+
Wegen seines Gefälles war der Huberspitz-Hang berüchtigt.

Erinnerungen an früher

Der Huberspitz - ein berüchtigter Skihang

Hausham - In den 1970er- und 80er- Jahren standen Einheimische und Gäste Schlange am Skilift Huberspitz in Hausham. Mittlerweile ist die Anlage verwittert. Die Liftbetreiberin Ria Röpfl erzählt von damals.

Der Putz blättert von den Wänden, und die Fensterläden des kleinen Häuschen sind bereits seit Jahren verschlossen. Daneben ein verrostetes Stahltor, in dem schlaff ein Stahlseil hängt, das sich bergaufwärts im Dickicht der Bäume verliert. Nur ein paar Holzskier, die an die Gebäudewand genagelt sind, lassen bessere Zeiten vermuten. Darüber ein blasser Schriftzug: Skilift Huberspitz.

Bereits seit 15 Jahren ist die Liftanlage am Huberspitz in Hausham außer Betrieb. Auf einer Länge von 320 Metern und einem Hohenunterschied von 260 Metern zog der dieselbetriebene Doppelmayr Schlepplift die Skifahrer den Huberspitz hinauf.

Ria Röpfl vor der ehemaligen Talstation.

„Wegen Schneemangel im Jahr 1991 eingestellt“, erinnert sich Ria Röpfl aus Hausham. Ihr Vater Alois Röpfl schaltete täglich ab Mittag den Lift ein, zwickte Punktekarten ab und reichte den Skifahrern den Holzbügel. Seine Frau Maria saß derweil an der Kasse. Ria oder einer ihrer Brüder, Alois junior und Andi, mussten derweil oben am Ausstieg abwechselnd nach dem Rechten sehen. Das Bretterhäusl an der Bergstation ist gerade einmal zwei Quadratmeter groß. Lediglich ein Ölofen und ein Kanapee fanden darin Platz. „Wenn jemand aus dem Lift fiel, haben wir ihn ausgeschalten“ erzählt Ria, die mit vier Jahren das erste Mal den Huberspitz herunterfuhr. Durch eine einfache Telefonverbindung zur Talstation konnten die Röpfl-Kinder im Notfall ihre Eltern kontaktieren.

Gebaut wurde die Skiliftanlage einige Jahre früher – 1963 von der Familie Willibald aus Lenggries. Erst 1977 kaufte die Gemeinde Hausham den Lift am Huberspitz, der genau im Grenzgebiet zwischen Schliersee und Hausham liegt. Eigentümer des ehemaligen Skihangs sind zwei Landwirte: Fünf Liftmasten des Schleppliftes stehen auf dem Grund der Familie Röpfl und einer auf dem Land der Familie Manhart aus Schliersee.

Auch Rudi Randler, Geschäftsleiter der Gemeinde Hausham, erinnert sich an seine Kindheit am Huberspitz. Gleich nach der Schule ging’s zum Skifahren. „Alle Haushamer haben dort Skifahren gelernt“, erzählt er. Der Skihang war unter den Haushamern wegen seines steilen Gefälles berüchtigt und so mancher Skifahrer habe sich dort ein Bein gebrochen. Die alten Haushamer pflegten den Spruch: „Wer an Huberspitz runterfahren kann, kann überall runterfahren“, zitiert Röpfl lachend.

Beim Hinauffahren riss einer Pistenraupe sogar einmal die Kette im steilen Gelände, berichtet Röpfl. Deshalb wurde der Skihang nicht mehr maschinell präpariert, und die Haushamer Buben durften nach der Schule den Schnee per Muskelkraft platt treten. Röpfl: „Für dreimal den Hang runtertreten gab’s eine Zehnerkarte umsonst.“ Die hat damals fünf Mark gekostet. Ein echter Höhepunkt sei damals noch das Flutlichtfahren gewesen. „Danach ging’s zur Huberalm auf eine Brotzeit und ein Skiwasser“, erinnert sich Randler schmunzelnd.

Den Höhepunkt hatte der Schlepplift am Huberspitz in den 1970er- und frühen 80er-Jahren. „Die Leute sind reihenweise angestanden“, erinnert sich Röpfl. Heutzutage ist das alles vorbei und die Bergbahnreste ein Relikt aus vergangenen Tagen. Es benötige sehr viel Schnee, um den Steilhang sicher befahren zu können, und auch der TÜV wäre fällig gewesen, erzählt Röpfl. Der Kostenaufwand lohnte sich nicht mehr, und der Schlepplift wurde für immer abgeschaltet. Kupplung, Motor und Bügel kaufte der Betreiber des kleinen Skilifts in Geitau.

Daniel Wegscheider 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Doping-Razzia: Miesbacher (25) fliegt auf und wird verurteilt
Wenn man schon verbotene Substanzen bestellt, dann richtig. Das hat sich offenbar ein Miesbacher (25) gedacht, der nun am Miesbacher Amtsgericht verurteilt wurde. 
Doping-Razzia: Miesbacher (25) fliegt auf und wird verurteilt
Mietradsystem soll im Landkreis kommen
Das Mietradsystem der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kommt im Landkreis Miesbach ins Rollen. Zumindest hat das Konzept eine kleine Kreistagsdelegation überzeugt. Im …
Mietradsystem soll im Landkreis kommen
Slyrs-Chefs und Bürgermeister im Service: Gäste zufrieden mit „Promi-Aushilfen“
Die „Promi-Aushilfen“ haben sich nicht blamiert: Trotz vieler Extrawünsche haben die Slyrs-Chefs und der Bürgermeister ihren Service-Einsatz gut gemeistert.
Slyrs-Chefs und Bürgermeister im Service: Gäste zufrieden mit „Promi-Aushilfen“
Diebe durchwühlen Autos in Bayrischzell - viele nicht abgesperrt
Eine kleine Diebstahlserie hat sich in der Nacht von Mittwoch, 16., auf Donnerstag, 17. Juli, in Bayrischzell ereignet. War hier eine Autoknackerbande am Werk? 
Diebe durchwühlen Autos in Bayrischzell - viele nicht abgesperrt

Kommentare