Haberfeldtreiben 2021 in Miesbach
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Finsterer Auftritt: Die Haberer hielten in ihrer Schupf Gericht mit der großen und der kleinen Politik.

Dableckt und obgwatscht

Miesbacher Biergarten: Hohn und derber Spott beim Haberfeldtreiben

Miesbach – Noch bis Sonntag, 8. August, lädt der Miesbacher Biergarten zu Musik und Schmankerl ein. Auch Haberfeldtreiben hab es trotz Corona wieder.

Mit einem Kanonenschlag machten sich die schaurigen Haberer mit ihren langen Bärten und finsteren Gesichtern am Sonntag bei Einbruch der Nacht auf in ihren Schupfen, um Gericht zu halten. So manch einer hat sich weggeduckt, als der Haberermeister nach seinem Urteilsspruch fragte: „Mana ist wahr?“ und seine schwarzen Gesellen mit einem dröhnenden „Ja, wahr is!“ und infernalischem Getöse das Urteil bestätigten.

Zum Auftakt wurde – sehr zur Freude der sich brav an die Corona-Regeln haltenden Besucher des Miesbacher Biergartens – der Bierfass-Eklat im Landratsamt zum Plädoyer gebracht. Den hatte die Miesbacher Polizeichefin auf Grundlage der, wie der Haberermeister es formulierte, „ellenlangen Infektionsschutzverordnung von euer Gnaden Markus Söder“ zur Anzeige gebracht. „As Landratsamt soi durchsetzn und kontrolliern, wenn se de aber selber ned dro hoidn, konn nix passiern. Da lassen sie de doch tatsächlich von da Polizei saiba dawischn, wias im Keller nach Feier­obnd a Hoibe obezischen.“ Der Rat an die Regierung war: „Derd‘s uns wega Corona ned gar a so drangsaliern, weil des duad uns arg vadriassen und dann brauchan d Gendarm wega Denunziantntum a ned auf Spotzn schiassn.“

Natürlich kam auch Bürgermeister Gerhard Braunmiller nicht ungeschoren davon. „Mid stramme Wadl war a beim Stadtradln ganz vorn mit dabei. Aber mia ham auf Instagram drei Buidl von dia mit dem saibn roten Trikot entdeckt, werd des beim Sporteln gar ned verdreckt? Von deina Gemeindeapanage kunnst da doch leistn a zwoats oder drittes Leiberl. Oder muas dein oidn Fetzn jeden Tag waschen, dein arms Weiberl?“ Zwar sei seine Stellvertreterin Astrid Güldner hier modebewusster mit weißer Hose und flottem Polohemd unterwegs gewesen, aber die Haberer stellten fest: „Grod schwar tat sich die Astrid beim trätn mit ihre Sandaletten. Sie schnauft se hart, as ratschn dat mim E-Bike besser geh, ohne Akku is hoid ökologisch korrekt aba gar ned schee.“

Für viel Chaos auf den Straßen musste schließlich auch die Deutsche Bahn einen Richterspruch aushalten: „Löcher aufreißen und Straßn sperrn, des kinnas glei, aba dann is mid da G‘schwindigkeit vorbei.“ Für die in der Kreisstadt rund für ein Jahr fehlende Bahnschranke lobten die Haberer den Konzern: „In Zeiten der Digitalisierung hod die Bahn eine perfekte Idee, des kon nua mid zwoa perfekt ausgebildete Fachkräfte geh. Olle 30 Minuten weckt a Signal de Schrankenwärter auf, dann nimmt de qualifizierte und hochkomplexe Gleissicherung ihran Lauf. Da G‘wamperte drent, da Dürre herrent, die anspruchsvolle Arbat geht eane pflichtbewusst von der Hand, wenn sie spannan des rot-weiße Absperrband.“

Tosenden Beifall gab es für den Spruch: „Wia kon ma mid dem Genderschmarrn nur so spinna und übatreim, bei dem Thema kimd uns Haberer wirklich des speim! Ois dads koane gresssan Probleme ned gebn, des kon koa Frau, koa Mo und koa Gender verstehn.“ Als Beispiel gibt laut Haberer die Stadt München viele Millionen Euro jährlich für die gendergerechte Umschreibung von Protokollen, Erlassen und Weisungen aus. „Do spuid Geld koa Roin. Für Bildung, Pflege und Rentn is aber koa Pulver übrig, do duats stirn, aba beim Gendern werds nausg‘haut, vollkommen ohne Hirn.“ Das Fazit vom Haberermeister war dann auch eindeutig: „Im Land der Dichter und Denker wird unsa schene deutsche Sprach so verhundst und versaut, da konns leicht sei, dass an Goethe und an Schiller vor lauter Wuad vom Grob ausahaud.“

Verabschiedet haben sich die Haberer nach Untersberg dann unter frenetischem Applaus mit den Worten: „Die wo heit drokemma san, kinnan uns ruhig a schlechte Nachred geben, des is uns wurscht damit kimma leben. Mir Haberer san ehrliche Leid. Seiner Lebtag hat keiner nix gstohln, drum fürchten mir uns a ned, dass uns da Deifi tut holn.“ hac

Quelle: DasGelbeBlatt

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