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Unbekannte klauen im Rotwandgebiet und gefährden damit bedrohte Tierart

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Wildschutzgebiet Rotwand
Die Naturschutz-Ranger haben die Schilder für das Wildschutzgebiet Rotwand gesetzt. Im Foto rechts sieht man, wie die nun gestohlenen Schilder aussehen. © LRA/Robl

Landkreis – Seit dem 1. Dezember gibt es das Wildschutzgebiet Rotwand im Landkreis Miesbach. Nun wurden die Schilder geklaut – mit fatalen Folgen.

Die Tafeln haben nicht einmal einen Monat gehalten: Zwei Schilder, die auf das neue Wildschutzgebiet im Rotwandgebiet hinweisen und erst zum 1. Dezember aufgestellt wurden, sind Ende Dezember beschädigt und entwendet worden. Darüber informiert Sprecherin Vanessa Schallmoser vom Landratsamt in Miesbach.

Das eine Schild stand im Bereich der Sandbichler Alm, das andere im Bereich Auerspitzgipfel. Es handelte sich jeweils um ein Dreiecksschild „Wildschutzgebiet“ und eine Informationstafel zum Betretungsverbot. Ein Schild wurde in einem nahegelegenen Latschenfeld gefunden, das andere bleibt verschwunden. Die Pfosten der Schilder waren durch Schrauben mit den einbetonierten Bodenhülsen verbunden. Um die Tafeln zu entfernen, musste also entsprechendes Werkzeug verwendet werden.

Zwei Jahre intensive Vorarbeit

Das Entsetzen sei groß, heißt es in einer Mitteilung des Landrats­amtes: Nach zwei Jahren intensiver Abstimmung mit Landwirten, Forstbetrieb Schliersee, Touristikern der Alpenregion Tegernsee Schliersee und Naturnutzervertretern des Deutschen Alpenvereins hat die Behörde erst Ende November eine Schutzgebietsverordnung erlassen.

Diese besagt, dass zwischen 1. Dezember und 14. Juli eines jeden Jahres ein 320 Hektar großes, nicht zusammenhängendes Gebiet rund um Lempersberg, Benzingspitz, Wildes Fräulein/Jägerkamp und Maroldschneid nicht betreten werden darf. Das Gebiet liegt in den Gemeinden Fischbachau, Schliersee und Bayrischzell.

Schutz vom Aussterben bedrohter Tierarten

Grund für das Wildschutzgebiet ist der Schutz vom Aussterben bedrohter Tierarten: Statt der möglichen 150 leben aktuell nur noch 25 Birkhühner in diesem für sie letzten Rückzugsgebiet in den bayerischen Alpen. Über Jahre hinweg konnten die Hühner nicht ungestört brüten und ihren Nachwuchs aufziehen, wurden ständig von Skitourengehern und Wanderern zur Flucht gezwungen. Das Wildschutzgebiet soll dazu beitragen, dass sich die Population erholt.

Um Naturnutzer nicht grundsätzlich auszusperren und für Verständnis zu werben, wurden einige Ausnahmen auf beliebten Wanderwegen erlaubt und sogar ein neuer, alternativer Wandersteig angelegt.

Tourismus im Einklang mit der Natur

Die Demontage der Schilder sei ein Rückschlag für all jene, die sich für einen verträglichen Tourismus im Einklang mit der Natur einsetzen, heißt es weiter. Ranger, Gebietsbetreuer, Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und Landrat – sie alle seien fassungslos, mit welcher Rohheit man die Bemühungen zum Schutz der Natur und Arten mit Füßen treten könne.

„Es ist im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich“, berichtet Naturschutz-Ranger Alexander Römer, der selbst stundenlang nach den verschwundenen Schildern gesucht hat. Sein Kollege Andreas Köpferl – die beiden haben die Schilder auf den Berg getragen und dort einbetoniert – ist ebenso schockiert: „Man versteht es einfach nicht. Da bemüht man sich darum, jeden mitzunehmen und zu erklären, warum hier ein Wildschutzgebiet gebraucht wird, und dann so etwas.“

Entmutigen lassen werden sie sich von dem Vorfall nicht: Es kommen neue Schilder. Zudem werde die Präsenz in dem Gebiet unterstützt von nebenberuflichen Rangern der Alpenregion Tegernsee Schliersee intensiviert.

Anzeige gegen Unbekannt

Das Landratsamt Miesbach habe zudem Anzeige gegen Unbekannt wegen Diebstahls beziehungsweise Unterschlagung und gemeinschädlicher Sachbeschädigung erlassen, teilt Vanessa Schallmoser mit. Der entstandene Sachschaden belaufe sich auf etwa 1.500 Euro, für die nun der Steuerzahler aufkommen müsse.

„Viel größer ist allerdings der Schaden, der für die Tiere entsteht: Ohne Beschilderung wissen die meisten Naturnutzer gar nicht, dass sie das Gebiet nicht durchqueren dürfen“, erklärt sie. „In der Folge werden die 25 verbliebenen Birkhühner wieder am Brüten gehindert – mit einem ungewissen Ausgang für die Population.“ Weitere Infos zum Wildschutzgebiet Rotwand gibt es online unter www.landkreis-miesbach.de. ksl

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