Weißbierbrauerei Hopf Geschäftsführer Tilo Ruttmann
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Die Produktion läuft weiter: Wie andere Brauereien auch stellt Hopf-Geschäftsführer Tilo Ruttmann einen Anstieg im Handel fest. Die Ausfälle in der Gastronomie kann er allerdings nicht ausgleichen.

Handel zieht an, aber trotzdem Verlust

Brauereien im Landkreis: Bierkonsum auch in Krisenzeiten

  • Alexandra Korimorth
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Ohne Feste kein Feiern. Ohne Feiern kein Bierumsatz. Oder doch? Die Corona-Krise trifft auch die Brauereien im Landkreis. Sie gehen unterschiedlich mit der Situation um.

Landkreis – Ohne Feste kein Feiern. Ohne Feiern kein Bierumsatz. Oder doch? Die Corona-Krise, die zur Schließung der Gaststätten und zur Absage von Veranstaltungen gesorgt hat, hat auch Auswirkungen auf die Brauereien im Landkreis. Sie gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um.

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Brauhaus Tegernsee

„Bei uns steht aktuell die Produktion der Fassbierlinien still“, berichtet der Braumeister und Technische Leiter des Herzoglichen Brauhauses Tegernsee, Norbert Stühmer. Die Flaschenfüllanlage indes läuft am Standort Moosrain wie eh und je. Denn der Gastronomieabsatz habe sich auf den Handel verlagert, sagt Stühmer erleichtert. Weder habe die Brauerei staatliche Hilfen beantragt noch wurde Kurzarbeit angemeldet. „Wir haben einen sehr sozialen Arbeitgeber.“ Allerdings seien die Mitarbeiter – vor allem jene, die die Gastronomiekunden beliefern – angehalten, Überstunden abzubauen. Er hofft, dass weder die Rohstoffversorger noch die Hersteller der Verbrauchsmaterialien, etwa Etiketten, ihre Betriebe nicht langfristig runterfahren und dass zumindest die kleineren Gaststätten bald wieder öffnen.

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Weißbierbrauerei Hopf

Auch in der Miesbacher Weißbierbrauerei Hopf wird weiter produziert, wenngleich auch hier die Fassbier-Produktion eingestellt ist. „Dass die Gastronomie geschlossen hat, tut uns sehr weh“, gesteht Geschäftsführer Tilo Ruttmann. Obwohl die Brauerei im Vergleich zu Corona-freien Vorjahren sogar einen Anstieg im Handel verbuchen kann. Vor allem deshalb ist in der Miesbacher Brauerei auch keine Kurzarbeit angedacht. „Wir müssen uns über den April und Mai retten. Zweieinhalb Monate sind für uns überbrückbar. Danach müssen wir auf Sicht fahren und uns Gedanken machen“, sagt Ruttmann. Auch wenn der Hallenbau (wir berichteten) aktuell weiterläuft, die Mitarbeiter sind angehalten, ihre Überstunden abzubauen und ihren Urlaub zu nehmen, damit alle vor Ort und voll einsatzfähig sind, wenn die Produktion aller Linien wieder anläuft.

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Oberbräu Holzkirchen

„Die Folgen der Corona-Krise sind für die gesamte Wirtschaft und die Braubranche kaum absehbar“, sagt Jens Bergfeld, stellvertretender Leiter der Unternehmenskommunikation der König Ludwig GmbH & Co. KG, zu der auch der Holzkirchner Oberbräu gehört. Hier sind die Brauer seit Anfang April in Kurzarbeit. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, prüfen alle Alternativen und treffen jede Entscheidung wohl überlegt“, so Bergfeld. Höchste Priorität habe für das Unternehmen die Sicherung der Arbeitsplätze – und zwar langfristig. Die Brauerei muss den Wegfall des Gastronomiegeschäfts als bedeutenden Absatzkanal abfedern. „Denn mit der Schließung der Gaststätten verschärft sich die wirtschaftliche Situation für die Gastronomie und auch für die Brauereien“, sagt Bergfeld.

Schlossbräu Valley

Während am Standort Adldorf die Mitarbeiter der Gräflichen Brauerei Arco-Valley GmbH & Co. KG in Kurzarbeit sind, sind die fünf Mitarbeiter der Valleyer Schlossbräu in Valley auf ihren Posten – und das, obwohl hier nur Fassbiere produziert werden. „Dass die Biergärten geschlossen haben und auch die Dorffeste wie das Darchinger Pfingstfest abgesagt wurden, ist eine unschöne Situation“, sagt Braumeister und Betriebsleiter Thomas Furtner. Jetzt plant er veränderte Vertriebswege, vor allem für den Maibock, der vergangenen Samstag hätte angestochen werden sollen. Da das Bier ein gutes halbes Jahr gelagert werden kann, plant die Kleinbrauerei einen „After-Maibockanstich“, sobald sich die Menschen wieder versammeln dürfen. Am liebsten wäre das den Valleyer Brauern am 6. September, am Tag der Offenen Tür. „Wir hoffen sehr, dass die Gastronomie bald wieder öffnet“, wünscht sich Furtner.

Hoppebräu

Einen kreativen Umgang mit der Krise übt Hoppebräu in Waakirchen. Wie kürzlich im überregionalen Teil berichtet, hat Inhaber Markus Hoppe einen Online-Shop aufgezogen und bietet virtuelle Brauereiführungen samt Bierverkostung an. „Im ersten Moment war der Wegfall des Exports, der Hotellerie und Gaststätten und der eigenen Gastronomie eine enorm schwierige Situation für uns“, berichtet Hoppe. „Jetzt sehen wir es als eine Art Boxenstopp.“ Auch wenn der Handel besser läuft als normal und er da ein deutliches Plus verzeichnen kann, fährt sein junges Unternehmen monatliche Verluste ein. „Das tut uns weh“, sagt er. Auch dass er 18 Mitarbeiter aus seiner „Zapferei“ und zwei aus der Produktion in Kurzarbeit schicken musste. Aktuell halten er als Geschäftsführer und zwei Lehrlinge die Stellung.

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