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Wirtschaftsempfang in Miesbach: Gastredner mit düsterer Prognose

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Von: Fridolin Thanner

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SMG-Wirtschaftsempfang 2022 im Waitzinger Keller Miesbach
Harald Gmeiner (l.) und Alexander Schmid (2.v.r.) stellten beim Wirtschaftsempfang im Waitzinger Keller mit Landrat Olaf von Löwis auch das neue Kommunalunternehmen REO vor. Mit auf der Bühne war Landtagspräsidentin Ilse Aigner (2.v.l.). Moderiert hat die Runde Christiane Goetz-Weimer. © Thanner

Miesbach – Nach Corona-Pause gab es wieder einen Wirtschaftsempfang in Miesbach. Hauptredner Franz Josef Radermacher widmete sich dem Klimawandel.

Zwischen Krisen und Optimismus, Herausforderungen und Aufbruchstimmung. Der Wirtschaftsempfang der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) im Waitzinger Keller in Miesbach stand unter besonderen Vorzeichen. So war der Hauptredner des Abends dann auch keiner, der für besonders gute Stimmung sorgte.

„Immer wennst an Professor hast, woaßt net so genau, was rauskommt“, witzelte dann auch Anton Stetter, der als Vorsitzender des Unternehmerverbands durch den Abend führte. „Mia ham a Gaudi g‘habt“, schob er hinterher. Dabei dämpfte Franz Josef Radermacher zu Beginn seines Vortrags gleich einmal die gute Laune der Zuhörer.

Klimawandel ohne Optimismus

Bei seinem Thema, dem Klimawandel, sei es schwer, etwas zu sagen, das Optimismus schafft. Der Professor, Wirtschaftswissenschaftler, Berater von Regierungsmitgliedern und NGOs, machte klar: „Basis für Wohlstand ist Energie.“ Wo es den Menschen gutgeht, also zum Beispiel hier, werde viel Kohlendioxid verursacht.

Franz Josef Radermacher
Als Hauptredner des Abends fand Franz Josef Radermacher deutliche Worte zum Klimawandel. © Thanner

Zu glauben, vor Ort mit Maßnahmen wirkungsvoll Klimaschutz betreiben zu können, hält Radermacher für illusorisch, denn die großen Probleme bereiten das enorme Bevölkerungswachstum und die Wirtschaftsentwicklung in Afrika und Asien. Genau dort, propagierte Radermacher, müsste in Maßnahmen investiert werden.

Verteidigung von Greenwashing

Kompensation von Emissionen sieht der Autor als den Milliarden-Joker, den er sowohl in seinem Buch als auch im Titel des Vortrags stehen hat. Aufforstung und Erhalt von Regenwäldern sowie Technologie, um CO2 aufzufangen, wo es entsteht, nannte er als Möglichkeiten.

Auch zu der als Greenwashing oft geäußerten Kritik hat er eine klare Meinung. In Maßnahmen in Entwicklungsländern zu investieren, sei genau richtig. Dort könne mit Geld wesentlich mehr bewegt werden als hier. Zurück blieben nach seinem Vortrag aber doch viele erstaunt blickende Zuhörer. Wohl etwas zu polarisierend waren seine Ausführungen, in denen er auch Themen wie Freiheit, Digitalisierung und Corona provokativ nicht außen vor ließ.

Fachkräftemangel und fehlender Wohnraum

Ganz anders hatte zuvor Landrat Olaf von Löwis die Besucher begrüßt. „Sie sind Gestalter“, rief er ins Publikum. Sie alle seien erfolgreiche Unternehmer, weil sie sich nicht von Pessimismus leiten lassen. Deshalb wollte der Landrat auch nur über Positives reden, etwa die Gründung des neuen Kommunalunternehmens Regionalentwicklung Oberland, das aus SMG und ATS hervorgeht.

SMG-Wirtschaftsempfang 2022 im Waitzinger Keller Miesbach
Gut gefüllt war der Saal des Waitzinger Kellers in Miesbach beim SMG-Wirtschaftsempfang 2022. © Thanner

Einen Appell an die Politik hatte Moderator Stetter. Bauliche Nachverdichtung müsse einfacher werden, forderte er. Zudem müsse Leerstand beseitigt werden, denn für Unternehmen gebe es derzeit zwei große Probleme: Mangel an Fachkräften und Wohnraum. Beides hängt zusammen. „Die Fachkräfte, die wir brauchen, können es sich nicht leisten, hier zu wohnen“, weiß Stetter. Bei Musik und einem Buffet des Culinaria-Teams auf der Terrasse hatten die Besucher des Wirtschaftsempfangs noch ausreichend Gelegenheit, sich über dieses und andere Themen zu unterhalten – und darüber, sie vielleicht mit neuem Optimismus anzugehen. ft

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