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Debatte um Krankenhauskeime 

Gehen auch Sie künftig kurzärmelig auf Visite, Herr Martius?

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Agatharied - Professor Joachim Martius (63), Ärztlicher Direktor im Kreiskrankenhaus Agatharied, spricht im Interview über die neue Hygiene-Kampagne eines Klinikkonzerns.

Wer ins Krankenhaus geht, will gesund wieder herauskommen. Wiederholte Fälle von Infektionskrankheiten durch multiresistente Keime haben dieses Grundvertrauen vieler Patienten in die Kliniken jedoch zuletzt tief erschüttert. Der Krankenhauskonzern Asklepios, der unter anderem eine Klinik in Bad Tölz betreibt, hat daraufhin beschlossen, aus Hygiene-Gründen Arztkittel mit kurzen Ärmeln einzuführen. Wir haben den ärztlichen Direktor des Kreiskrankenhauses Agatharied, Professor Joachim Martius, gefragt, ob sich auch er eine neue Kleiderordnung vorstellen kann. 

Joachim Martius 

Herr Prof. Martius, werden Sie und Ihre Kollegen künftig auch kurzärmelig auf Visite gehen?

Nein, und das ist in meinen Augen auch gar nicht notwendig. Dass sich die Patienten über die Krankenhauskeime Sorgen machen, ist angesichts der vielen Berichte in den Medien kein Wunder. Und natürlich nehmen wir diese Bedenken auch ernst. Trotzdem scheint mir die Kampagne mit den Kurzarmkitteln deutlich übertrieben. 

Warum? 

Es ist wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, dass das irgendeinen positiven Effekt auf die Krankenhaushygiene hat. Natürlich ziehen wir den Kittel bei bestimmten Tätigkeiten aus, damit er zum Beispiel nicht im Weg umgeht oder eine Wunde berührt. Für den Schutz vor Keimen bringen aber andere Maßnahmen wesentlich mehr. 

Die da wären? 

Zum einen natürlich eine regelmäßige Desinfektion der Hände. Nicht nur morgens oder nach Dienstende, sondern vor jedem Patientenbesuch. Das ist das allerwichtigste, denn über die Hände werden die meisten Keime übertragen. Absolut steril müssen vor allem die Instrumente im OP sein. Das sind aber alles Dinge, die zur Basishygiene gehören und daher in einer Klinik eigentlich selbstverständlich sind. 

So wie in Agatharied? 

Genau. Wir sind uns der Gefahr durch im Krankenhaus erworbene Infektionen sehr bewusst. Pflegepersonal und Ärzte sind dank eines exzellenten Hygiene-Managements gut ausgebildet. Als Mitglied der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch Institut in Berlin bin ich selbst seit Jahren mit der Prävention von Krankenhausinfektionen befasst. Bei den Infektionsraten liegen wir deshalb unter dem bundesweiten Durchschnitt. Damit dies auch so bleibt, lassen wir uns regelmäßig von Frau Professor Ines Kappstein beraten, einer anerkannten Expertin auf diesem Gebiet, und schulen unsere Mitarbeiter. Die Patienten brauchen sich also keine Sorgen machen - auch wenn wir Ärzte nach wie vor in langärmeligen Kitteln zur Visite kommen. 

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