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Die Zweitwohnung wird teuer - auch weil Wohnraum für Einheimische fehlt.

Zweitwohnungssteuer

Bayrischzell folgt dem Tegernseer Tarif

Die Gemeinde Bayrischzell hat ihre Zweitwohnsitz-Steuer neu festgelegt. Der Gemeinderat einigte sich auf 20 Prozent der Jahres-Nettokaltmiete. Sorgen bleiben dennoch, denn den jungen Einheimischen fehlt weiterhin der Wohnraum.

Die Wellen aus Schliersee und Tegernsee schlagen auch in Bayrischzell hoch: Gemeint ist der Erlass des Bundesverwaltungsgerichts Ende 2017, die bayerische Mustersatzung der Zweitwohnsitz-Steuer zur Berechnungsgrundlage als rechtswidrig zu erklären. Der Bayrischzeller Gemeinderat reagierte am Montagabend darauf und legte die Steuer für Zweitwohn-Inhaber auf 20 Prozent der Jahres-Nettokaltmiete fest.

Wie berichtet, hatten in der Gemeinde Schliersee und Bad Wiessee zwei Zweitwohnsitz-Bürger gegen die Satzung mit ihrem Stufenmodell geklagt und vom Leipziger Bundesverwaltungsgericht Recht bekommen. Nun muss die Berechnungsgrundlage landkreisweit überarbeitet werden.

Bayrischzells Gemeinderat brachte nun eine neue Satzung auf den Weg. Ab 1. Januar 2018 wird die Steuer für Zweitwohnungen auf 20 Prozent der Jahres-Nettokaltmiete festgelegt. „Das Stufenmodell war für uns bis jetzt ein komfortables Modell, weil wir damit nicht jedes Haus oder jede Wohnung bewerten mussten“, erklärte Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU). „Wir haben keinen Mietspiegel wie München mit ihrem linearen Modell.“

In Bayrischzell gibt es laut Kittenrainer über 80 Zweitwohnsitz-Inhaber. „Nette Leute, die unseren Ort bereichern. Aber wir haben Wohnraumknappheit“, betonte er. Insbesondere Personal, das in der Gastronomie arbeite, und junge Familien seien davon betroffen. „In Bayrischzell ist es mittlerweile sehr schwierig, eine Wohnung zu bekommen.“

Kittenrainer schilderte einen mittlerweile „alltäglichen Vorgang“, der ihm Sorge bereite: Ehemalige Einheimische haben auf dem ländlichen Immobilienmarkt gegen finanziell liquidere Großstädter keine Chance. „Wir haben viele junge Leute, die mit 18 Jahren den Ort erstmals verlassen haben und nun mit Anfang 30 Jahren wieder zurückkehren, eine Familie gründen und hier ein Haus bauen möchten“, berichtete der Rathaus-Chef. Das Problem: Ein Münchner, der im Ort einen Zweitwohnsitz erwerben möchte, „kauft denen dann das Haus zu einem um 50 000 Euro höheren Kaufpreis vor der Nase weg.“

Kittenrainer möchte zudem nicht, dass Bayrischzell „zu einem Freizeitdorf“ wird, in dem unter der Woche die Fensterläden zu seien und am Wochenende die Leute zum Feiern kämen. „Wir brauchen Kinder im Ort, sonst verlieren wir auch unsere Schule.“

Nun soll die Zweitwohnsitz-Steuer mit einem linearen Steuersatz entsprechend der Nettokaltmiete angepasst werden. Dafür hat die Kommune verschiedene Modelle durchgerechnet und empfiehlt, einen Zweitwohnungssteuersatz von 20 Prozent gleich der Stadt Tegernsee festzusetzen. „Das klingt sehr hoch. Allerdings hat die Gemeinde Bayrischzell im Landkreis Miesbach mit die niedrigsten Nettokaltmieten.“ Danach solle sich die zu entrichtende Steuer orientieren.

Denn laut Kittenrainer nutzen die Zweitwohn-Inhaber am Wochenende ebenso die Infrastruktur und örtliche Versorgung wie Kanal, Wasser sowie Verkehrsstraßen wie Einheimische. „Was wir nicht wollen, ist eine prohibitive Wirkung“, ergänzte der Bürgermeister. Bedeutet: Die Steuer dürfe nicht so hoch sein, „dass keiner mehr in der Lage ist, in Bayrischzell einen Zweitwohnsitz zu erhalten.“ Falls dies dennoch der Fall wäre, würde die Gemeinde nach zwei Jahren den Steuersatz wieder nach unten korrigieren.

Bereits die alte Stufenmodell-Satzung habe einen Nettosteuersatz von 18 Prozent gehabt, wenn ein Zweitwohnsitz-Inhaber gemessen anhand seiner Kaltmiete über 10 000 Euro gekommen sei, ergänzte Kämmerer Josef Teucher: „Im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts geht es um die Gleichbehandlung, nicht um die Höhe des Steuersatzes.“

Daniel Wegscheider

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