Absolventen des Qualifizierungskurses „Kulturdolmetscher plus“
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KBW-Leiter Wolfgang Foit (r.) und die Projektverantwortlichen freuen sich mit den Absolventen des Qualifizierungskurses „Kulturdolmetscher plus“.

Verstehen und Verständnis

Sechs neue Kulturdolmetscher für den Landkreis Miesbach

  • VonFridolin Thanner
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Miesbach/Landkreis – Wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen aufeinander treffen, kommt es schnell zu Missverständnissen. Kulturdolmetscher im Landkreis Miesbach helfen.

Es gibt sechs neue Kulturdolmetscher für den Landkreis Miesbach. Sie haben in den vergangenen Monaten einen Qualifizierungskurs und ein Praxisprojekt absolviert. „Vieles verstehe ich jetzt besser.“ „Eine große Unterstützung.“ „Extrem hilfreich.“ Das katholische Kreisbildungswerk Miesbach (KBW) findet: „Ein besseres Zeugnis als diese Rückmeldungen kann man den Kulturdolmetschern nicht ausstellen.“ Die drei Frauen und drei Männer haben dann vor Kurzem auch freudestrahlend ihre Zertifikate von KBW-Leiter Wolfgang Foit entgegengenommen.

Ziel von „Kulturdolmetscher plus“ ist ein konstruktiver Umgang mit eigener Fremdheitserfahrung und kulturell bedingten Vorurteilen. Dafür setzten sich die Kursteilnehmer intensiv mit interkultureller Kompetenz, aber auch der eigenen Migrations- und Integrationsgeschichte auseinander. „Und die Arbeit hat sich gelohnt“,wie Kursleiterin Melanie Fersi klar macht. „Es ist schön mitanzusehen, wie sich die Teilnehmer während des Kurses auch in Bezug auf ihre Persönlichkeit entwickeln.“

Klärung von Missverständnissen

Diese interkulturellen Kompetenzen nutzen die Dolmetscher im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit, bei der sie Migranten unterstützen. Die Absolventen des ersten Kurses von 2020 waren bereits in rund 40 Einsätzen unterwegs. Diese reichen von der Begleitung zu Ärzten, über Ämtertermine bis hin zu Elterngesprächen in Kitas und Schulen. Ziel der Einsätze ist eine bessere sprachliche und interkulturelle Verständigung.

„Im Gegensatz zum professionellen Dolmetschen geht es nicht nur um die reine Übersetzung der Gesprächs­inhalte, sondern insbesondere um die Vermittlung zwischen den Kulturen und letztlich auch die Klärung von Missverständnissen“, erklärt das KBW. Im Landkreis Miesbach gibt es mittlerweile Kulturdolmetscher aus Afghanistan, Nigeria, Somalia, Eritrea, Sierra Leone, Bulgarien, Syrien und Palästina.

Brücken zwischen den Kulturen bauen

Wenn Einrichtungen oder Migranten die Unterstützung eines Kulturdolmetschers brauchen, können sie bei Lisa Richters, der Ehrenamtskoordinatorin Asyl im Caritas-Zentrum Miesbach, anfragen. Sie hat das Kooperationsprojekt des KBW und des Caritas-Zentrums im Landkreis initiiert und begleitet es. Der Erfolg des Projekts begründet sich auch auf der guten Zusammenarbeit verschiedener Akteure in den Bereichen Asyl und Migration.

„Ihr seid in eurer wichtigen Arbeit nicht alleine“, sagte die Sprecherin des Netzwerks Integration, Lisa Braun-Schindler, bei der Abschlussfeier. Viele Haupt- und Ehrenamtliche setzten sich in der Region gemeinsam für ein gelingendes Miteinander ein, erklärte Braun-Schindler. Die Kulturdolmetscher ergänzten dieses Engagement mit ihrer Fähigkeit, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen.

Wer sie buchen will, muss das rechtzeitig tun und zeitlich möglichst flexibel, denn die Kulturdolmetscher arbeiten ehrenamtlich und sind nicht immer verfügbar. ft

Quelle: DasGelbeBlatt

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