Das ehemalige Hotel Bastenhaus in Tegernsee
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Als Flüchtlingsunterkunft dient das ehemalige Hotel Bastenhaus in Tegernsee mittlerweile.

Bericht von Max Niedermeier

Integration im Landkreis Miesbach: So ist der aktuelle Stand

Hausham/Landkreis – Max Niedermeier ist ehrenamtlich als Integrationsbeauftragter des Landkreises Miesbach tätig. Im Sozialbeirat in Hausham hat er nun Bericht erstattet.

Seit 2013 ist Max Niedermeier ehrenamtlich als Integrationsbeauftragter des Landkreises Miesbach tätig. Im Rahmen dieser Aufgabe hat er auch den Förderverein PIA (Pakt für Integration und Arbeit) mitbegründet, dessen Ziel ist, Flüchtlingen und anderen Migranten im Landkreis Miesbach den Einstieg ins Arbeitsleben und andere Lebensbereiche zu erleichtern. Im Rahmen der jüngsten Sitzung des Sozialbeirats im Gasthof Glück Auf in Hausham zog Niedermeier ein Fazit der Integrationsarbeit auch der vergangenen Jahre und brachte sowohl Organisation als auch Projekte zur Sprache.

Gefordert waren die ehrenamtlichen Helfer vor allem in der Zeit der großen Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016, erinnerte sich Max Niedermeier: „Die Migration beschäftigte damals den ganzen Landkreis.“ Es galt, Möglichkeiten zu finden, um die Menschen aus den Krisengebieten unterzubringen. Vier Con­tainer, drei Turnhallen und vier Traglufthallen wurden als Unterkünfte installiert. Insgesamt 1.500 Menschen suchten im Landkreis Miesbach Schutz und eine bessere Lebenssituation.

Corona-Pandemie sorgt für Klagen

Heute seien noch 500 von ihnen geblieben, die meisten jedoch wieder abgeschoben worden, berichtete der Integrationsbeauftragte. Sie werden von ehrenamtlichen Helfern betreut – und Max Niedermeier konnte hier ein positives Fazit ziehen. Wenn auch nicht alles klappe, so klappe doch vieles: „Die Flüchtlinge sind gut aufgehoben bei uns.“ Doch während der Corona-Pandemie kämen auch Klagen seitens der Helferkreise. Man habe die Sorgen und Nöte von Flüchtlingen nicht mehr auf dem Schirm.

Als Reaktion auf die Flüchtlingskrise gründete Max Niedermeier im Jahr 2016 mit einigen Asylhelfern den Verein PIA. Spendensammlungen, auch die Aktion „Leser helfen Lesern“ des Miesbacher Merkur, hätten damals große Unterstützung gebracht, auch die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) habe große Hilfe geleistet, betonte er. Schließlich habe sich damals die Frage gestellt, wer das Geld verwalten solle. Nicht zuletzt diese Frage habe dazu geführt, dass sich der Verein gegründet hat.

Menschen in Arbeit bringen

Ein wichtiger Punkt sei dann gewesen, den Menschen Arbeit zu verschaffen. Die Lage vor Ort biete dafür einen günstigen Ausgangspunkt: „Auch die Arbeitgeber suchen ja hier verzweifelt nach Leuten.“ Der Verein selbst habe eine Integrationswerkstatt gegründet, in der Flüchtlinge auch zum Meister ihrer jeweiligen Sparte ausgebildet worden seien.

Doch die Werkstatt habe geschlossen werden müssen, da das Innenministerium die Unterstützung eingestellt habe. Seitens des Innenministers würde auch heute noch eine Abschottungslinie gefahren, bedauerte Max Niedermeier: „Das ist menschlich gesehen nicht sehr schön.“ Und das, obwohl das Gros sich gut in das Leben im Landkreis eingefügt habe und an die Regeln halte.

12 Prozent mit Migrationshintergrund

2019 wurde auch das Netzwerk Integration in den Verein eingegliedert. „Die Beteiligten treffen sich regelmäßig, um über Probleme zu sprechen und Lösungsansätze zu finden“, erklärte Max Niedermeier. Das Angebotsspek­trum des Netzwerks umfasst Veranstaltungen, die interkulturelle wie auch interreligiöse Begegnungen fördern, wie Vorträge, Ausstellungen oder Theaterstücke, ebenso wie einen Tag der offenen Gesellschaft und einen Walk-to-talk, bei dem sich Mitglieder mit Politikern und Interessierten austauschen können.

Zwölf Prozent der Bürger im Landkreis Miesbach haben einen Migrationshintergrund. Natürlich müssten nicht alle betreut werden, sagte der Integrationsbeauftragte. Doch beispielsweise beim Familiennachzug setze PIA an, wenn etwa mangelnde oder fehlende Deutschkenntnisse zum Problem bei der Alltagsbewältigung würden.

Kulturdolmetscher unterstützen

Der Verein arbeitet eng mit Schulen, Kindergärten, Kitas und Kirchen zusammen. Bereits fünf Kulturdolmetscher unterstützen Menschen mit Migrationshintergrund etwa beim Gang zum Arzt oder einer Behörde, fünf weitere werden derzeit ausgebildet.

„Migration – Chance für alle“ lautet das Thema des nächsten Netzwerktreffens am 5. Oktober, teilte Niedermeier den Mitgliedern des Beirats mit. Unter der Schirmherrschaft von Landrat Olaf von Löwis werden Referenten aus verschiedenen Bereichen im Rottacher Seeforum zu dem Thema sprechen. ger

Quelle: DasGelbeBlatt

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