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Feierabendbier für Corona-Krisenstab: Landratsamtsmitarbeiter trinken Tegernseer vom Fass - Kripo ermittelt

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Von: Veronika Mahnkopf, Dieter Dorby

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Bier-Tief in Deutschland
In Miesbach haben Mitarbeiter des Corona-Krisenstabs Bier vom Fass getrunken. Nun ermittelt die Kripo. © Christophe Gateau/dpa

Mitarbeiter des Corona-Krisenstabs im Landkreis Miesbach haben nach Feierabend Bier aus dem Fass getrunken - bezogen vom Brauhaus Tegernsee. Jetzt steht illegales Sponsoring im Raum.

Update, Montag, 8. Februar 2021, 20 Uhr: Ein Bierfass im Landratsamt Miesbach sorgt für mächtig Ärger. Denn was als Feierabendbelohnung für Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer im Bereich des Corona-Krisenstabs gedacht war, ist nun in den Fokus der Staatsanwaltschaft gerückt. Die ermittelt wegen Vorteilsnahme.

In geselliger Runde Bier trinken, ist in Zeiten von Corona tabu. Bei Verstößen droht ein Bußgeld. Da wirft es Fragen auf, wenn gerade im Landratsamt, das solche Bußgeldbescheide ausstellt, ein Bierfass steht für die Mitarbeiter und Helfer, die den Corona-Krisenstab unterstützen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft München II – jedoch nicht wegen Verstoßes gegen die Infektionschutzmaßnahmenverordnung des Freistaats, sondern wegen Vorteilsnahme.

Ärger um Tegernseer Feierabendbier: Polizeibeamte weisen Inspektionsleiterin aufs Bierfass hin

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd mitteilt, wurden die Ermittlungen von der Leitung der Miesbacher Polizeiinspektion (PI) angestoßen. Seit Oktober unterstützen Polizeibeamte das Contact Tracing Team des Landratsamts, das die Kontakte von Corona-Infizierten verfolgt. Diesen Kollegen stattete PI-Leiterin Katharina Schreiber einen Besuch ab. Dabei wurde von eingesetzten Beamten das 150-Liter-Bierfass angesprochen, das laut Landratsamt in einem nicht öffentlichen Bereich des Lagezentrums als „Feierabendbier“ für Einsatzkräfte bereitstand. Irgendwie entstand in der Folge der Verdacht, das Bier könnte eine unentgeltliche Zuwendung des Herzoglich Bayerischen Brauhauses Tegernsee gewesen sein. Es folgte eine Anzeige gegen Unbekannt – die Ermittlungen begannen.

Im Landratsamt weist man die strafrechtlichen Vorwürfe von sich. „Das Bier ist aus dem Bewirtungsbudget des Landratsamts bezahlt worden“, erklärt Sprecherin Sophie Stadler. Rechnung und Zahlungsnachweis lägen der Kriminalpolizei Rosenheim mittlerweile vor. Das Bier habe die Brauerei dem Landratsamt Mitte Dezember vergünstigt angeboten, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz vor dem Ablaufen war.

Feierabend-Bier für Landrats-Mitarbeiter: Corona-Regeln wurden beachtet

Stadler stellt klar, dass damit nie eine Corona-Party oder Ähnliches gefeiert worden sei. „Höchstens zwei Personen, die im selben Büro arbeiten, konnten sich nach Ende der Schicht, natürlich nicht während der Dienstzeit, ein kleines Glas, also 0,33 Liter, am Fass zapfen.“ Während der Dienstzeit sei kein Alkohol getrunken oder angeboten worden. Das Bier sei als Anerkennung für Mitarbeiter und Ehrenamtliche gedacht gewesen, die „seit einem Jahr rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche für den Krisenstab arbeiten“. Im Stab selbst sei kein Bier konsumiert worden.

Bleibt die Frage, wie es zum Verdacht der Vorteilsnahme kam. Dazu macht Oberstaatsanwältin Andrea Mayer keine Angaben und verweist auf das laufende Verfahren. Auch seitens der Polizei gibt es keine Erklärung.

Landratsamt Miesbach verneint Vorteilsnahme durch Tegernseer Brauerei

Das Landratsamt erklärt den Vorwurf so: „Die Person, die die Anzeige erstattet hat, ging offenbar davon aus, dass das Bier nicht bezahlt wurde, sondern als Gegenleistung für ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen das Bräustüberl Tegernsee entgegengenommen wurde. Das stimmt aber nicht.“ Im vergangenen Sommer habe es ein solches Verfahren gegen das Bräustüberl wegen nicht eingehaltener Corona-Regeln gegeben. Das vom Landratsamt verhängte Bußgeld sei ordnungsgemäß vom Betreiber bezahlt worden. Das Bier stamme aber vom Herzoglichen Brauhaus – und das ist eine andere Rechtsperson. Stadler: „Aus unserer Sicht fehlt jegliche Grundlage für den Verdacht der Vorteilsnahme.“

Miesbacher Landrat sauer wegen Tegernseer Bierfass: „Arbeit wird in ungutes Licht gerückt“

Landrat Olaf von Löwis (CSU) ist dennoch stinksauer. Er hat das Bierfass sofort entfernen lassen, als er Ende Januar von der Sache erfuhr. „Jeder der Mitarbeiter und Ehrenamtlichen arbeitet rund um die Uhr, deshalb gönne ich jedem sein Bier“, sagt er. „Aber der unsensible Umgang mit der Thematik am Rande der Pandemiebekämpfung ärgert mich sehr.“ Es tue ihm „von Herzen leid, dass die so unglaublich bemühte Arbeit aller Mitarbeiter des Landratsamts während der Pandemie nun in ein ungutes Licht gerückt wird“.

Damit spielt er auch auf die Bild-Zeitung an, die gestern groß über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft berichtete und von Landrat Löwis eine Entschuldigung fordert – wegen der Sperrung des Landkreises für Tagestouristen. ddy

Erstmeldung Montag, 8. Februar 2021, 12 Uhr: Am 19. Januar sollen Polizisten, die in Miesbach im Corona-Krisenstab eingesetzt waren, beobachtet haben, wie Mitarbeiter im Landratsamt frisches Bier aus einem Fass getrunken haben. Das Bier soll angeblich vom Herzoglichen Brauhaus Tegernsee stammen, wie bild.de berichtet.

Miesbach: Corona-Krisenstab trinkt Feierabendbier - kostenlos?

Die Polizisten meldeten die Beobachtung ihrer Vorgesetzten. Nun steht der Vorwurf im Raum, der Krisenstab habe das Bier kostenlos erhalten, als Sponsoring sozusagen. Staatsanwaltschaft München II und Kripo Rosenheim ermitteln.

Fass für Krisenstab: Tegernseer Bier wäre bald abgelaufen

Das Landratsamt sagt indes gegenüber bild.de, dass es sich um Fassbier gehandelt habe, das kurz vor dem Verfallsdatum stand, und das die Brauerei wegen der Verlängerung des Lockdowns vergünstigt an das Landratsamt abgegeben hat. Bezahlt worden sei es aus dem Bewirtungsetat. Im Moment prüfen die Behörden das Vorgehen.

Der Landkreis Miesbach war in der Vergangenheit vor allem wegen des massiven Ausflugsverkehrs in der Corona-Pandemie in den Schlagzeilen. Erst am vergangenen Wochenende waren wieder viele Menschen auch aus München und Umgebung an Tegernsee und Schliersee unterwegs. Erst vor Kurzem hat der Landkreis Miesbach sein Ausflugsverbot wieder ausgesetzt.

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