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RS-Virus auf Vormarsch: Lage in Kinderklinik Agatharied heikel

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Von: Sandra Hefft

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Chefärztin Margit Kellerer (vorn) und Pflegerin Julia Polomsky
Chefärztin Margit Kellerer (vorn) und Pflegerin Julia Polomsky versorgen ein Neugeborenes in der Kinderklinik des Krankenhauses Agatharied. © KKH

Hausham – Nicht nur Corona, auch das RS-Virus spielt derzeit eine große Rolle in der Kinderklinik im Krankenhaus Agatharied. Dabei dürfte es die gar nicht geben.

Nicht nur Covid-19 macht den Kliniken derzeit zu schaffen, sondern auch das RS-Virus, das Respiratorische-Synzytial-Virus. Dieses verursacht Atemwegserkrankungen, die mit Fieber, Luftnot und Trinkschwierigkeiten einhergehen, und ist besonders für junge Kinder gefährlich. Während ältere meist mit Erkältungssymptomen davonkommen, kann es sein, dass Säuglinge und Kleinkinder besonders schwer erkranken. Gut, wenn da die Kinderklinik gleich in der Nähe ist, im Krankenhaus Agatharied zum Beispiel. Dabei dürfte es diese eigentlich gar nicht geben.

Es ist Freitag, 22. Oktober, gegen 20 Uhr, als der Intensivtransporthubschrauber Christoph München am Krankenhaus Agatharied landet. Er bringt ein zweijähriges Kind aus Erding mit hohem Fieber und einem Infektkrampf. Weder in München noch in der näheren Umgebung fand sich ein Bett in einer Kinderklinik für das kleine Mädchen. So flog der Notarzt das Krankenhaus Agatharied an. Weil auch dort rund um die Uhr Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin im Dienst sind, konnte sofort mit der Behandlung begonnen werden. Das Kind erholte sich rasch und konnte nach drei Tagen nach Hause entlassen werden.

Corona-Lockdown: Kein Kontakt zu Viren

Dieses kleine Mädchen hatte das sogenannte RS-Virus. „Im Moment sind die Kinderstationen voll mit kleinen Patienten, die sich mit diesem Virus infiziert haben, so auch in Agatharied“, erklärt das Krankenhaus. „Das RS-Virus ist nicht neu, aber wir haben es jetzt mit einem Nachholeffekt zu tun“, erklärt Margit Kellerer, Chefärztin der Kindermedizin im Kreiskrankenhaus. „Wegen Corona waren die Kinder in den vergangenen anderthalb Jahren diesen Viren nicht ausgesetzt. Kitas waren geschlossen, ältere Geschwister trugen in der Schule Mundschutz, wenn sie denn überhaupt in der Schule waren, und auch in Summe waren die Kontakte reduziert.“

Im Krankenhaus Agatharied liegen in den vergangenen Wochen vermehrt kleine Kinder mit Atemwegserkrankungen, meist infolge einer RSV-Infektion. „Diese Säuglinge sind schwer krank, trinken ungenügend und benötigen oft über mehrere Tage Sauerstoff oder eine Atemunterstützung am Highflow. Diese Kinder erfordern einen hohen Pflegeaufwand. Das Pflegepersonal arbeitet oft am Limit“, sagt die Chefärztin.

Kinderklinik schon zweimal auf der Kippe

Um andere, nicht-infektiöse Kinder nicht zu gefährden, sind eine strenge räumliche Trennung wie auch besondere Schutzmaßnahmen in der Pflege erforderlich. Das reduziert die Kapazitäten auf der Kinderstation. „Damit befinden wir uns in guter Gesellschaft mit den Kinderkliniken in München“, erklärt Kellerer. „Täglich bekommen wir Anfragen von Münchner Kliniken, Kinder mit RSV-Infektion bei uns aufzunehmen, um sie zu entlasten. Wir versuchen, zu helfen. Dennoch ist das nur in begrenztem Umfang möglich.“

Eigentlich dürfte es die Kinderklinik in Agatharied auch gar nicht geben. „Schon zweimal hatte sich das zuständige Ministerium geweigert, die Anträge des Krankenhauses auch nur auf die Agenda des für die Genehmigung zuständigen Krankenhausplanungsausschusses zu setzen“, berichtet die Klinik. „Nur aufgrund der Eigeninitiative des Krankenhauses gibt es die Kinderstation, die sich jetzt als Segen für die gesamte Region herausstellt.“

1.500 Geburten pro Jahr in Agatharied

Michael Kelbel, Vorstand des Kreiskrankenhauses, ergänzt, dass die Situation der Kindermedizin in Agatharied besonders heikel sei. „Auf der einen Seite wolle man dieses Versorgungsangebot unbedingt aufrechterhalten. Schon alleine für die inzwischen rund 1.500 Geburten im Jahr sei die ständige Anwesenheit der Kinderärzte aus Sicherheitsgründen zwingend. Auf der anderen Seite kämpfe man mit den finanziellen Folgen dieser Selbstverpflichtung“, erklärt das Krankenhaus.

„Als die Kreißsäle in Bad Tölz und Bad Aibling geschlossen haben, wurden wir damit komplett alleine gelassen. Die Geburtsabteilung im Krankenhaus Agatharied war einmal für 700 Geburten gebaut worden. Mit dem Zustrom aus den Nachbarlandkreisen sind es nun knapp 1.500 jedes Jahr“, sagt Krankenhausvorstand Michael Kelbel. „Auf den Kosten für die notwendige Erweiterung der Kreißsäle sind wir komplett sitzen geblieben und, dass wir rund um die Uhr Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin im Einsatz haben, beschert uns ein jährliches Defizit von über 1 Million Euro, aber die Kindermedizin ist uns wichtig. Daran wollen wir nicht rütteln“, bekräftigt er. she

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