Aussprache zu Anbindehaltung in Miesbach
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Im Dehner von Johann Waldschütz (l.) diskutierte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (2.v.l.) mit Anwesenden, darunter Bundestagskandidat Alexander Radwan und Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die die Runde auch moderierte.

Bekenntnis zur Kombihaltung

Anbindehaltung: Ministerin stellt sich in Miesbach der Kritik der Landwirte

Miesbach – Dass die Anbindehaltung zum Tierwohl abgeschafft werden muss, beschäftigt auch Landwirte im Landkreis Miesbach. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber kam nun zur Aussprache.

Die Kühe von Öko-Bauer Johann Waldschütz stehen auf der Weide, wenn immer es das Wetter erlaubt. Er gehört damit zu den typischen oberbayerischen Betrieben mit einer sogenannten Kombihaltung, bei denen die Rinder abwechselnd angebunden im Stall, aber meist mehr als die Hälfte des Jahres auf der Weide stehen.

Um darüber zu reden, versammelten sich auf dem Hof auf Einladung von Zivilcourage Miesbach kürzlich über 20 Landwirte, Vertreter von landwirtschaftlichen Verbänden und des Landratsamtes. Gekommen war auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber – schließlich gab es nach ihrer Regierungserklärung im Mai zur Anbindehaltung deutlichen Redebedarf.

Für bayerische Kulturlandschaft unverzichtbar

„Die Kombihaltung stirbt nicht“, war das eindeutige Bekenntnis Kanibers gegenüber den Landwirten. Zu den Differenzen kam es durch die Ankündigung in ihrer Regierungserklärung, dass die ganzjährige Anbindehaltung so schnell wie möglich beendet werden muss. „Das war missverständlich ausgedrückt. Natürlich stand das Wörtchen ganzjährig drin, aber ich habe es dummerweise überlesen“, sagte Kaniber und ergänzte im gleichen Atemzug: „Ich habe dabei auch nie von Abschaffung der Kombihaltung gesprochen.“

Diese sei, so die Ministerin weiter, für die bayerische Kulturlandschaft unverzichtbar und auch richtig. Fakt sei aber auch, dass sich die Landwirtschaft anpassen müsse, um mit dem geänderten Verbraucherverhalten Schritt zu halten: „Mein Ziel ist, möglichst viele Höfe zu erhalten. Deswegen möchte ich nicht, dass es ein böses Erwachen gibt und mir dann jemand vorwirft, etwas schöngeredet zu haben“, erklärt sie.

Als Ikone des Einzelhandels präsentiert

Hintergrund ist, dass bereits einige Molkereien und Lebensmittelketten mit Milchprodukten aus anbindefreier Haltung werben. Genau hier verlangten die Landwirte Unterstützung von der Politik. So warf Georg Eham, Nebenerwerbslandwirt aus Agatharied, der Ministerin vor, sich mit ihren Aussagen als Ikone des Einzelhandels präsentiert zu haben: „Wir wissen, um was es geht, aber die Verbraucher meist nicht.“ Ausbaden müssen es nach Ehams Meinung aber wieder einmal die Landwirte wie schon beim Volksbegehren zum Artenschutz.

Ähnlich äußerte sich Bio-Bauer Leonhard Obermüller, der eine Klarstellung und eindeutige Positionierung seitens der Politik erwartet: „Den Leuten und Urlaubern, die zu uns kommen, erklären wir die Kombihaltung und sie finden es dann schon gut, wie wir das machen. Auch deswegen, weil wir eine viel bessere Mensch-Tier-Bindung haben als in einem Riesenlaufstall. Aufklärung im Großen können wir aber nicht leisten.“

Forderung: Für die Bauern einsetzen

Kritik kam auch von Kreisbäuerin Marlene Hupfauer. Sie vermisst, dass sich im Stadt-Land-Konflikt regierungsseitig auch einmal jemand für die Bauern einsetzt und den Städtern klar erklärt, warum nicht jeder ihrer Wünsche nach Bauernhofidylle erfüllbar ist. Wie ihre Vorredner warb Hupfauer dafür, dass sich die Kombihaltung deutlich von der Anbindehaltung differenzieren müsse.

Dazu schlug Naturland-Fachberater Peter Manusch vor, die Bezeichnung Kombihaltung erst ab einem Weideanteil von mehr als 120 Tagen im Jahr zu verwenden.

Beitrag zum Erhalt des Landschaftsbildes

Schützenhilfe bekamen die Landwirte vonseiten des Landratsamtes. Wie Josef Faas von der Unteren Naturschutzbehörde anmerkte, erfülle die Kombihaltung einen äußerst wichtigen Beitrag zum Erhalt des Landschaftsbildes. Kreisbaumeister Christian Boiger warnte davor, die dörflichen Strukturen mit riesigen Laufställen zuzupflastern: „Sonst erkennen wir unsere Dörfer in 20 Jahren nicht wieder.“ Um den Tiere Auslauf zu ermöglichen, wären durchaus kleinere Umbaumaßnahmen umsetzbar.

Wie Kaniber sagte, werde bereits an Erleichterungen der strengen Auflagen gearbeitet. Entsetzt und enttäuscht sei sie von der widersprüchlichen Wortwahl gewesen, welche die Zivilcourage Miesbach in der Einladung verwendet hat: „Wer so arbeitet, versetzt die Landwirte in Angst und Schrecken. Das bringt uns – ganz im Gegenteil – keinen Deut weiter.“ In ihrem Schlusswort forderte sie dazu auf: „Lasst uns ehrlich miteinander reden und auch gemeinsam miteinander kämpfen.“ hac

Quelle: DasGelbeBlatt

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