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Das erträumte Schaubergwerk in Fischbachau schrumpft

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Von: Nina Probst

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Deisenrieder Stollen in Fischbachau: Schaubergwerk schrumpft
Ein Angebot für Touristen soll der Stollen bei Fischbachau werden. Der Zugang (Bild links) liegt an der Feilnbacher Straße zwischen Hundham und Bad Feilnbach. Für die Öffentlichkeit zugänglich werden 70 Meter des originalen Stollens (2), ein gemauerter Stollen (3) und ein ehemaliger Maschinenraum (4). Der Rest des Stollens (1) bleibt verschlossen. © Foto: tp / Grafik: Diaz

Fischbachau - Ein Schaubergwerk im Herzen des Gemeindegebiets: Seit Monaten kämpft Fischbachau um den Ausbau des Deisenrieder Stollens. Jetzt steht der Pachtvertrag – aber in extrem abgespeckter Form.

Mindestens 400 Meter lang sollte das Schaubergwerk in Fischbachau werden, mit einem Abschnitt, in dem die Naturkäserei TegernseerLand ihren Käse hätte reifen lassen können. Der Deisenrieder Stollen als Schlechtwetterangebot für Touristen – das war der Traum der Gemeinde Fischbachau. Der wäre beinahe geplatzt. Jetzt geht er in Erfüllung, aber in extrem abgespeckter Form.

Aus 400 Metern werden 70 Meter – die Käserei muss draußen bleiben. Der neue Pachtvertrag mit dem

Deisenrieder Stollen in Fischbachau: Schaubergwerk schrumpft
Der Zugang zum Stollen liegt an der Feilnbacher Straße zwischen Hundham und Bad Feilnbach. © Thomas Plettenberg

Eigentümer E.on SE lässt den Gemeinden Fischbachau und Bad Feilnbach, die das Projekt gemeinsam angestoßen haben, wenig Spielraum. Die Fischbachauer Gemeinderäte haben dennoch entschieden, die Umsetzung weiter zu verfolgen.

Der Weg zum Schaubergwerk war holprig. Der von der Gemeinde geplante Kauf des Stollens für einen Euro platzte Mitte dieses Jahres: Das Bergamt der Regierung von Oberbayern teilte mit, dass dies bergrechtlich nicht zulässig ist. Stattdessen verständigte man sich auf einen Pachtvertrag mit Eigentümer E.on SE. Jetzt landete der Vertrag auf dem Tisch des Gemeinderats. Allerdings zu ganz anderen Bedingungen, als Lechner im November noch angekündigt hatte: Da war die Rede von einer Länge von 400 bis 420 Meter, mit Option auf eine Verlängerung bis 800 Meter. Was die Gemeinde jetzt pachten darf, ist ein Bruchteil: 70 Meter. „Das war nicht diskussionsfähig“, sagt Gemeindegeschäftsleiter Johann Neundlinger auf Nachfrage. „Das hatten wir zu akzeptieren.“ Warum sich der Eigentümer umentschieden hat, darüber kann er nur mutmaßen. „Das Risiko bleibt bei einer Pacht beim Grundeigentümer.“ Je kürzer, umso geringer das Risiko.

Der Pachtzweck im neuen Vertrag ist auf die Öffnung für Besucher beschränkt, Nebennutzungen wie durch die Käserei sind ausgeschlossen, ebenso eine Unterverpachtung zum Beispiel an Slyrs. Was bleibt da noch an Attraktionen? Das fragten sich einige Gemeinderäte. Thomas Kantenseder (Freie aktive Bürger, FaB), ohnehin kein Fan des Projekts, sagte: „So finde ich es nicht interessant genug.“ Fraktionskollege Bernhard Padeller war derselben Meinung: „70 Meter sind zu wenig.“ Die verbotene Nebennutzung schließe alles aus, was die Gemeinde vorgehabt habe.

Deisenrieder Stollen: Ein Teil der Fischbachauer Geschichte

„Es gibt nur ja oder nein“, machte Lechner klar. Ein Nein bedeute, das Projekt zu beerdigen. Martin Schmid, Vorsitzender des Bergmannvereins St. Barbara im Leitzachtal, saß in den Zuschauerreihen und meldete sich bei der drohenden Absage zu Wort: „Das kann man attraktiv genug ausbauen, da bin ich sicher.“ Schließlich kämen zu den gepachteten 70 Metern noch 70 Meter gemauerter Stollen und der Maschinenraum hinzu. „Wir werden ja wohl hinkriegen, dass der Besucher da mit einem Aha-Effekt rausgeht.“

Bei der Mehrheit der Räte stieß er damit auf Zustimmung. Josef Obermaier (CSU) sagte: „Wir sind immer dran, unsere Geschichte aufrecht zu erhalten. Und das Bergwerk gehört da einfach dazu.“ Letztlich stimmten 15 Gemeinderäte für den neuen Vertrag, drei (alle FaB) waren dagegen. Lechner sagte sichtlich erleichtert: „Dann können wir ja jetzt anpacken.“

Und so geht’s jetzt weiter: Die Leader-Förderung wird beantragt, darin enthalten eine Konzepterstellung. Lechner schlägt vor, den hinteren Teil des Stollens zumindest zu beleuchten, sodass die Besucher hineinschauen können. „Das ist weniger attraktiv“, gibt er zu. „Aber auch weniger Aufwand.“ Und es kostet weniger: Statt der bislang veranschlagten 50 000 Euro für jede Gemeinde halbieren sich die Ausgaben jetzt.

Lechner hatte viel Mühe investiert, damit das Projekt nicht zum Erliegen kommt. „E.on wäre es am liebsten, wir würden das mit dem Schaubergwerk nicht machen“, sagte er. „Sie haben jetzt nur zugestimmt, weil wir gesagt haben, dass sich sonst die Wirtschaftsministerin mal mit ihrem Vorstand unterhält.“

nip

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