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Ein Stimmzettel für die Bundestagswahl: Die Gewerkschaft NGG ruft Beschäftigte aus dem Lebensmittel- und Gastgewerbe dazu auf, wählen zu gehen – und sich über die Wahlprogramme der Parteien in puncto Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zu informieren.

Ein Viertel befristet

NGG fordert nächste Bundesregierung zum Abschaffen dieser Regel auf

Landkreis – Die Gewerkschaft NGG fordert von der künftigen Bundesregierung, dass die Möglichkeit zum Befristen von Arbeitsverträgen abgeschafft wird.

Kritik an unsicheren Jobs: Im Landkreis Miesbach waren zuletzt 24 Prozent aller neu abgeschlossenen Arbeitsverträge befristet. 517 von 2.117 Neueinstellungen hatten im zweiten Quartal 2020 ein Verfallsdatum. Darauf macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam und beruft sich dabei auf Zahlen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

„Befristete Jobs sind besonders stark im Lebensmittelhandwerk und im Gastgewerbe, aber auch in der Ernährungsindustrie verbreitet – und können gerade für jüngere Beschäftigte zur Falle werden“, sagt Manuel Halbmeier, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern. Wer nur eine Stelle auf Zeit habe, bekomme etwa nur schwer eine Wohnung oder einen Kredit. Sogar die Familienplanung werde erschwert. Die nächste Bundesregierung müsse das Problem dringend in den Griff kriegen und Befristungen eindämmen.

Befristungen ohne Sachgrund eindämmen

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren 2020 bundesweit 56 Prozent aller Neueinstellungen im Nahrungs- und Genussmittelgewerbe befristet. Im Gastgewerbe lag die Quote mit 45 Prozent ebenfalls weit über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 38 Prozent. „Im Zuge der Corona-Pandemie können Befristungen für die Betroffenen zu einem großen Problem werden, weil viele Firmen ihre Arbeitsverträge auslaufen lassen“, warnt Halbmeier. Es sei überfällig, dass die Politik Befristungen ohne einen sogenannten Sachgrund eindämme. Als Sachgründe gelten etwa eine Elternzeitvertretung oder eine Probezeit.

An die Beschäftigten aus den Branchen der NGG appelliert der Gewerkschafter, sich vor der Bundestagswahl über die Wahlprogramme der Parteien in puncto Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zu informieren und am 26. September wählen zu gehen. „Am Thema Befristungen zeigt sich, wie sehr es auch auf die Stimme der Arbeitnehmer ankommt“, unterstreicht Halbmeier.

Last der Corona-Krise gerecht verteilen

Wer im Landkreis Miesbach in der Ernährungsindustrie, in Hotels und Gaststätten, Bäckereien oder Fleischereien arbeite, für den stehe bei dieser Wahl viel auf dem Spiel: „Denn wie viele Stunden die Menschen arbeiten müssen, welche Rente sie am Ende bekommen oder ob aus einem Minijob eine feste Stelle wird – das entscheidet sich auch bei der Bundestagswahl.“

Wichtig sei auch, dass die kommende Bundesregierung die Tarifbindung stärke. Laut IAB arbeiteten 2020 lediglich 45 Prozent aller westdeutschen Beschäftigten nach einem Branchentarifvertrag. Im Jahr 2000 waren es noch 63 Prozent. Zugleich fordert die Gewerkschaft NGG, die Lasten der Corona-Krise gerecht zu verteilen. „Es kann nicht sein, dass einzelne Unternehmen Dividende an ihre Aktionäre ausschütten, nachdem sie vom Staat großzügig mit dem Kurzarbeitergeld unterstützt wurden“, sagt Halbmeier.

Unter dem Motto „Du hast die Wahl“ hat die NGG zentrale Forderungen zusammengetragen. Den Wahl-Check gibt es online unter www.ngg.net/btw21. ksl

Quelle: DasGelbeBlatt

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