Schulamtsdirektor Jürgen Heiß und Stellvertreterin Andrea Pelters-Mönkemeier
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Schulamtsdirektor Jürgen Heiß und Stellvertreterin Andrea Pelters-Mönkemeier informierten über das neue Schuljahr der Grund- und Mittelschulen im Landkreis Miesbach.

Die neue Normalität

Schulbeginn im Landkreis Miesbach mit Corona-Tests und Lehrermangel

  • VonSelina Benda
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Miesbach – Nicht nur Corona-Regeln, auch Personalsorgen beschäftigen das Miesbacher Schulamt. Das Probleme: Schwangere Lehrerinnen dürfen nicht in Präsenz unterrichten.

„Wir wollen die neue Normalität zumindest erhalten“, sagt Jürgen Heiß zum Start des neuen Schuljahres. Der Fachliche Leiter des Staatlichen Schulamts Miesbach und seine Stellvertreterin Andrea Pelters-Mönkemeier gaben bei einem Pressegespräch einen Überblick zu den Themen Corona, fehlende Reservelehrkräfte, aber auch erfreulichen Entwicklungen für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis.

Auch das Schuljahr 2021/2022 wird laut Heiß wieder unter dem großen Thema Corona laufen. Das Ziel der bayerischen Staatsregierung ist klar: Präsenzunterricht unter umfangreichen Hygienemaßnahmen. „Lehrer, Schulleiter und Schüler freuen sich sehr auf einen geregelten Schulstart mit Schulpräsenz“, erklärt Pelters-Mönkemeier. Einschulungen sowie Elternabende, Schulveranstaltungen und Klassenfahrten können – natürlich immer unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen – stattfinden.

Lüften und AHA-Regeln

Bedeutet aber auch: Andere Unterrichtsformen wie etwa Distanz- oder Wechselunterricht stehen nicht als Plan B im Fall von steigenden Corona-Infektionszahlen zur Debatte. Erfreulich sei laut Heiß, dass etwa die Hälfte der Räume an den Grund- und Mittelschulen mit Lüftungsgeräten ausgestattet seien.

„Diese sind aber nur einer von vielen Mosaiksteinen und somit nicht das alleinige Mittel für mehr Sicherheit“, macht der Schulamtsdirektor deutlich. Regelmäßiges Lüften und die bekannten Hygienemaßnahmen bleiben bestehen. Hinzu kommt, dass alle Schüler, zunächst noch bis 1. Oktober, in allen Innenräumen – somit auch am Sitzplatz – immer Maske tragen müssen. In den Mittelschulen mindestens medizinische, in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 auch sogenannte Community-Masken.

Pool-Testungen mit Lolli-Tests

Neuerungen gibt es im Bereich Tests: In weiterführenden Schulen sind weiterhin dreimal pro Woche anerkannte Nachweise über einen negativen Test vorzulegen oder diese direkt in der Schule unter Aufsicht zu machen. Auch Grund- und Förderschüler unterliegen dieser Regelung, aber nur noch bis Ende der Woche.

Denn ab 20. September finden bei den Erst- bis Viertklässlern zweimal pro Woche sogenannte Pool-Testungen mit Lolli-Tests statt. Jedes Kind muss dabei zwei orale Tests machen. Beide werden einzeln versiegelt. Einer wird dann anonymisiert und geht in den Klassen-Pool. Diese Sammeltests werden abgeholt und ins Labor gefahren. Jeden Abend bis spätestens 19 Uhr steht dann fest, ob sich in diesem Klassen-Pool ein positiver Test befindet.

Testpflicht für Lehrkräfte

Tritt dieser Fall ein, werden die zweiten Chargen der betroffenen Klasse über Nacht geprüft. Dadurch kann das Labor – im Bestfall noch vor Schulstart – das betroffene Kind ermitteln und Schule sowie Eltern informieren. „Somit kann der Rest der Klasse am Folgetag erst einmal normal in die Schule gehen und das Gesundheitsamt prüfen, inwiefern weitere enge Kontaktpersonen in Quarantäne müssen“, erklärt Heiß.

Sollten zwei positive Tests in den Pool-Sammlungen auftauchen, werde dies als Ausbruch gewertet und in der Regel eine Klassenquarantäne verhängt. Alle Lehrkräfte unterliegen weiterhin der Testpflicht. Bei ihnen wie auch allen Schülern gilt weiterhin die Ausnahme von der Testpflicht bei vollem Impfstatus oder Genesenennachweis.

Schwangere Lehrerinnen problematisch

Mehr Kopfzerbrechen bereitet den Schulamtsdirektoren jedoch die personelle Lage. Zwar sind mit 18 neuen Lehrkräften zumindest die 14 Versetzungen in andere Regierungsbezirke gedeckt und 13 neu zugeteilte Lehramtsanwärter finden sich zum Schulstart ebenfalls im Landkreis ein. Jedoch könnte es bei den – vor allem im Hinblick auf die Pandemie – so wichtigen mobilen Reserven von 41 zusätzlichen Lehrkräften zu Engpässen in den Schulen führen.

Denn was unter normalen Umständen eigentlich nie ein Problem war, ist jetzt eines: Insgesamt elf Frauen aus dem Lehrerstamm erwarten nämlich Nachwuchs und dürfen laut Infektions- und Arbeitsschutzgesetz in der Corona-Pandemie nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. „Im Distanzunterricht war das bisher kein Problem, da konnten die Frauen noch bis zum Mutterschutz arbeiten“, erklärt Heiß.

Positives nach und vor Corona-Schuljahr

Da nun aber auf Präsenzunterricht gesetzt wird, was die Verantwortlichen des Schulamtes grundsätzlich begrüßen, müssten Kräfte aus den mobilen Reserven die Lücken füllen. Kommen dann noch normale Ausfälle von Lehrern hinzu, könnte es laut Schulamtsdirektor zu Lücken in den verfügbaren Stunden kommen. Man bemühe sich deshalb fortlaufend um sogenannte Team-Lehrkräfte und Nachrücker, sagt Heiß.

Auch viel Positives lässt sich nach und vor einem Corona-Schuljahr sagen: Das Förderprogramm „gemeinsam.Brücken.bauen“, besser als Sommerschule bekannt, war ein Erfolg und geht in die dritte Phase. Wie Pelters-Mönkemeier erklärt, hat die Regierung von Oberbayern ein Budget für jede Schule festgelegt. Diese können nun selbst Verträge mit externen Trägern oder Dienstleistern abschließen, um die Defizite im schulischen sowie sozialen Bereich – als Folge der Corona-Pandemie – mit individueller Förderung der Schüler aufzuarbeiten.

Zudem sind die Schülerzahlen solide:

  • 29 Schüler und damit zwei Klassen mehr verzeichnet das Schulamt für die Grundschulen im Landkreis Miesbach.
  • Zwar sei der Rückgang von 13 Mittelschülern schade, jedoch sei dies laut Heiß ein bayernweiter Trend.
  • Mit durchschnittlich 21 Schülern in den Grund- und 19 Schülern in den Mittelschulen würden sich überschaubare Klassen ergeben, was auch im Hinblick auf die Abstandsregeln und die individuelle Förderung der Kinder ein Vorteil sei.
  • Die Angebote der vier flexiblen Grundschulen, 15 gebundenen Ganztags- und fünf offenen Ganztagsklassen werden laut Heiß gut angenommen, auch die Deutschklasse in Hausham mit 20 vollen Plätzen und sogar einer Warteliste.
  • Zudem stünden dem Landkreis 137 Wochenstunden extra für die Deutschförderung und Vorkurse zur Verfügung.

Mit einer gewissen Vorsicht, aber auch einem positiven Gefühl stehen Heiß und Pelters-Mönkemeier dem Schuljahr 2021/2022 gegenüber. „Wir versuchen trotz Corona gut durch das Jahr zu kommen“, sagt der Schulamtsdirektor. sb

Quelle: DasGelbeBlatt

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