Earth Night 2021
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Licht aus: Am 7. September ist Earth Night.

Earth Night 2021

Todesfalle Licht: Das kann jeder im Landkreis Miesbach dagegen tun

Miesbach – „Licht aus!“, das fordert die Initiative Earth Night für wenigstens eine dunkle Nacht pro Jahr. Am Dienstag, ab 22 Uhr, soll es auch im Landkreis Miesbach dunkel werden.

Wenigstens eine dunkle Nacht im Jahr – dafür setzt sich die Initiative „Earth Night“ ein. Am Dienstag, 7. September, rufen die Aktiven nun dazu auf, ab 22 Uhr das Licht zu reduzieren oder abzuschalten. Der Bund Naturschutz (BN) unterstützt die Aktion und bittet Kommunen sowie Bevölkerung, sich daran zu beteiligen.

Lichtverschmutzung ist auch für den Artenrückgang mitverantwortlich. Wenn es Nacht wird, kämpfen viele Insekten ums Überleben. Straßenlampen, Autoscheinwerfer, Leuchtreklame, Flutlichter auf Parkplätzen, Tankstellen und Sportanlagen, Strahler auf Baustellen, Gewerbeflächen und Baudenkmäler – für nachtaktive Insekten können solche Lichtquellen zu Todesfallen werden, denn sie führen zum Zusammenbruch ihres angeborenen Orientierungsvermögens. Um das große Insektensterben aufzuhalten, fordert der Bund Naturschutz zusammen mit den „Paten der Nacht“, die Initiatoren dieser bundesweiten Aktion, die sich ehrenamtlich dafür einsetzen, Lichtverschmutzung einzudämmen, ein Umdenken bei künstlichen Lichtquellen.

Beleuchtungsdauer verkürzen

„Von den in Deutschland vorkommenden Insektenarten sind etwa 70 Prozent nachtaktiv. Viele davon sind bereits in ihrem Bestand gefährdet“, sagt Manfred Burger, der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Miesbach. Für ihn steht fest: „Es ist höchste Zeit, um auf Beleuchtungsalternativen umzusteigen, die Beleuchtungsdauer zu verkürzen oder in bestimmten Fällen ganz auf nächtliche Beleuchtung zu verzichten.“

Außerdem stellt der BN fest: „Leider haben noch nicht alle Kommunen die Vorgaben des Volksbegehrens Artenvielfalt umgesetzt, dass Bauten der öffentlichen Hand zwischen 23 Uhr und der Morgendämmerung nur noch in Ausnahmefällen beleuchtet werden dürfen. Wir fordern deshalb alle Kommunen auf, das umzusetzen und unnötige Beleuchtung, wo immer es geht, dauerhaft abzuschalten.“

Reduktion der Lichtverschmutzung

Die Reduktion der Lichtverschmutzung sei aber auch eine Aufgabe für alle andere Institutionen, zum Beispiel Kirchen, und jeden Einzelnen, ergänzt der Kreisgruppenvorsitzende: „Wir sollten den Insekten zuliebe soweit möglich auf nächtliche Beleuchtungen verzichten.“

Das Problem vieler nachtaktiver Insekten: Sie sehen noch bei unglaublich geringen Lichtstärken und fühlen sich vom Licht angezogen. Nachtaktive Schmetterlinge können beispielsweise auch den ultravioletten Teil des Lichtspektrums wahrnehmen. Sie reagieren am stärksten auf Licht, das der Mensch gerade noch als violett wahrnimmt, aber auch auf kurzwellige UV-Strahlen, die für Menschen schon unsichtbar sind. „Viele Lampen, die neben dem sichtbaren auch dieses UV-Licht ausstrahlen, ziehen deshalb Nachtfalter und andere Nachtinsekten besonders stark an und locken sie in riesigen Scharen aus ihren eigentlichen Lebensräumen heraus“, erklärt der Kreisgruppenvorsitzende.

Künstliche Lichtquelle zieht Insekten an

Das Fatale: Haben Insekten eine künstliche Lichtquelle entdeckt, umfliegen sie sie bis zur völligen Erschöpfung oder sie kollidieren mit der Lampe, werden angesengt und verletzen sich dabei tödlich. Wer vor Erschöpfung zusammengebrochen ist, fällt oft seinen Fressfeinden zum Opfer.

Nachtjäger wie Spitzmäuse, Igel, Kröten, Laufkäfer und Spinnen haben mit den erschöpften Insekten leichtes Spiel. Bei Tagesanbruch räumen dann die Vögel unter den noch immer erstarrt verharrenden Insekten auf, die sich an Hauswänden ausruhen oder am Boden liegen.

Ziel des Volksbegehrens Artenvielfalt

„Ganze Insektenpopulationen können so in der Stadt in kurzer Zeit zusammenbrechen“, erklären die Initiatoren. „Das Massensterben der zum Licht gelockten Tiere kann nicht wettgemacht werden. Selbst scheinbar naturnahe Lebensräume in der Stadt verarmen so.“

Deshalb war ein Ziel des Volksbegehrens Artenvielfalt, die Lichtbelastung zu reduzieren. Seit 1. August 2019 gelten neue Vorschriften zur Beleuchtung von Gebäuden und im Außenbereich. Diese wurden jedoch noch nicht überall in Bayern umgesetzt.

Festbeleuchtung in Orts- und Stadtkernen

Um dem Insektensterben Einhalt zu gebieten, sollte man abklären, ob Beleuchtung notwendig ist. Auch technische Maßnahmen sind möglich. Ebenso sollte überdacht werden, wie die Leuchten ausgerichtet und platziert sind. Zudem kann das Licht zeitlich begrenzt, also nachts ausgeschaltet werden.

„Die Festbeleuchtung in Orts- und Stadtkernen kann mit insektenfreundlichen Lampen und Beleuchtungsvorschlägen ohne Sicherheitskompromisse reduziert werden und spart darüber hinaus kostbare Energie ein“, sagt Manfred Burger. „Zusätzlich sollte darüber nachgedacht werden, ob bei Kirchen oder anderen baulichen oder landschaftlichen Attraktionen eine Effektbeleuchtung überhaupt notwendig ist – oder diese zumindest auf Sonn- und Feiertage begrenzt werden kann.“ ksl

Quelle: DasGelbeBlatt

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