Willkommen im Club: Karl Bär ist neuer Vorsitzender des Eigeninitiativ e.V. und damit Ansprechpartner für den Miesbacher Haindlkeller. Dort betreibt der Verein den Jugendtreff „Kulturhaus zur goldenen Parkbank“. foto: andreas leder
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Willkommen im Club: Karl Bär ist neuer Vorsitzender des Eigeninitiativ e.V. und damit Ansprechpartner für den Miesbacher Haindlkeller. Dort betreibt der Verein den Jugendtreff „Kulturhaus zur goldenen Parkbank“.

"Der Haindlkeller bereichert Miesbach"

Miesbach - Karl Bär (28) aus Fellach, Ex-Bundestagskandidat der Grünen, hat eine neue Aufgabe: Seit Kurzem ist er neuer Vorsitzender des Vereins Eigeninitiativ in Miesbach.

Dieser betreibt das „Kulturhaus zur goldenen Parkbank“ im Haindlkeller betreibt. Zusammen mit seinem Stellvertreter Maximilian van Beveren (20) steht der studierte Agrarwissenschaftler vor etlichen Hürden. Optimistisch ist er trotzdem. Ein Gespräch über Lärm, Landflucht und Sex im Hinterhof.

-Herr Bär, aus dem Bundestagswahlkampf direkt in den Haindlkeller: Was begeistert Sie an dem Projekt, dass Sie sich nun als Vorsitzender engagieren?

"Ich kannte den Haindlkeller ja schon von früher und war einige Male da, als hier noch gebaut wurde. Seit Anfang Juni wohne ich wieder in Fellach, da ergibt sich das Engagement dann auch aus der räumlichen Nähe. Und ich finde das Projekt sehr spannend. Im Vergleich zum Sommer ist jetzt viel mehr los. Logisch, wir machen jeden Freitag und Samstag die Bar auf. Aber es gibt auch viele andere tolle Veranstaltungen."

-In der Vereinssatzung steht, dass das Kulturhaus zur goldenen Parkbank ein unpolitischer Ort ist. Wie bringen Sie Ihr neues Amt mit Ihrer Arbeit als Grünen-Politiker zusammen?

"Indem ich explizit als Privatmann an meine Arbeit im Kulturhaus herangehe. Ich bin hier nicht aus grünen Gründen. Ich stelle lediglich meine Erfahrungen, die ich in Ehrenämtern gemacht habe, zur Verfügung. Das ist alles."

-Sie werden in Zukunft eng mit Bürgermeisterin Ingrid Pongratz und Jugendreferent Erhard Pohl zusammenarbeiten. Glauben Sie, dass beide dieses Argument akzeptieren?

"Beide kenne ich noch nicht besonders gut. Ich glaube, Frau Pongratz habe ich im Wahlkampf ein paar Mal die Hand geschüttelt. Was die politische Einstellung betrifft, werde ich ihnen genau das sagen, was ich vorhin schon angesprochen habe: Im Kulturhaus bin ich als Privatperson aktiv, nicht als Politiker."

-Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit der Stadt denn konkret vor?

"Ich hoffe, dass die Stadt uns einfach unsere Arbeit machen lässt. Dass langsam erkannt wird, dass wir Miesbach auch bereichern - zum Beispiel durch kulturelle Events. Und dass unsere Arbeitsweise anerkannt wird. Die Stadt hat sich zum Beispiel vertraglich Nutzungszeiten im Haindlkeller gesichert. Das braucht’s doch nicht. Wenn die Stadt hier eine Veranstaltung machen will, kann gerne jemand vorbeischauen und sagen: „Wir möchten gerne.“ Dann ist das kein Problem."

-Es gab auch Ärger mit der Stadt und den Nachbarn, was die Nachtruhe betrifft. Da wurde das „laute Miesbacher Nachtleben“ schnell dem frisch eröffneten Kulturhaus angelastet. Wurde dagegen etwas unternommen?

"Eines vorneweg: Es sind nicht immer wir schuld. Wir wollen nicht dauernd eine auf den Deckel kriegen, weil wir jung und alternativ sind. Es gibt hier am Oberen Markt genügend andere Bars, deren Gäste ebenfalls Lärm machen. Oder wenn Leute am Brunnen sitzen und Bier trinken: Da können wir auch nichts dafür. Wir kümmern uns jetzt darum, dass unsere Gäste keine Getränke mit vor die Tür nehmen. Rauchen im Hinterhof ist nicht erlaubt. Darauf weisen wir nicht nur mit Schildern hin, sondern haben auch Leute, die das im Auge behalten. Wenn es eine größere Party gibt, informieren wir unsere Nachbarn vorab. Die sind mittlerweile ganz zufrieden mit uns: Ein paar kommen sogar manchmal vorbei und haben uns gesagt, dass es mit dem Lärm schon viel besser geworden ist."

-Apropos Hinterhof: Konventioneller Lärm ist ein Streitpunkt. Die Diskussion um das laute Nachtleben entstand aber vor allem nach einer Party im vergangenen Juni. Dabei hatten sich ein paar liebestolle Pärchen besagten Hinterhof als Platz für ihr Rendezvous ausgesucht.

"Ja, das stimmt. Das war aber keine Veranstaltung von uns, sondern eine private Feier, für die wir lediglich unsere Räume vemietet hatten. Der Fehler war, dass das Publikum zu jung war. Bei solchen Partys sind die Gastgeber nämlich selbst für ihre Freunde verantwortlich. In diesem Fall hat das gar nicht funktioniert. Wegen des guten Wetters standen teilweise 200 Personen vor der Tür und haben da gefeiert und Lärm gemacht. Wir als Verein hatten aber auch Ärger mit dem Veranstalter. Nach der Party waren zum Beispiel mehrere Türen kaputt. Generell war das ein unschöner Einzelfall. Wir achten sehr darauf, dass so etwas nicht noch mal passiert."

-Was ist denn das ideale Alter, um Veranstaltungen im Kulturhaus zu besuchen? Oder sich aktiv beim Verein Eigeninitiativ zu beteiligen?

"Ab 16, würde ich sagen. Die meisten unserer Abendveranstaltungen dürfen nur Personen besuchen, die 16 oder älter sind. Es kann aber auch Ausnahmen geben, gerade bei Events, die am Nachmittag stattfinden. Neulich war Rudi Baumgartner vom Schachclub Miesbach bei uns. Er wird Schachstunden für Rentner und Schüler bei uns etablieren. Da ist eine Altersbeschränkung Quatsch."

-Einer der Eigeninitiativ-Gründer, Fabian Ekstedt, sprach neulich von einer „Spaltung im Verein“. Was meint er damit?

"Das weiß ich nicht. Klar, jeder bei uns hat so seine Befindlichkeiten. Es gibt ein paar Leute, die hier richtig viel Arbeit reinstecken - während andere nicht ganz so viel tun. Das kann schon mal zu Frust führen. Aber dass es deswegen gleich eine Spaltung gäbe oder uns Leute den Rücken kehren, wäre mir neu. Fabian schaut selbst immer wieder vorbei, wenn er in Miesbach ist. Unser Hauptproblem ist momentan einfach: Es bleibt zu viel Arbeit an zu wenig Leuten hängen."

-Warum?

"Wir leiden an einem sogenannten Brain-Drain. Zu Deutsch: Die meisten engagierten, jungen Vereinsmitglieder ziehen zum Studieren nach München oder noch weiter weg. Ich weiß nicht, wie das werden soll, wenn wir kommendes Jahr zum Semesteranfang noch mehr Leute an die Unis verlieren. Das können wir uns nicht leisten."

-Wie will der Verein dieses Problem lösen?

"Wir brauchen dringend einen Generationenwechsel. Momentan denken wir darüber nach, das Projekt an den Schulen vorzustellen - nicht mit Flyern, sondern durch persönlichen Kontakt. Vielleicht können wir Lehrern dafür fünf Minuten vom Unterricht abknipsen. Langfristig wäre es das Beste, wenn es im Landkreis eine Uni oder etwas Vergleichbares gäbe. Dann müsste niemand für akademische Bildung wegziehen."

Interview: Tatjana Kerschbaumer

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