kollision zu verhindern. Weil die Überwachungsperson nichts unternahm, habe die Bahn ihre Pflichten verletzt.

In einer Klage vor dem Landgericht München II forderte L. rund 85 000 Euro – mindestens 50 000 Euro Schmerzensgeld, 5700 Euro für Fahrtkosten und medizinische Zuzahlungen, 25 700 Euro Haushaltsführungsschaden, 3600 Euro für die Rechtsschutzversicherung sowie die Feststellung, dass die Bergbahnen Sudelfeld für alle weiteren Schäden aufkommen muss, die noch aus dem Unfall folgen könnten.

Liftbetreiber weist Schuld von sich

Die Liftbetreiber wiesen die Schuld von sich. Es handle sich um eine „Alleinschuld der Klägerin“, schrieben die Anwälte der Beklagten. Der Liftbereich sei korrekt überwacht worden. Die Snowboarderin habe den Sessellift jedoch „nicht ordnungsgemäß und zügig verlassen“. Dies sei für den Bediensteten nicht erkennbar und nicht vermeidbar gewesen. Selbst wenn die Gefahr erkennbar gewesen wäre, sei es nicht möglich, den Sessellift in der Kürze der Zeit rechtzeitig zu stoppen. Außerdem wandte sich die GmbH gegen die Schadenshöhe und erachtete das geforderte Schmerzensgeld in Höhe von 50 000 Euro für „weit übertrieben“.

Der Vorwurf: Lift zu spät gestoppt

Caroline L. sagte vor Gericht selbst als Zeugin aus. Beim Verlassen des Sessellifts rutsche man praktisch geradeaus, schilderte sie. Sie sei so ausgestiegen wie immer. Sie könne sich nicht erklären, warum es zu dem Sturz gekommen sei. Sie habe schon gewusst, dass sie die Rampe freimachen müsse, und sei auch in Bewegung gewesen, als der Lift sie am Kopf getroffen habe. In dem Vierersessel hinter ihr kamen Bergwachtler, die noch aussteigen konnten. Einer der Männer habe gesagt: „Macht’s doch den Lift aus.“ Ihre Auffassung: „Der Mann vom Lift hätte reagieren müssen. Er hätte sehen müssen, dass ich mehr Zeit brauche.“

Der Snowboard-Lehrer berichtete, dass er das Geschehen aus dem Augenwinkel beobachtet habe. Er denke, die Klägerin habe wegen der Rampe gezögert. Sie sei nach dem Aussteigen vielleicht ein bis zwei Meter gerutscht, ansonsten hätte sie ja keinen Abstand zur Gondel gehabt.

So entscheidet das Gericht

Das Landgericht München II wies die Klage von Caroline L. ab. Die Kammer konnte keine Pflichtverletzung der Bergbahnen Sudelfeld erkennen. Vielmehr habe L. falsch gehandelt. „Die Klägerin wäre verpflichtet gewesen, den Ausstiegsbereich zu räumen. Weshalb sie dies nicht getan hat, ist nicht ersichtlich. Objektiv war sie hieran nicht gehindert, möglicherweise war es hier aufgrund der steilen Rampe zu einem Zögern gekommen.“

Für den Mann im Lifthäuschen habe es keinen Grund gegeben, die Gondel zu stoppen. Selbst bei einem anfänglichen Zögern der Klägerin wäre es ihr jederzeit möglich gewesen, den Ausstiegsbereich noch zu räumen. „Dass sie dies nicht tat, liegt ausschließlich in ihrem Verantwortungsbereich.“ Auf die Frage, ob der Lift überhaupt rechtzeitig gestoppt werden hätte können, kam es nicht mehr an. Die Klägerin kann noch Berufung einlegen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare