Seniorenresidenz Schliersee
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Das Landratsamt Miesbach untersagt der Seniorenresidenz in Schliersee den Betrieb. Für die verbliebenen Bewohner müssen neue Plätze gefunden werden.

Amt zieht die Reißleine

Nach Kündigung: Seniorenresident Schliersee wird Betrieb untersagt

  • VonFridolin Thanner
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Schliersee – Wie das Landratsamt Miesbach mitteilt, wird der Seniorenresidenz Schliersee der Betrieb untersagt. Ende November ist Schluss für das skandalträchtige Heim.

Auf die Kündigung folgt das Betriebsverbot. Damit hat das Landratsamt Miesbach das praktisch bereits feststehende Aus der Seniorenresidenz Schliersee endgültig besiegelt. Die verbliebenen 46 Bewohner benötigen einen Platz in einer anderen Einrichtung.

Die Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwicklung und Aufsicht, kurz FQA und früher als Heimaufsicht bekannt, untersagt zum Schutz der verbliebenen Bewohner den Betrieb in der Seniorenresidenz Schliersee. Dies hat das Landratsamt am Montag (13. September) mitgeteilt. Der Bescheid der Betriebsuntersagung sei am Freitag, 10. September, versandt worden. Nun hat der Betreiber bis Ende November Zeit, den Betrieb in Schliersee abzuwickeln.

Keine Verbesserung in Seniorenresidenz

Die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassen hatte den Versorgungsvertrag mit der Einrichtung bereits zum 30. September gekündigt. Zwar wird der Einrichtung damit die wirtschaftliche Grundlage entzogen, sie hätte allerdings auf Selbstzahlerbasis weitermachen können. Dies ist durch den Entzug der juristischen Grundlage für den Betrieb, die Betriebsuntersagung der FQA, nun nicht mehr möglich. „Die beiden Entscheidungen der Arge und der FQA sind also unabhängig voneinander, aber mit demselben Ziel zu verstehen“, erklärt das Landratsamt.

„Die Entscheidung ist gefallen“, sagt Landrat Olaf von Löwis. In der Mitteilung erklärt er weiter: „Seit meinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an die Bewohner der Einrichtung gedacht habe. Das Wohlergehen und die Fürsorge der verbliebenen Bewohner liegen mir persönlich sehr am Herzen. Als Amt können wir eine Einrichtung nicht einfach so schließen, aber ich habe seit meinem ersten Arbeitstag alle Schritte veranlasst, um eine bestmögliche Versorgung der Bewohner sicherzustellen. Nun gehen wir den letzten Schritt und untersagen den Betrieb. Das war die wohl schwierigste und belastendste Entscheidung meiner gesamten Amtszeit. Aber es gibt keine Verbesserung der Situation in der Einrichtung mehr. Das Wohl der Bewohner hat oberste Priorität.“

Schutz der Bewohner

Die Einrichtung mit ursprünglich 142 Pflegeplätzen war nach einem Corona-Ausbruch im April 2020 in Schieflage geraten. Durchschnittlich einmal pro Monat fand laut Landratsamt seither eine groß angelegte, unangekündigte Kontrolle der FQA mit wechselnder Unterstützung anderer Behörden, der Regierung von Oberbayern und des Gesundheitsministeriums statt.

„Wir haben alles versucht. Alle involvierten Mitarbeiter und auch ich sind mit Herzblut dabei, das Beste für die Bewohner zu erreichen“, macht von Löwis klar. Letztendlich sei aber deutlich geworden: „Es klappt nicht in der Einrichtung.“ Statt einer Verbesserung stelle sich eine Verschlechterung der Situation ein. „Wir müssen zum Schutz der Bewohner die Reißleine ziehen und haben in einem enormen Kraftakt aus unserer Sicht ausreichend Material als Grundlage für die Betriebsuntersagung gesammelt“, erklärt der Landrat. Der Untersagungsbescheid ist sofort vollziehbar, kann aber gerichtlich noch beklagt werden.

VdK verspricht Hilfe

Für die aufgrund des Aufnahmestopps nur noch 46 verbliebenen Bewohner müssen die Angehörigen und gesetzlichen Betreuer nun so bald wie möglich eine andere Einrichtung finden. Die FQA hat wie der VdK Unterstützungsangebote bei der Suche gemacht. „Für 14 der 46 Bewohner konnte die FQA in der vergangenen Woche schon andere Pflegeplätze finden, weitere sind in Aussicht“, teilt das Landratsamt mit.

Die Pflegekassen sind ebenfalls dabei, die Angehörigen und Betreuer zu kontaktieren und Unterstützungsangebote zu machen. Das Landratsamt appelliert an alle Angehörigen und Betreuer der übrigen Bewohner, die Angebote so bald wie möglich wahrzunehmen, um den Bewohnern einen möglichst stressfreien Umzug zu ermöglichen. ft

Quelle: DasGelbeBlatt

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