AELF Holzkirchen Exkursion Mutterkuhhaltung
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Familie Schön begrüßte die Exkursionsteilnehmer auf der Weide in Sufferloh.

Stressfrei auf der Weide

Alternative zum klassischen Milchvieh: AELF-Exkursion zu Mutterkuhhaltung

  • VonSandra Hefft
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Landkreis – Das Konzept der Mutterkuhhaltung wurde jüngst vom AELF Holzkirchen im Betrieb Derleder in Degerndorf und auf dem Kammerloher Hof in Sufferloh vorgestellt.

Viele Milchviehhalter der Region stehen derzeit unter dem Druck, ihre Betriebe zu modernisieren. Notwendige, oft teure Investitionen sorgen dafür, dass dieses Vorhaben nicht immer rentabel ist. Um den landwirtschaftlichen Betrieb und die Tierhaltung aufrechtzuerhalten, suchen viele Betriebsleiter nach geeigneten Alternativen zu Milchviehhaltung. Mutterkuhhaltung kann eine sein.

„Auch wenn Mutterkühe weniger tägliche Betreuung benötigen als ihre milchliefernden Artgenossen, braucht es auch für diese Haltungsform ein schlüssiges Konzept“, erklärt Josef Schmalzbauer, Experte für Rinderhaltung beim AELF Holzkirchen, vor Kurzem im Zuge einer Exkursion. „Es sollte Tier und Mensch gleichermaßen bestmöglichen Komfort ermöglichen und zudem noch rentabel sein.“

Münsinger Betrieb startet mit Mutterkühen

Mutterkuhhaltung komme dem natürlichen Verhalten und der ursprünglichen Lebensweise eines Rindes sehr nahe. Die Mutterkuhherde werde dabei überwiegend auf der Weide gehalten. Etwa alle zwölf Monate bekomme die Mutterkuh ein Kalb. Beide bleiben bis zu zehn Monate zusammen. Die Milch der Mutter­kuh versorgt das Kalb in den ersten Lebensmonaten. Mit zunehmendem Alter und Reifung des Verdauungstrakts nimmt das Kalb immer mehr Gras und Heu auf. Die Kuh-Kalb-Bindung wird mit der Zeit immer lockerer, bis die Kälber dann von der Mutterkuh getrennt werden.

Josef Schmalzbauer vom AELF Holzkirchen (l.), Betriebsleiter Ludwig Derleder (M.) und Konrad Wagner vom AELF Regensburg/Schwandorf erläutern in Degerndorf die Grundsätze der Mutterkuhhaltung.

Wie Mutterkuhhaltung funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Betriebs Derleder im Münsinger Ortsteil Degerndorf. Ludwig Derleder berichtet von seinem Start in die Mutterkuhhaltung: „Wir haben die ehemalige Maschinenhalle unseres Betriebs damals zu einem Offenfrontstall für die Mutterkühe umfunktioniert. Eigentlich stehen die Tiere immer auf der großzügigen Weide – ein Stallgebäude ist dennoch wichtig. Der Stall bietet den Tieren, besonders in der Kalbezeit, Schutz und Rückzugsmöglichkeit.“

Der Betrieb Derleder vermarktet überwiegend über eine regionale Handelskette. Im Hofladen werden zudem eigens erzeugte Backwaren und weitere regionale Produkte vermarktet. „Eine zum Betrieb passende, gut funktionierende Vermarktung ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung“, betont Konrad Wagner, Spezialberater für Mutterkuhhaltung.

Kammerloher Hof als Beispiel

Ebenfalls beispielhaft ist der Betrieb der Familie Schön. Diese bewirtschaftet den Kammerloher Hof im Holzkirchner Ortsteil Sufferloh. Die Schöns vermarkten schon seit vielen Jahre das Fleisch ihrer ökologisch gehaltenen Mutterkuhherde im direkten Verkauf.

Betriebsleiterin Regina Schön zeigte mit ihren Eltern die Offenfrontstallungen. Heuer wurden diese erweitert, um den Tieren mehr Platz, Fress- und Liegekomfort zu bieten. „Unsere Tiere kennen keinen Stress“, erklärt die Familie. Die direkt an die Ställe angrenzenden Grünflächen werden als sogenannte Kurzrasenweide genutzt und stehen den Tieren ganzjährig zur Verfügung. she

Quelle: DasGelbeBlatt

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